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Frankfurter Bauwesen : Kritik an rigiden Klimaschutzzielen der Stadt

So sieht der geplante Neubau für das Grünflächenamt in der Simulation aus Bild: Groß & Partner

Die Stadt Frankfurt will für Ämter neue Gebäude errichten, obwohl mehr als zwei Millionen Quadratmeter Bürofläche leerstehen. Ein Grund ist die Pflicht, den Passivhausstandard zu wählen. Das sorgt für Kritik.

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          Angesichts des geplanten Behördenneubaus im Gallus für das Grünflächenamt und das Amt für Straßenbau und Erschließung sind die Klimaschutzziele der Stadt in die Kritik geraten. Dass die Kommune an der Adam-Riese-Straße einen 30.000 Quadratmeter großen Neubau errichtet, obwohl im Stadtgebiet mehr als zwei Millionen Quadratmeter Bürofläche leerstehen, war unter anderem damit begründet worden, dass die Klimaschutzziele der Stadt es unrentierlich machten, ein bestehendes Gebäude zu nutzen.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Stadt ist nämlich verpflichtet, beim Mieten großer Gebäude diese auf den Passivhausstandard oder ein vergleichbares Niveau zu bringen. Die erforderliche Sanierung wäre aber gegenüber einem Neubau unwirtschaftlich, erläuterte Liegenschaftsamtsleiter Alfred Gangel auf Anfrage. „Im Ergebnis ist es so, dass die Stadt kaum noch größere Bestandsgebäude nutzen kann.“ Gangel sieht sich streng an die Klimaschutzvorgaben gebunden. „Ich werde gerügt, wenn ich die Ziele nicht umsetze.“

          Die räumlichen Anforderungen

          Im Fall des Behördenzentrums genügt nach Gangels Auffassung allerdings auch kein Bestandsgebäude genau den räumlichen Anforderungen der Ämter. In einem Bestandsgebäude in dem Umfang Werkstätten einzurichten, wie sie für das Grünflächenamt und das Amt für Straßenbau und Erschließung nötig seien, sei zu kostspielig und „nicht realisierbar“.

          Im April 2008 hatten die Stadtverordneten auf Antrag der Grünen beschlossen, dass der bisher nur für Neubauten geltende Passivhausstandard auch auf von der Stadt gemietete Gebäude ausgeweitet wird. Sollte die Energieeffizienz der Gebäude weder dem Passivhaus-Standard genügen noch um mindestens dreißig Prozent besser sein als es die Energie-Einsparverordnung verlange, sei entweder mit dem Vermieter eine energetische Sanierung vor Einzug vertraglich zu vereinbaren, oder es dürfe nicht gemietet werden.

          SPD: Ansprüche übertrieben

          Die planungspolitische Sprecherin der FDP, Elke Tafel-Stein, hält die Ansprüche der Stadt wegen der vielen freien Bürohäuser für zu hoch. „Es ist städtebaulich wünschenswert, leerstehende Bestandsgebäude einer sinnvollen Nutzung zuzuführen, anstatt sie dem Verfall zu überlassen“, sagt sie und plädiert für eine Änderung des Beschlusses. Sollte ein Gebäude die Vorgaben nicht erfüllen, solle die Stadt lediglich „auf den Vermieter einzuwirken, eine entsprechende energetische Sanierung nach Möglichkeit vorzunehmen“. Die Änderung des Beschlusses könne auch für den Standort eines neuen Behördenzentrums relevant sein.

          Der SPD-Fraktionsvorsitzende Klaus Oesterling fragt sich zudem, ob der Energieaufwand, der für die Errichtung des Neubaus und den Transport des Baumaterials anfällt, gegengerechnet wurde. „Die Klimaschutzziele sind falsch, wenn die Konsequenz ist, dass die Stadt keine Bestandsgebäude mehr anmieten kann“, sagt Oesterling.

          Bestandsgebäude gelten wegen des hohen Energieverbrauchs als klimaschädlich. Um den Energieverbrauch zu reduzieren, genügen oft schon einfache Veränderungen wie der Austausch der Heizung oder die Dämmung des Dachs. Den Passivhausstandard herzustellen, erfordert aber einen ungleich höheren und letztlich unwirtschaftlichen Aufwand. Kritiker fordern daher, hinter die ambitionierten Klimaschutzziele zurückzutreten, um eine Sanierung städtisch genutzter Gebäude nicht zu verhindern.

          Dezernent sieht Vorbildfunktion der Stadt

          Planungsdezernent Edwin Schwarz (CDU) betont die Vorbildfunktion der Stadt beim Klimaschutz. Aber auch er hält die Vorgabe, dass alle städtisch genutzten Gebäude Passivhäuser sein müssen, für „apodiktisch“. Nur „theoretisch“ könne man aber die Klimaschutzziele in Frage stellen. „Der Koalitionspartner will es so“, sagt er.

          Das Energiereferat der Stadt verweist auf die Vorgaben der Europäischen Union. „Wir müssen heute auf den Stand kommen, der in 20 Jahren akzeptabel ist“, heißt es. Der Projektentwickler Heinz-Günter Lang, der den Neubau im Gallus errichten will, hält es aus immobilienwirtschaftlicher Sicht zwar für sinnvoll, den Leerstand zu reduzieren. Doch aus ökologischer Sicht sei ein Passivhaus besser: „Ein Zurückgehen hinter die Klimaziele würde den Innovationsdruck, der dem Markt gut tut, rausnehmen.“

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