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Frankfurter Gesichter : Christof Riess und die Handwerkskammer

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Nicht geplant: Nach dem Zweiten Staatsexamen 1994 entschied der Zufall über den Berufsweg von Christof Riess. Bild: Zeichnung Oliver Sebel

Christof Riess ist seit 17 Jahren Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main. Der verheiratete Vater einer Tochter und zweier Söhne ist bei allem Engagement aber nicht ausschließlich auf den Beruf konzentriert.

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          Wie gut, dass Christof Riess schon immer Frühaufsteher war, denn schon um 7 Uhr erreichte ihn der Anruf des damaligen Handwerkskammerpräsidenten Jürgen Heyne: Man habe seine Bewerbung aufmerksam gelesen, er möge sich doch bitte vorstellen. Riess tat das und wurde von der Vollversammlung der Kammer zum neuen Hauptgeschäftsführer gewählt. Am 1. Oktober 2003 trat er das Amt an, das er bis heute innehat. Riess macht den Eindruck, dass er mit seiner Aufgabe außerordentlich zufrieden ist.

          Hauptgeschäftsführer einer Handwerkskammer – das klingt erst dann interessant, wenn man weiß, wie breit das Themenspektrum ist. Es reicht von den Gesprächen mit dem Repräsentanten der Kammer in Brüssel, der als Seismograph für die hiesigen Handwerker Fördertöpfe und administrative Fußangeln aufspürt, bis zum Versuch der Einflussnahme auf die städtische Verkehrspolitik, die es Handwerkern noch ermöglichen soll, ihre Kunden per Auto zu erreichen. Riess beschäftigt sich mit der Lage der Berufsschulen wie mit der Besetzung der Lehrstellen, nicht zuletzt ist er Chef der 270 Mitarbeiter der Kammer Frankfurt-Rhein-Main an sechs Standorten. Seine Arbeit macht er an der Seite des ehrenamtlich tätigen Präsidenten Bernd Ehinger, der tief verwurzelt ist in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft und den nicht nur Riess als Glücksfall für die Handwerker empfindet.

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          Riess, man hört es ihm bis heute an, ist Württemberger, geboren am 2. Mai 1963 in Stuttgart und als Ältester von vier Kindern aufgewachsen in Schwäbisch Gmünd. Die Ahnen waren Juristen oder Wachszieher und Lebzelter, das heißt, sie stellten Kerzen und Lebkuchen her; noch die Eltern produzierten Wachsartikel. Riess entschied sich nach Abitur und Wehrdienst für das Jurastudium in München und Tübingen, wo er der einzigen berittenen Studentenverbindung in Deutschland angehörte. In seiner Doktorarbeit beschäftigte er sich mit der Tätigkeit der Juristen in der Freien Reichsstadt Schwäbisch Gmünd im 18. Jahrhundert.

          Der Zufall entschied über seinen Berufsweg

          Nach dem Zweiten Staatsexamen 1994 entschied der Zufall über den Berufsweg. Ein Freund machte Riess darauf aufmerksam, dass die Handwerkskammer in Ulm einen Juristen suchte. Dort lernte er das Kammerwesen von der Pike auf, inhalierte Themen wie Berufsbildung, Rechtsberatung, Regulatorik, Kontakte in die Politik, den Kampf um Mädchen in Männerberufen. Dies alles konnte er als Hauptgeschäftsführer der großen Frankfurter Kammer gut gebrauchen. Zu seinen Themen heute zählen nicht nur Bildung (viele Berufsschulen sind vernachlässigt) und die Frage, wie das Handwerk die richtigen Auszubildenden findet (noch immer sind unter den Lehrlingen nur zehn Prozent Abiturienten), sondern auch der Nachwuchs bei den Meistern, wo ein großer Generationenwechsel ansteht. Natürlich sind es derzeit die Folgen der Pandemie, die nicht allen, aber doch etlichen Handwerkszweigen zusetzen.

          Der verheiratete Vater einer Tochter und zweier Söhne im Alter zwischen 17 und 22 Jahren ist bei allem Engagement aber nicht ausschließlich auf den Beruf konzentriert. Er hat durch seinen Ältesten den Rudersport entdeckt, „auf Amateurniveau, aber mit Freude“. Er ist engagierter Rotarier, als praktizierender Katholik Mitglied im Ritterorden vom Heiligen Grab in Jerusalem und als überzeugter Europäer Vorsitzender des Europakomitees Hessen, eines Netzwerks von 47 Organisationen. Nicht zuletzt engagiert sich Riess im Stiftungsrat der Stiftung Polytechnische Gesellschaft und bei der Dotter-Stiftung in Darmstadt. Seinen Beruf findet er spannend und auf Frankfurt lässt er nichts kommen, die Stadt, die ihn sofort herzlich aufnahm, obwohl er so heftig schwäbelte.

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