https://www.faz.net/-gzg-a0ocu

International Meetups : Die ganze Welt treffen

  • -Aktualisiert am

Home, sweet home: In der Bristol Bar haben die „International Meetups“ seit 2018 einen festen Ort gefunden, an den sie bald zurückkehren sollen. Bild: Diana Cabrera Rojas

Sprachen lernt man am besten durch Sprechen. Zum Beispiel bei den „International Meetups“. Nach einer durch Corona erzwungenen Pause kann es jetzt wieder losgehen.

          3 Min.

          Gegen 19 Uhr betritt Linda Hillerich die Lobby des Bristol-Hotels, bleibt kurz stehen und schaut sich um. Auf der rechten Seite des Raums steht ein langer, dunkler Tisch, um den schon zehn Leute sitzen und sich auf verschiedenen Sprachen unterhalten. Auf dem Tisch stehen Schilder mit Flaggen. Unter der spanischen Flagge steht „Let’s talk Spanish“. Spanisch sprechen – dafür ist die Siebenundzwanzigjährige hergekommen.

          Gleich neben der Eingangstür sitzen Vanessa Schick und Lance Ladon. Die beiden organisieren gemeinsam mit Jan Kaiser die Frankfurter International Meetups, kurz IMU, die seit 2018 dienstags in der Bar des am Hauptbahnhof gelegenen Hotels stattfinden. Die geschilderten Szenen stammen von Anfang März, denn wegen der Corona-Krise mussten die Treffen seither ausbleiben. Von Dienstag an sollen sie nun aber wieder stattfinden, übergangsweise im Biergarten des Restaurants Salzkammer in der Innenstadt, jede Woche dienstags von 19 Uhr an.

          Schick geht auf Hillerich zu, begrüßt sie und begleitet sie zu dem kleinen runden Tisch, wo sie bei Ladon die zwei Euro Teilnahmegebühr und die einmaligen fünf Euro für ein Ansteckschild bezahlt. Schick fragt sie nach ihrem Namen und nach den Sprachen, die sie spricht, sucht die entsprechenden kleinen Flaggen aus einem großen Ordner heraus und klebt sie auf Hillerichs Ansteckschild. Nun kann es losgehen.

          Hillerich kommt gerade von einer Reise nach Argentinien zurück. „Ich wollte auch in Frankfurt weiter Spanisch sprechen“, sagt die junge Deutschlehrerin. Auf Facebook suchte sie nach einer Tandempartnerin, also einer Spanierin, die Deutsch lernen möchte und die ihr mit Spanisch helfen kann. In einer der vielen Gruppen, die es auf Facebook dafür gibt, wurde sie fündig. Die beiden trafen sich dann vergangene Woche in einem Café. „Wir haben uns total gut verstanden und wollen uns nächste Woche noch mal treffen“, sagt sie.

          In der Sprachtandem-Facebook-Gruppe teilt Ladon jede Woche die International-Meetups-Veranstaltungen. So wurden auch Hillerich und ihre Tandempartnerin auf die Treffen aufmerksam. Da ihre Tandempartnerin später kommt, schaut sich Hillerich noch um: „Ich hatte schon etwas Angst, erst mal allein hierher zu kommen.“ Doch Stephan Behringer, der Gründer der International Meetups, bemerkt das, springt von seinem Platz am Kopfende auf und zeigt Hillerich einen freien Platz am Tisch neben einer Spanierin, die bereits seit einigen Minuten da ist. „Ich habe mich hingesetzt und kam gleich ins Gespräch“, sagt Hillerich.

          „Für die neuen Teilnehmer ist es wichtig, dass sie abgeholt werden“, sagt Behringer, der heute extra aus Würzburg gekommen ist. „Wir haben viele schüchterne Leute, da sind die Ansteckschilder mit den Namen und Flaggen nützlich.“ Dadurch fielen die Gesprächseinstiege leichter.

          „Schnapp dir ein Bier und rede mit einem Muttersprachler“

          Immer mehr Leute kommen herein. Unter anderem ein junger Mann aus Malaysia. Behringer sieht die Flagge auf seinem Ansteckschild und begrüßt ihn auf Malaiisch. Der Mann ist ganz überrascht, dass jemand ein paar Brocken seiner Sprache kann. Behringer zeigt auch ihm einen freien Platz am Tisch. Der junge Mann bestellt sich ein Getränk, und auch er kommt schnell mit seinem Nachbarn ins Gespräch. „Schnapp dir ein Bier und rede mit einem Muttersprachler“, sagt Behringer. Das sei das Erfolgsrezept, denn „wenn ich ein Jahr an der Volkshochschule sitze, es aber nicht anwende, dann komme ich nicht weiter“.

          Tout le monde: Die Flaggen zeigen, welche Sprache man spricht.
          Tout le monde: Die Flaggen zeigen, welche Sprache man spricht. : Bild: Diana Cabrera Rojas

          Behringer spricht elf Sprachen, dabei hatte auch er in der Schule nur Englisch und Französisch gelernt. Nach seinem dualen BWL-Studium sollte sich das aber ändern. „Ich war 25 und wollte in den nächsten zehn Jahren auf 100 Länder und zehn Sprachen kommen“, sagt Behringer. Und genau das machte er auch. Die Sprachen lernte er immer am Ort und im Einzelunterricht. Zusätzlich nahm er über die Plattform „Couchsurfing“ an lose organisierten Sprachtreffen überall auf der Welt teil. Im Oktober 2014 rief er dann in Würzburg über die amerikanische App „Meet-Up“ Sprachtreffen ins Leben. „Ich kannte das aus dem Ausland mit vielen Sprachen und wollte nicht, dass das einschläft“, sagt der inzwischen Achtunddreißigjährige. Teilnehmer der Würzburger Treffen brachten mit ihren Umzügen die IMUs auch in andere Städte. So gibt es auch in Stuttgart und München regelmäßige Meetups.

          Rückkehr in die Bristol Bar geplant

          „In Frankfurt waren wir lange ein Wanderzirkus. Die Leute konsumieren zu wenig, und da haben die Locations dann keine Lust drauf“, sagt Behringer. Er sei froh gewesen, mit der Bristol Bar seit 2018 einen festen Ort gefunden zu haben, wo man im Sommer auch unter freiem Himmel im Garten sitzen kann. Da die Treffen wegen Corona dort nicht mehr stattfinden können, musste Behringer nach einer neuen Location suchen. Bis voraussichtlich September werde man sich nun im Außenbereich des „Salzkammer“ treffen, um dann hoffentlich in die Bristol Bar zurückkehren zu können.

          Der Altersschnitt der Teilnehmer liege in Frankfurt bei zirka 30 Jahren, schätzt Behringer. Meistens seien etwa ein Drittel der Teilnehmer Deutsche und zwei Drittel Ausländer. „Hier kann ich die ganze Welt treffen.“ Heute sind unter anderem Leute aus Malaysia, Uruguay, Kolumbien, Großbritannien, Guatemala, Italien, Südkorea und Kroatien da. „Insgesamt wachsen wir allerdings nicht, weil die Leute sich hier kennenlernen und dann privat weitermachen“, sagt er.

          Inzwischen ist auch Hillerichs Tandempartnerin gekommen. „Das hier ist auch super für Leute, die aus Frankfurt kommen, um Freunde zu finden“, sagt Hillerich. „Man lebt in so einer internationalen Stadt wie Frankfurt und kennt dennoch so wenig internationale Menschen.“

          Weitere Themen

          Wie man eine Bierflasche auftreten kann Video-Seite öffnen

          Geht doch : Wie man eine Bierflasche auftreten kann

          Es gibt viele Möglichkeiten, Bierflaschen aufzumachen. Mit dem Feuerzeug, am Bierkasten oder auch mit dem zwölfer Schraubschlüssel aus der Werkzeugkiste. Es geht aber auch spektakulärer, wie F.A.Z.-Redakteurin Marie Lisa Kehler zeigt.

          Topmeldungen

          Eines ist allen in der Union klar: Auch ein knappes Rennen, ja sogar ein knapper Sieg führen nicht automatisch ins Kanzleramt.

          Wer wird Bundeskanzler? : Laschets Kampf geht weiter

          Trotz herber Verluste will Armin Laschet weiter Kanzler werden – auch als Zweitplatzierter. Das ginge nur mit Grünen und FDP. Eine „Zukunftskoalition“ nennt er das. Söder spricht von einem „Bündnis der Vernunft“.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.