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Frankfurter Drogenszene : Cream Music verlässt das Bahnhofsviertel

Traditionsreiches Musikhaus: Der Inhaber von Cream Music sieht in dem Erstarken der Drogenszene den Grund für Umsatzeinbußen. Bild: Rainer Wohlfahrt

Der Gewerbeverein Bahnhofsviertel kritisiert die Drogenpolitik der Stadt. Das Traditionsgeschäft Cream Music zieht nun Konsequenzen aus der Situation und zieht um.

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          Der neue Vorsitzende des Gewerbevereins Bahnhofsviertel, Ulrich Mattner, fordert einen konsequenteren Umgang mit Drogensüchtigen. Er sagte, diese Menschen dürften zwar keineswegs stigmatisiert werden, dahinter steckten schwere Schicksale. Aber es dürfe dennoch nicht hingenommen werden, dass Heroin auf offener Straße konsumiert werde. „Das ist nicht der Frankfurter Weg, wie er gedacht war.“ Heute will sich der Vorstand des Gewerbevereins mit dem Gesundheitsdezernenten Stefan Majer (Die Grünen) treffen. In dem Gespräch wolle man auch „die Frage aufwerfen, wie die Stadt künftig das Problem der offenen Drogenszene klären will“ und welche Rolle die Druckräume spielen, die längst nicht mehr von allen Schwerstabhängigen aufgesucht würden.

          Katharina Iskandar
          Verantwortliche Redakteurin für das Ressort „Rhein-Main“ der Sonntagszeitung.

          Wie groß die Einflüsse der Drogenszene auf die Gewerbetreibenden im Bahnhofsviertel sind, macht Mattner am Beispiel des traditionellen Musikladens Cream Music fest. Wie gestern bekanntwurde, verlässt das Geschäft die Taunusstraße, nachdem es bereits im Spätsommer sein Percussion Center geschlossen hatte. Der Inhaber von Cream Music, Bernhard Hahn, hatte die Umsatzeinbußen schon damals mit der erstarkenden Drogenszene im Bahnhofsviertel begründet und gesagt, er habe sich „dem Druck der Straße beugen“ müssen. Insolvent ist Cream Music nicht. Es wird an der Seehofstraße in Sachsenhausen neu eröffnen.

          Dunkle Ecken und Plätze besser ausleuchten

          Nach den Worten Mattners sind insbesondere die Dealer ein großes Problem. Die regelmäßigen Kontrollen der Polizei seien „sicherlich gut“, aber sie würden die Situation nur kurzfristig verbessern. „Ich habe das Gefühl, da werden spontan Löcher gestopft“, sagt Mattner. „Selbst wenn die Polizei jeden Tag 200 Beamte auf die Straßen schickt, wird die Szene bleiben und sich einfach nur verlagern.“ Laut Mattner müsse die Drogenpolitik der Stadt generell überdacht werden. So habe der Frankfurter Weg seiner Ansicht nach weder die Beschaffungskriminalität gesenkt noch die Zahl der Dealer reduziert. Er forderte weitere Überwachungskameras an den Brennpunkten, so wie sie nun auch an der Taunusanlage vorgesehen sind.

          Die Stadt könnte laut Mattner auch über spezielle Konsumareale nachdenken, etwa im alten Polizeipräsidium. Auch ein Lichtkonzept sei wünschenswert, damit dunkle Ecken und Plätze abends besser ausgeleuchtet seien. Otto Gengnagel vom Gewerbeverein stellte Pläne vor, nach denen das Viertel verkehrsberuhigter und grüner werden soll. Das sei für die Taunusstraße von der Stadt auch schon einmal beschlossen worden. „Aber diese Pläne liegen offenbar nun auf Eis.“

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