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Neubau der Frankfurter Bühnen : Preiswert, nicht billig

Entwurfsidee für die Innenstadt: Das Grundstück gehört der Frankfurter Sparkasse und liegt zwischen der Neuen Mainzer Straße und der Wallanlage. Bild: dpa

Auf der Suche nach einem geeigneten Grundstück für den Neubau der Städtischen Bühnen in Frankfurt spitzt sich der Streit in der Koalition zu. Einen Beschluss vor der Kommunalwahl wäre noch möglich.

          3 Min.

          Osthafen oder Wallanlage, das ist die Frage. Die Suche nach einem geeigneten Grundstück für den Neubau der Städtischen Bühnen verdichtet sich auf zwei Areale. Das ist nicht nur im wörtlichen Sinne ein Richtungsstreit. Auch die beiden mächtigsten Fraktionen im Römer geraten bei dem Thema aneinander.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die CDU-Fraktion hält den Osthafen für besonders geeignet. Sie nennt zwei zentrale Argumente: Würden beide Spielstätten dort errichtet, sparte sich die Stadt rund 70 Millionen Euro für den Bau teurer Ausweichquartiere. Nur einen Tag nachdem in Schauspiel und Oper am Willy-Brandt-Platz der letzte Vorhang fallen würde, könnten die Neubauten am Osthafen eröffnet werden. Das geht bei allen anderen Varianten nicht, denn sie sehen vor, dass mindestens eine Spielstätte am Willy-Brandt-Platz bleibt. Es wäre also mindestens ein Ausweichquartier nötig.

          Für einen Neubau beider Spielstätten im Osthafen kommt ein Grundstück neben der Honsellbrücke in Frage, das – so das zweite wichtige Argument der CDU – der Stadt bereits gehört. Die Fläche ist noch bis 2028 an den Baustoffhandel Raab-Karcher verpachtet, der an dieser Stelle in zwei großen Hallen Armaturen, Badewannen, Fliesen und andere Bodenbeläge anbietet. Das Unternehmen will zwar nicht umziehen. Aber die Stadt könnte nach Auslaufen des Mietvertrags auf das Grundstück zugreifen, bestätigt Michael Guntersdorf, der die Stabsstelle „Zukunft der Städtischen Bühnen“ leitet. Er hielte es allerdings für wünschenswert, früher mit dem Bau zu beginnen. Bei einer Bauzeit von rund sieben Jahren wären die Bühnen sonst nämlich erst 2035 fertig – die alte Doppelanlage am Willy-Brandt-Platz käme dann wohl an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Für Raab-Karcher müsste die Stadt allerdings ein Ersatzgrundstück anbieten, was mit zusätzlichen Kosten verbunden wäre.

          Entweder Hafen, oder Bühnen

          Die CDU-Fraktion glaubt dennoch, dass ihre Variante am wenigsten kostet. „Wir sollten die Lösung realisieren, die am günstigsten ist“, sagt der kulturpolitische Sprecher Thomas Dürbeck. Eine Investition von rund 800 Millionen Euro in den Bau von Oper und Theater sei den Frankfurtern ohnehin schon schwer zu vermitteln. Auch innerhalb der Kulturszene könne es zu Neid und Reibereien kommen: „Viele Kulturschaffende machen sich Sorgen, dass für sie nichts übrig bleibt“, sagt Dürbeck. Er meint, dass die Investition in einem „vernünftigen Maß“ bleiben müsse, damit auch für andere Institutionen genügend Mittel übrig seien.

          Hafengelände: Die CDU-Franktion meint, dass ein Neubau auf diesem städtischen Grundstück besonders günstig wäre.
          Hafengelände: Die CDU-Franktion meint, dass ein Neubau auf diesem städtischen Grundstück besonders günstig wäre. : Bild: Lando Hass

          Doch die SPD-Fraktionsvorsitzende Ursula Busch macht die CDU auf einen Denkfehler aufmerksam: Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU) hält eisern an einer gewerblichen Nutzung des Osthafens fest. Mit dem Neubau öffentlicher Kulturbauten wird aber gemeinhin ein städtebaulicher Wandel eines Gebiets eingeleitet. Das war beim Museumsufer so und bei der Elbphilharmonie in Hamburg ebenfalls. Seit Jahren wird über die Umnutzung des Unterhafens zu einem urbanen Wohn- und Mischgebiet diskutiert, doch die CDU-Fraktion hat dieser Idee erst kürzlich wieder eine Absage erteilt. „Das ist in sich nicht schlüssig. Beides geht nicht: Entweder man erhält den Hafen, oder man baut dort die Bühnen“, findet Busch. Außerdem gehörten die Bühnen in die Innenstadt.

          „Kulturmeile“ an den Wallanlagen

          Dürbeck wiederum nutzt die Gelegenheit, die von der SPD-Fraktion favorisierte Variante schlechtzureden. Der Koalitionspartner verfolgt die Idee einer „Kulturmeile“ an den Wallanlagen: Die Oper soll auf dem Areal der Frankfurter Sparkasse an der Neuen Mainzer Straße entstehen, während das Schauspielhaus einen Neubau am Willy-Brandt-Platz bekommt. Zumindest das Theater müsste also während der Bauzeit in ein teures Ausweichquartier umziehen.

          Doch das ist nicht das einzige Hindernis: Das von der Sparkasse genutzte Grundstück gehört nicht der Stadt, sondern der Bank beziehungsweise ihrem Mutterkonzern Helaba. Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) hofft darauf, dass die Stadt das Grundstück für vergleichsweise wenig Geld nutzen kann, falls der Helaba quasi im Gegenzug Planungsrecht für ein hohes Hochhaus auf einer Teilfläche des Areals gewährt würde. Dürbeck hält das für unrealistisch. „Die Grundstückskosten kommen zu den Baukosten hinzu“, sagt er. Angesichts des Bodenrichtwertes von 22.000 Euro in dieser Lage rechnet er mit einem Preis von rund 100 Millionen Euro für die Fläche. „Das käme noch on top.“

          Die Lösung mit dem höchsten Nutzen

          Guntersdorf hält diese Rechnung für „eindimensional“. „Das ist keine einfache Rechnerei. Man sollte dieses Thema den Fachleuten überlassen“, meint er. Der Stabsstellenleiter glaubt, dass auch die Helaba beziehungsweise die Frankfurter Sparkasse von dieser Lösung profitieren könnten. „Das kann eine echte Win-win-Situation werden, wenn man es fein austariert und nicht durch Plattitüden zerredet.“ Außerdem gebe es auch andere Modelle wie Miete, Leasing oder Pacht.

          Guntersdorf will nun Gespräche mit allen Beteiligten führen, um eine Entscheidung über den Standort der Städtischen Bühnen vorzubereiten. Das sei in der Sommerpause nicht leicht, denn viele Gesprächspartner seien derzeit nicht verfügbar. Einen Beschluss noch vor der Kommunalwahl hält er trotzdem für „nicht unmöglich“. Grundsätzlich gelte: „Wir sollten nicht die billigste, sondern die preiswerteste Lösung wählen, die für die Bühnen auch den höchsten Nutzwert hat.“

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