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Frankfurter Dezernent Uwe Becker (CDU) : „Salafisten beschädigen Zusammenleben“

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Fordert mehr Engagement gegen Salafisten: Uwe Becker, Frankfurter Kirchendezernent und CDU-Vorsitzender. Bild: Röth, Frank

Kirchendezernent Uwe Becker (CDU) sieht es als seine Aufgabe an, einem extremen Islam in Frankfurt Einhalt zu gebieten. Er mahnt auch die Moscheegemeinden, sich deutlicher davon abzugrenzen.

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          Sie wollten mit uns über Salafismus sprechen. Was möchten Sie uns sagen?

          Ich möchte als Kirchendezernent, der intensiv mit dem Rat der Religionen spricht, ausdrücken, dass der Magistrat das Zusammenleben der verschiedenen Kulturen und Religionen sicherstellen will. Dafür muss die Stadt denen Grenzen aufzeigen, die dieses Zusammenleben beschädigen. Und das tun die Salafisten auf eine gefährliche Weise.

          Überdehnen Sie damit die Zuständigkeit des Kirchendezernenten nicht? Er ist ja eigentlich nur für den Unterhalt jener Gotteshäuser zuständig, die der Stadt gehören.

          Mit den christlichen Kirchen hat sich über diese Aufgabe ein intensiver Dialog entwickelt, in dem wir über mehr sprechen als nur über Renovierungen. Auch in meinem Kontakt zum Rat der Religionen geht es um gesellschaftlich relevante Fragen. Und dabei hat auch der Kampf gegen den Salafismus seinen Platz.

          Sehen Sie sich also als ein Neben-Integrationsdezernent?

          Nein, genauso wenig, wie ich ins Tagesgeschäft von Frau Birkenfeld als Sozialdezernentin oder von Herrn Frank als Ordnungsdezernent eingreife. Ich habe volles Vertrauen in alle drei Kollegen, möchte aber auch meinen Beitrag leisten. Der Magistrat muss sich noch breiter dem Thema des religiösen Fanatismus stellen.

          Worin sehen Sie Ihre spezifische Aufgabe?

          Darin, auf die Moscheegemeinden zuzugehen und sie dazu aufzufordern, sich vom Salafismus noch deutlicher abzugrenzen. Dieser Verantwortung muss sich die muslimische Community in Frankfurt stellen. Schon in deren eigenem Interesse. Das habe ich Vertretern der Muslime jüngst auch so gesagt, und diese Gespräche gehen weiter.

          Diese Mahnung war bisher zu leise?

          Nein, aber nun entwickelt sich mit meiner zusätzlichen Stimme ein Chor, der sie noch deutlicher formulieren kann.

          Wie eng ist denn die Absprache im Magistrat, um Radikalisierung zu bekämpfen?

          Die Koalition spricht sich gut ab, wie die jüngste Erklärung zum Salafismus von Bürgermeister Cunitz und mir zeigt.

          Sie kam aber recht spät, der Salafismus ist kein neues Phänomen. Darüber wird schon seit gut zwei Jahren diskutiert.

          Die Arbeit im Magistrat hat vor allem wegen der durch radikale Muslime verursachten Vorfälle im Jugendhaus im Gallus und im Portikus an Fahrt aufgenommen. Hier wurden klar Grenzen überschritten. Aber wir waren auch schon vorher tätig und haben Geld bereitgestellt für eine Anti-Radikalisierungs-Stelle im Amt für multikulturelle Angelegenheiten. Es gibt wenig andere Städte, die sich so aufstellen. Auch im Integrationskonzept haben wir uns im Umgang mit Extremismus positioniert.

          Ist es aber nicht trotzdem so, dass jeder zuständige Dezernent seine Arbeit macht, ohne eine gemeinsame Strategie?

          Das sehe ich anders. Zum Beispiel haben die Kolleginnen Birkenfeld und Eskandari-Grünberg und der Kollege Frank vor kurzem mit dem Präventionsrat, der Polizei und der Staatsanwaltschaft das weitere Vorgehen gemeinsam abgestimmt.

          Erst jetzt, könnte man sagen. Die Koranverteilungsaktion auf der Zeil zum Beispiel gibt es schon länger.

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