https://www.faz.net/-gzg-9egpm

Frankfurter Fahrradfallen : Wo es jeden Tag eng wird für Radfahrer

Engpass: Verkehrsinsel am Eschenheimer Tor. Bild: Jana Mai

Wer in Frankfurt mit dem Rad fährt, muss bereit sein, sich beherzt in den Verkehr zu werfen, denn an vielen Stellen wird den Pedalisten das Dasein unnötig erschwert.

          4 Min.

          Es gibt Engpässe wie am Eschenheimer Tor, die entstanden sind, weil die Verkehrsplaner nicht damit gerechnet haben, dass sich das Radleraufkommen derart erhöht. Teils liegt die prekäre Situation für Radfahrer auch daran, dass die Polizei Regeln wie das Parkverbot auf Radwegen nicht durchsetzt.

          Kein Platz auf dem rettenden Eiland

          Petra Kirchhoff

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Matthias Trautsch

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Theresa Weiß

          Zehn Minuten können einen großen Unterschied machen. Das kennen Pendler aus dem morgendlichen Berufsverkehr. Und es trifft in Frankfurt auch die Radfahrer. Zwischen acht und neun, wenn die meisten ins Büro müssen, wird der Anlagenring zur Autobahn. Verschlafen und verträumt sollte man dann besser nicht im Sattel sitzen. Nun sind die Wege im Anlagenring breit, und es gibt Ausweichmöglichkeiten, doch irgendwann steuern alle auf eine rote Ampel zu und müssen – oder sollten zumindest – anhalten.

          Ein absoluter Engpass ist die Kreuzung vor dem Kino Metropolis am Eschenheimer Tor. Eine kleinere und eine größere Verkehrsinsel trennen hier zwei mehrspurige Straßen und den Abzweiger Richtung Oeder Weg. Bei Grün kommen Radfahrer, egal, aus welcher Richtung, jeweils nur bis zur großen Verkehrsinsel. So will es die Ampelschaltung. Dann dürfen die Autos fahren, erst danach geht es für die Radfahrer weiter. Doch morgens ist der Andrang so groß, dass die paar Quadratmeter Inselchen nicht für alle ausreichen, die dort stranden. So stehen die letzten Ankömmlinge einer Grünphase oft mit einem oder beiden Rädern auf der Straße. Und beinahe ist man froh, wenn ein Nachbar eine autofreie Lücke nutzt und verbotenerweise bei Rot losradelt. Weil die Autos aber oft mit Tempo um die Ecke kommen, hat man schon viele brenzlige Situationen gesehen. Auch wegen anderer Radfahrer, die aus allen Richtungen querschießen. Fußgänger sind im Morgenverkehr ohnehin verloren.

          Zugeparkt: In der Alexanderstraße stehen fast immer Autos auf dem Radweg.

          Es könnte so einfach sein. Die Planer haben sich Mühe gegeben, denn die Alexanderstraße in Rödelheim ist eine Einbahnstraße, also müssen die Autofahrer daran erinnert werden, dass sie nicht ganz allein dort unterwegs sind. Dass sie Rücksicht nehmen müssen auf schwächere Verkehrsteilnehmer, die sich dort entgegen dem Autoverkehr bewegen dürfen. Also haben die Planer einen gut sichtbaren Fahrstreifen für Radler auf die Straße malen lassen, sie haben für die Nichtmotorisierten sogar eine kleine Beschilderung anbringen lassen: an der Lorscher Straße Vorfahrt beachten. Aber die besten Absichten nützen nichts, wenn sich nicht alle an die Regeln halten.

          Auf dem Radweg in der Alexanderstraße parken so gut wie immer Autos. Fahrradfahrer müssen in der Mitte der Straße fahren, um die parkenden Autos nicht zu touchieren. Dadurch wird es eng, und Fahrzeuge, die dem Radler entgegenkommen, müssen gefährlich nah an ihnen vorbeimanövrieren. Die Autofahrer ärgern sich, wenn sie anhalten müssen für den langsamen Radler, der ihnen von Norden her entgegenrollt. Die Einbahnstraße in Rödelheim ist nur exemplarisch. Zugeparkte Straßen, Wege und sogar Kreuzungen, die dadurch zur Gefahrenstelle werden, gibt es in der Stadt oft. Klar, die Parkplätze sind überall knapp. Aber das rücksichtslose Zuparken verwandelt selbst sorgfältig geplante Abschnitte in gefährliches Terrain.

          Alltagsuntauglich: Radstreifen auf der Schumannstraße im Westend

          An Sonn- und Feiertagen ist es beinahe ungefährlich, den vorbildlich markierten Schutzstreifen für Radfahrer an der Einmündung zur Schumannstraße zu nutzen. Denn am Wochenende sind wenige Autos auf der stadtauswärts führenden Friedrich-Ebert-Anlage – vis-à-vis dem Haupteingang zur Frankfurter Messe – unterwegs. Nach rechts in die Schumannstraße einfahrende Autofahrer haben nur an solchen Tagen überhaupt die Chance, die entgegenkommenden Radler wahrzunehmen und zu erkennen, dass sie beim Abbiegen einen sehr eingeschränkten Radius haben. Im Alltag geht es dagegen regelmäßig hitzig zu.

          Zudem ist die Schumannstraße, die als Einbahnstraße ins Westend führt, in aller Regel von den ersten Metern an zugeparkt; nicht selten auf beiden Seiten. Die Radfahrer, die auch an dieser Stelle als Einzige das Recht haben, gegen die Einbahnstraße zu fahren, bewegen sich also nicht nur auf einer durch parkende Fahrzeuge deutlich verengten Straße, sondern sie begegnen von Angesicht zu Angesicht den von einer vierspurigen Straße mit Schwung abbiegenden Autos. Es gibt Radler, die sich dieser Situation aussetzen, aber die meisten biegen zuvor auf den Gehweg ab und umfahren den dortigen Ausgang der U-Bahn-Station Messe. Die Markierung für die Radfahrer zeigt, dass sich das Verkehrsdezernat Mühe gegeben hat, den Radlern einen angemessenen Raum auf Straße zuzuweisen. In der Realität ist der Schutzstreifen aber nicht zu nutzen: Er ist am Reißbrett geplant – wahrscheinlich von einem Autofahrer.

          Verquer: auf der Mainzer Landstraße

          Die Autofahrer sind bei dieser Verkehrsführung nicht zu beneiden, aber immerhin schweben sie nicht in Lebensgefahr wie die Radfahrer. Wer regelmäßig auf der Mainzer Landstraße in Richtung Alte Oper unterwegs ist, der kennt die im Wortsinne verquere Situation an der Einmündung in die Taunusanlage. Autofahrer, die nach rechts abbiegen wollen, müssen das über den geradeaus verlaufenden Radweg hinweg tun. Ständig werden Radfahrer geschnitten, abgedrängt, müssen ausweichen oder abrupt abbremsen – wenn sie nicht sogar angefahren werden von Autofahrern, die schnell noch nach rechts auf die Abbiegespur hinüberziehen. Das geschieht nicht unbedingt aus Rücksichtslosigkeit, sondern in der Hektik des Straßenverkehrs, aufgrund fehlender Ortskenntnis oder weil der Radler im toten Winkel des Rückspiegels nicht zu sehen war.

          Je dichter der Verkehr ist, desto heikler wird es. Dann stauen sich die Autos auf der Abbiegespur nämlich zurück quer über den Fahrradstreifen. Die Radler, die geradeaus wollen, versuchen sich zwischen den stehenden Wagen durchzuschlängeln, und nicht selten setzt sich die Kolonne in Bewegung, wenn sich zwischen Stoßstange und Motorhaube noch ein Radfahrer befindet. Und schließlich gibt es noch die Autofahrer, die nicht aufgepasst haben oder besonders dreist sind. Sie versuchen, sich nachträglich von der Seite auf die bereits volle Abbiegespur einzufädeln, stehen dann quer auf dem Radstreifen und zwingen die Radler, im Bogen um sie herum in den fließenden Autoverkehr auf den beiden linken Spuren auszuweichen.

          Tunnelblick: an der Taunusanlage

          Mit der Entscheidung zwischen „lechts und rinks“ hat schon Ernst Jandl gehadert. Und so ähnlich geht es Radlern an vielen Baustellen. Sie wissen einfach nicht, wo lang sie fahren sollen. Momentan zum Beispiel auf der Taunusanlage, wo der Marienturm in die Höhe wächst. Fußgänger, die dort passieren wollen, werden durch eine Überdachung vor herunterfallenden Bauteilen geschützt, die Autos fahren an dem Gang vorbei. Doch was ist mit den Radlern? Sollen sie sich nach links in den Autoverkehr einreihen oder rechts durch die Fußgänger-Galerie fahren? Eine Beschilderung, die weiterhelfen würde, gibt es nicht. Es bleibt ihnen die Wahl zwischen Skylla und Charybdis. Die Entscheidung, nach links zu fahren, ist nur dann eine gute, wenn wenig bis kein Verkehr ist. Denn der Fahrstreifen ist gerade breit genug für die Autos. Deren Fahrer sehen auf ihrer Seite den Gegenverkehr, halten sich deshalb rechts, so dass die Radfahrer zwischen Blech und Warnbaken geradezu eingequetscht werden. Durch die Fußgänger-Galerie zu fahren ist allerdings auch nicht unbedingt ratsam. Die Reifen klappern über die ausgelegten Bretter, und mit etwas Pech bleibt das Rad stecken und der Fahrer liegt auf der Nase. Ganz abgesehen von Konflikten mit Fußgängern, die schnell gereizt reagieren, wenn man sich auf Flächen bewegt, die tatsächlich oder auch nur vermeintlich ihnen zustehen. Freilich: Es bleibt die Möglichkeit, abzusteigen und zu schieben. Aber dafür ist man eigentlich nicht aufs Rad gestiegen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Bielefelds Cedric Brunner (rechts) und Hamburgs Bakery Jatta im Zweikampf

          1:1 in Bielefeld : HSV verteidigt Tabellenführung

          Kein Sieger im Spitzenspiel: Arminias Klos trifft nur einmal und Bielefeld verpasst die Überraschung. Der HSV hingegen bleibt weiter an der Tabellenspitze – und hat das nächste Top-Duell bereits vor der Brust.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.