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Neues Konzept : Buchmesse wird Teil eines Kreativfestivals

Stöbern: Besucher der Frankfurter Buchmesse des vergangen Jahres schauen sich im norwegischen Ehrengast-Pavillon Bücher an. Bild: dpa

Von 2021 an sollen die Frankfurter Buchmesse, die Musik- und eine Gaming-Messe unter einem Dach vereint werden. Das Vorbild für das Konzept kommt aus den Vereinigten Staaten.

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          Die Frankfurter Buchmesse soll vom Jahr 2021 an zum Teil parallel mit der Musikmesse stattfinden und gemeinsam mit anderen Veranstaltungen zu einem neuen Frankfurter Kreativfestival zusammengefasst werden. Nach Informationen der F.A.Z. soll sich das neue Format am Vorbild des Festivals „South by Southwest“ (SXSW) orientieren, das jeden März in Austin im amerikanischen Bundesstaat Texas veranstaltet wird und Festivals, Konferenzen und Fachausstellungen aus Musik, Film und interaktiven Medien vereint. Es gilt als international bedeutendstes Treffen der Kreativszene und wird regelmäßig auch von Vertretern der hessischen Kultur- und Kreativwirtschaft besucht.

          Daniel Schleidt

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Christian Riethmüller

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Florian Balke

          Kulturredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das Frankfurter Festival soll außer der Buch- und der Musikmesse auch eine Messe für die Gaming-Branche umfassen. Das Konzept soll am Dienstag in einer digitalen Pressekonferenz unter der Überschrift „Neue Perspektiven für die Kultur- und Kreativwirtschaft“ vorgestellt werden, zu der die Stadt Frankfurt, die Messegesellschaft, die Buchmesse und „The Arts“ als Schnittstelle zwischen Bücherschau und Kreativwirtschaft einladen. Zusammen mit Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) werden Buchmessendirektor Juergen Boos und Messe-Geschäftsführer Detlef Braun das Vorhaben präsentieren.

          Kleine Revolution am Standort Frankfurt

          Wie aus der Frankfurter Kultur- und Kreativwirtschaft zu hören ist, haben verschiedene Akteure der Szene seit einigen Jahren daran gearbeitet, mehrere Veranstaltungen der Kreativbranche unter einem Dach zu einem größeren Festival zusammenzufassen, das über das Messegelände hinaus in die Stadt ausstrahlen soll. Nun gilt die Entscheidung, die bisher als Einzelveranstaltung sehr starke Buchmesse mit anderen Schauen zu vereinen, als kleine Revolution am Standort. Dort wird schon die Akquisition der Fashion Week, die von 2021 an in Frankfurt abgehalten werden soll, als Signal dafür gesehen, dass sich die Messe Frankfurt noch mehr kreativen Themen und modernen Messekonzepten widmen will, die über klassische Businessmarktplätze hinausgehen.

          Die Musikmesse musste zuletzt wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden.

          Die Kreativwoche soll rund um den geplanten Termin der Buchmesse stattfinden und laut Insidern mindestens 400 Veranstaltungen aus Literatur, Film, Musik, Gaming und Medien umfassen. „Wenn das alles so klappt, erwarten wir in dieser Woche alles, was aus der Kreativszene Rang und Namen hat, in Frankfurt“, hieß es. Die Musikmesse und die sie begleitende Schau für Veranstaltungstechnik Prolight and Sound waren in diesem Jahr für Anfang April geplant gewesen.

          „Ein Projekt, das in seiner Art neu ist“

          Die Messen, die voriges Jahr rund 85.000 Besucher anlockten, mussten pandemiebedingt zunächst verschoben und schließlich abgesagt werden. Termine für das nächste Jahr sind noch nicht angekündigt, doch wurde eine Verlegung der Musikmesse in den Herbst 2021 nicht dementiert. „Lassen Sie sich überraschen. Es wird sehr schön“, hieß es auf Anfrage. Auch die Buchmesse hält sich bedeckt. „Wir werden ein Projekt vorstellen, das in seiner Art komplett neu ist“, sagte eine Sprecherin. Die Bücherschau soll in diesem Jahr unter Einhaltung eines Hygiene- und Sicherheitskonzepts vom 14. bis 18. Oktober stattfinden. Veranstalter ist der Börsenverein des Deutschen Buchhandels. 2019 zählte die Buchmesse mehr als 300.000 Besucher.

          Kann der Bildschirm da mit? Blick über eine Halle der Frankfurter Buchmesse im Oktober 2019

          Die drei Fachbesuchertage der Buchmesse bleiben nach Informationen der F.A.Z. von den Festivalplanungen unberührt. Erwogen wird, die räumlich voneinander getrennten Messen für Literatur und Musik lediglich an den beiden Publikumstagen des Buchmessenwochenendes parallel laufen zu lassen.

          Schub für Kunst- und Kulturszene

          Für die Kreativwirtschaft der Region, die kleinteilig organisiert, aber ein starker Wirtschaftsfaktor ist, könnte das Festival einen Schub bedeuten. Laut einem Datenreport der Hessen-Agentur aus dem Jahr 2019, der allerdings nur die Zahlen bis 2017 beleuchtet, waren seinerzeit 127.000 Personen in der hessischen Kreativwirtschaft beschäftigt, die einen Umsatz von 14,2 Milliarden Euro erwirtschafteten, Tendenz steigend. Allein in Frankfurt waren 2017 gut 39.000 Menschen in der Branche tätig, zu der außer Buch-, Film-, Kunst-, Games- und Musikmarkt auch die Designwirtschaft, die Werbe- und Verlagsbranche sowie Architekten zählen. 

          Wie weiter zu hören ist, könnten zahlreiche Veranstaltungen der Kreativbranche ebenfalls in die geplante Festivalwoche verschoben werden, etwa die Frankfurter Marken-Gala. Auch die Verleihung des Lea-Awards, bei der nicht Künstler, sondern Konzertveranstalter ausgezeichnet werden, würde in dieser Woche stattfinden. Die aufwendig mit Bühnentechnik gestaltete Festhalle könnte dann nicht nur für die Gala, sondern für weitere größere Veranstaltungen genutzt werden. Ein prominenter Vertreter der Kreativszene aus Frankfurt lobt das neue Konzept: „Wenn das klappen würde, wäre es ein Quantensprung für die Kreativen und für die gesamte Region.“ 

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