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Frage der Finanzierung : Frankfurter Bibelhaus vor ungewisser Zukunft

Keine neue Heimat: Das Frankfurter Bibelhaus und seine Exponate wie dieses Modell eines Bootes vom See Genezareth ziehen nicht in einen Neubau um. Bild: Wolfgang Eilmes

Die evangelische Kirche sieht keine Möglichkeit, einen Neubau an der Frankfurter Saalgasse zu finanzieren. Doch die Führung des Bibelhauses glaubt, das nötige Geld einwerben zu können.

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          Es ist ungewiss, ob der Neubau des Bibelhauses an der Frankfurter Saalgasse jemals realisiert werden kann. Während die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) die Verwirklichung des Projekts für unrealistisch hält, ist die Leitung der Institution, die sich auf wissenschaftliche Weise mit der Geschichte des Alten und Neuen Testaments beschäftigt, nach wie vor von der Machbarkeit des Vorhabens überzeugt. Gegenwärtig ist das Domizil der Einrichtung eine frühere Kirche in Sachsenhausen in unmittelbarer Nähe zum Museum Angewandte Kunst.

          Michael Hierholzer

          Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das Bibelhaus ist auch Thema bei der Herbstsynode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, die heute in Frankfurt beginnt. Mit bislang 600.000 Euro Jahreszuschuss ist die EKHN der mit Abstand größte Geldgeber. Die jährlichen Betriebskosten umfassen nach Kirchenangaben rund eine Million Euro. Die Teilnehmer der Synode sollen am Donnerstag eine Vorlage beschließen, in der die Kirchenleitung verschiedene Varianten durchrechnet. Für die 2018 beschlossene und mehrheitlich gewünschte Neubau-Variante an der Saalgasse klafft allerdings eine immense Finanzierungslücke.

          Ganz viel Geld weniger

          Zwar sei die nassauische Kirche bereit, den auf gut 15 Millionen Euro taxierten Neubau mit fünf Millionen Euro zu unterstützen, heißt es in der Vorlage. Allerdings werde man sich von 2020 an wegen nötiger eigener Einsparungen nur noch mit einem Zuschuss von 500.000 statt bisher 600.000 Euro im Jahr an den Betriebskosten beteiligen. Damit fehlten einerseits gut zehn Millionen Euro für den Neubau, andererseits auch „dauerhaft 1,55 Millionen Euro jährlich als Zuschuss zu den Betriebskosten“. Weil sich etwaige finanzielle Unterstützer sinnvollerweise für zehn Jahre verpflichten sollten, fehlten somit Drittmittel für Investition und Betrieb in einer Gesamthöhe von zirka 26Millionen Euro. Dazu heißt es in der Vorlage: „Die Kirchenleitung sieht daher einen Neubau des Bibelhaus Erlebnismuseums als nicht realisierbar an.“

          Ein EKHN-Sprecher sprach von einem „unglücklichen Domino-Effekt“. Weil die Teilnehmer der Synode im vergangenen Jahr einen Neubau favorisiert hätten, sei der von der Kirchenleitung vorrangig geprüft worden–mit dem nun bekannten Ergebnis. Versuche, Sponsoren zu gewinnen und die Stadt Frankfurt an der Finanzierung zu beteiligen, seien bislang nicht über Willensbekundungen hinausgekommen. „Es gibt keine schriftlichen Zusagen.“ Der Sprecher hob jedoch hervor, dass die Kirchenleitung nicht angekündigt habe, die Zuschüsse komplett zu streichen. Die Synode könnte also beschließen, das Bibelhaus in einer anderen Variante außer einem Neubau zu erhalten und in kleinerem Rahmen zu verändern.

          „Schulterschluss vieler verschiedener Player“

          Jürgen Schefzyk, Direktor des Bibelhauses, und Silvia Meier, dessen Kaufmännischer Vorstand, halten es für möglich, die benötigten Mittel zu beschaffen. Es gehe um einen „Schulterschluss vieler verschiedener Player“, sagte Meier. Stiftungen und Mäzene seien ebenso Ansprechpartner wie die Stadt Frankfurt, die das Haus ohnehin schon unterstütze. Eine „Kapitalkampagne“ sei durchaus erfolgversprechend, „gerade auch, wenn das Haus eine stärkere Strahlkraft bekommt“. Der jetzige Standort habe über die Jahre hinweg immer wieder Umbauten und eine Erneuerung der technischen Ausstattung“ erfordert, aber nun seien Grenzen erreicht, führt Schefzyk aus.

          Es gehe auch um Inklusion. Und darum, mit Partnern wie den Staatlichen Museen Berlin, dem Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim, der Bayrischen Staatsbibliothek München und vielen anderen zu kooperieren. Diese Institutionen hätten in einem „Letter of intent“ zugesagt, dem Haus, wenn es denn erweitert werde, Leihgaben zu überlassen. Im Augenblick beschränke sich die Ausstellung auf die Jahre 200 vor bis 200 nach Christus. „Die Zeit davor und danach können wir nur marginal abdecken“, sagte Schefzyk. Ihnen liege daran, die gesamte Geschichte der Bibel darzustellen und ihre prägende Kraft bis in die heutige Gesellschaft hinein darzustellen.

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