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Frankfurter Hauptwache : Zeitreise unter der Erde

  • -Aktualisiert am

Versteckt: Hinter den Türen der Hauptwache stammt die Technik teilweise noch aus den sechziger Jahren. Bild: Michael Kretzer

Die Technik der Hauptwache ist veraltet, die Sanierung des Bauwerks längst überfällig. Ein Blick hinter die Kulissen zeigt deutlich, warum die Umgestaltung so kompliziert ist.

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          Hinter der Tür wartet also doch kein Mörder. Als Max Altmeyer das Schloss aufdreht, gibt die unscheinbare Wand den Zugang zum verborgenen Teil der Hauptwache frei. Den Bereich hinter den Kulissen des Verkehrsbauwerks aus den sechziger Jahren bekommen die fast 200.000 Fahrgäste, die hier täglich ein- oder umsteigen, nie zu Gesicht. Altmeyer, technischer Sachgebietsleiter bei der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF), dagegen ist fast täglich hier. Über das ohrenbetäubende Rattern der Kompressoren hinweg ruft er: „Eigentlich müsste man alles komplett rauswerfen und neu machen.“ Und genau das ist das Problem des weit verästelten Bahnhofs in der Mitte Frankfurts: Die Technik in dem unterirdischen Labyrinth aus Gängen und Räumen ist veraltet, eine Sanierung und die architektonische Umgestaltung längst überfällig – passiert ist seit Jahren nichts. Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) scherzte unlängst: „Wenn Sie mal einen Mord begehen wollen, können Sie sich in der B-Ebene gut verstecken. Dort findet Sie niemand.“

          Doch auch die wuchtige Gestalt Oesterlings ist hinter der versteckten Tür nirgends auszumachen. Der Verkehrsdezernent, in dessen Zuständigkeitsbereich die Sanierung der Frankfurter Hauptwache fällt, hat zur Besichtigung der Technikräume kurzfristig abgesagt. Die Betriebsanlagen der Hauptwache bezeichnete er vor wenigen Wochen als „museal“. „Das alte Gerät ins Museum zu schaffen wäre eine Möglichkeit“, sagt VGF-Geschäftsführer Thomas Wissgott beim Rundgang durch die Katakomben. Ein bisschen stolz ist er schon, dass hier, an einem der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte der Stadt, noch alles funktioniert. Und das mit Maschinen, die dort teilweise seit den sechziger Jahren laufen. „Der große Bedarf an Investitionen zur Sanierung des ganzen Bauwerks und seiner Technik ist allerdings nicht zu leugnen“, sagt Wissgott mit erhobener Stimme, um den Lärm der Lüftungsanlage in dem unterirdischen Gewölbe zu übertönen.

          Unbeliebt: Den Abgang zur B-Ebene nennen viele Frankfurter „Loch“.

          Für die Sanierung und den Umbau der Technik seien mindestens 70 Millionen Euro anzusetzen. Klar sei, dass bald etwas passieren müsse. Den Schwarzen Peter für den Stillstand nur der VGF zuzuschieben, sei aber zu einfach. Kurz zuvor treffen Wissgott und Altmeyer mit dem Architekten Karlheinz Lebisch an der Oberfläche zusammen. Der mit Abstand größte Eingang zur B-Ebene der Hauptwache wird im Volksmund nur „Loch“ oder „Krater“ genannt. Und was sich schon unschön anhört, sieht auch unschön aus: Bröckelnde Wände, auf den abgenutzten Treppenstufen Bierlachen und Zigarettenstummel, in den Abendstunden ist der Ort ein Treffpunkt für Trinker. Der frühere Frankfurter Planungsdezernent Martin Wentz (SPD), derzeit Vizepräsident der IHK Frankfurt, sagte neulich, der Abgang habe den Charme einer „Kloschüssel“.

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