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Frankfurter FDP : Studentenbude im Schiffscontainer

Gestrandet: Im Berliner Plänterwald steht schon eine Frachtcontainer-WG. Bild: dpa

Günstiger Wohnraum ist knapp - auch in Frankfurt. Die FDP greift deshalb eine Idee auf, die schon in anderen Städten Anwendung findet: Schiffscontainer als Wohnungen nutzen.

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          Studentenwohnungen in Überseecontainern - in vielen Städten wird darüber diskutiert. Auch die FDP-Fraktion im Römer macht sich nun diesen Vorschlag zu eigen: „Frankfurt ist eine Studentenstadt, aber gerade für Studenten fehlt es an bezahlbarem Wohnraum“, schreibt die Fraktion in einem Antrag. Sie fordert vom Magistrat ein Konzept, das zeigt, wo und wie temporäre Wohnmodelle für Studenten verwirklicht werden könnten.

          Rainer Schulze
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Liberalen wollen, dass unter anderem geprüft wird, ob sich Oberrad, Kaiserlei, die Bürostadt Niederrad und der Universitätscampus als Standorte eignen. Auch zur Wohnbebauung vorgesehene Industriebrachen, für die ein Bebauungsplan aufgestellt wird, kämen in Frage. Oft werde es noch Jahre dauern, bis der Bebauungsplan feststehe. Bis dahin seien temporäre Wohnmodelle eine sinnvolle Zwischennutzung.

          Flexibel, günstig, temporär

          Im vergangenen Jahr hatten sich Architekturstudenten der Fachhochschule mit dem Thema beschäftigt. Im Herbst wurden Ideen für temporäre Wohnheime in einer Ausstellung präsentiert. Harald Heußer, Fachbereichsleiter im Hochbauamt, verfolgt seither das Projekt. Besonders die Suche nach Grundstücken gestaltet sich aber schwierig. Mittlerweile hat Heußer mit Hilfe des Stadtvermessungsamts am Riedberg, in Sachsenhausen und auch in der Nähe der Fachhochschule geeignete städtische Flächen gefunden, die in Erbpacht vergeben werden könnten. Auch zwei Investoren seien interessiert, sagt er. Um die Akzeptanz bei den Studenten zu testen, wollen Heußer und seine Mitstreiter von der Fachhochschule und der Hochschule für Gestaltung im Herbst eine „Raumzelle“, also einen umgebauten Container, vor der FH im Nordend präsentieren.

          Bei den Grundstücken auf Heußers Liste handelt es sich zum Teil um Flächen, die langfristig für Verkehrsprojekte vorgesehen sind. Solange aber noch nicht klar ist, ob und wann dort Züge oder Autos fahren, könne man zu geringen Investitionskosten vorübergehend Wohnraum schaffen, meint Heußer. Die hohe Flexibilität sei ein Vorteil: „Man kann die Raumzellen einfach an den Haken nehmen und transportieren.“

          Finanzierung sei schwierig

          Kritiker hingegen meinen, dass eine temporäre Lösung kaum Vorzüge gegenüber einer dauerhaften hat - zumal die energetischen Anforderungen hoch sind. Der Berliner Rechtsanwalt Rainer Pietschmann, der sich mit Immobilienrecht befasst, ist skeptisch: Die Finanzierung sei schwierig, weil die Banken das auf nur wenige Jahre angelegte Modell kritisch beurteilten. „Das ist eher eine Trenderscheinung, die nur mit hohem Eigenkapital funktionieren kann“, sagt er. Entsprechend hoch seien die Ansprüche an die Rendite. Außerdem müsse sichergestellt sein, dass bei einem Verkauf ein angemessener Verkehrswert erzielt werden könne, der zur Rückführung der Darlehen ausreiche.

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