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Frankfurter Börse : Grün stirbt zuletzt

Ergrünt auf dem Frankfurter Börsenplatz: Bulle und Bär... Bild: F.A.Z. / Foto Dieter Rüchel

Bronze war mal: Bulle und Bär erstrahlen in Grün auf dem Börsenplatz in Frankfurt. Aber warum nur? Soll der Bulle für Ökofleisch vom Biometzger werben? Oder handelt es sich um eine Aktion zur „documenta“? FAZ.NET gibt die Antwort.

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          Nicht zuletzt sind Journalisten dafür da, einem Dinge des täglichen Lebens, die man nicht versteht, zu erklären. Manchmal machent sie das ein bisschen umständlich. Wer sich zum Beispiel in diesen Tagen die ja nicht unberechtigte Frage stellt, warum um alles in der Welt die Statuen von Bulle und Bär vor der Frankfurter Börse auf einmal grün gestrichen worden sind, dem sei zunächst nur verraten, dass es sich keineswegs um eine dezentrale Performance anlässlich der zwölften „documenta“ in Kassel handelt. Auch widerrechtliches Gestalten mit Sprühfarbe durch jugendliche Graffitti-Straftäter scheidet nach Informationen aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen aus.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Wer aufgrund der grünen Farbe vermutet haben mag, der Bulle solle künftig für Ökofleisch vom Biometzger werben, ist genauso auf dem Holzweg wie jemand, der an eine verspätete Würdigung des ersten Todestages von Bruno, dem Problembären, durch die „Initiatitive zur Abschaffung der Jagd“ geglaubt hatte. In beiden Fällen wäre ja auch eine Miteinbeziehung des jeweils anderen Tieres im Grunde vollkommen sinnlos. Auch Spekulationen, ganz Frankfurt solle jetzt nach und nach mit grünen Bullen und Bären zugestellt werden, wie das seinerzeit bei der Euro-Einführung mit überlebensgroßen, von Künstlern und Kindern mit viel Liebe bemalten Münz-Denkmälern geschehen war, erwiesen sich Gott sei Dank als haltlos.

          Werbung für „Scoach“

          Als der Dax gestern zumindest eine Zeitlang zu steigen begann, hätte man fast vermutet können, der Grund für die Bullen-Bären-Bemalung sei so etwas wie ein farbtherapeutischer Ansatz zum Hochtreiben des Aktienindex gewesen – schließlich steht Grün seit jeher für die Hoffnung.

          ...die normalerweise so aussehen - und bald auch wieder in Bronze erscheinen werden

          Allein, ein Anruf bei der Deutschen Börse AG ergab, dass alle diese Vermutungen ins Leere laufen – und es um etwas vollkommen anderes ging. Das Unternehmen wollte nämlich sein Gemeinschaftsprojekt mit der Schweizer Börse SWX feiern, wie ein Sprecher sagte. Die neue Plattform für sogenannte strukturierte Produkte habe die Unternehmensfarbe Grün. Die Plattform heiße „Scoach“: eine Mischung aus „Scout“ für Pfandfinder, und „Coach“ für Berater. Bleiben solle die börsianische Kriegsbemalung der Symboltiere übrigens nicht: Die Farbe, sagte der Sprecher, sei löslich.

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