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Frankfurter Bankenviertel : Hauptmieter für Taunusturm gefunden

Soll das Bankenviertel bereichern: der Taunusturm (Mitte) Bild: Gruber + Kleine-Kraneburg

Der Bau des Büro- und Wohnhochhauses Taunusturm im Frankfurter Bankenviertel ist wahrscheinlicher geworden. Die Verhandlungen mit der Großkanzlei Clifford Chance als möglichem Hauptmieter sind weit gediehen, wie es heißt.

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          Der Bau des Büro- und Wohnhochhauses Taunusturm im Frankfurter Bankenviertel ist wahrscheinlicher geworden. Nach Informationen der Rhein-Main-Zeitung sind die Verhandlungen zwischen dem Projektentwickler Tishman Speyer und dem möglichen Hauptmieter, der internationalen Großkanzlei Clifford Chance, weit gediehen. Die Sozietät, die derzeit an der Mainzer Landstraße im Frankfurter Büro Center ihr Domizil hat, beschäftigt in Frankfurt rund 600 Mitarbeiter, rund die Hälfte davon Rechtsanwälte, aber auch Wirtschaftsprüfer und Steuerberater. Clifford Chance wollte sich gestern nicht zu den Verhandlungen äußern.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Dem Vernehmen nach soll eher bei Tishman Speyer, die den Turm gemeinsam mit der Commerz Real entwickeln, noch Abstimmungsbedarf bestehen. Das Unternehmen, das in Frankfurt auch den Messe- und den Opernturm errichtet hat, wollte die Verhandlungen auf Anfrage nicht kommentieren. In der Immobilienbranche sind aber schon Details der Verhandlungen bekannt. Die Anwaltskanzlei zieht demnach in die oberen Etagen des 39 Stockwerke hohen Büroturms ein. Der Gesamtbedarf der Kanzlei wird mit 20.000 Quadratmetern angegeben, damit wäre das 59.000 Quadratmeter umfassende Hochhaus zu einem Drittel gefüllt.

          Mieter für einige Großprojekte gesucht

          Die Vorvermietungsquote von rund 35 Prozent wird wegen der angespannten Lage auf dem Büromarkt nicht von allen Immobilienexperten als ausreichend bewertet. Derzeit werden für einige Großprojekte noch Mieter gesucht. Unter anderen hatte der Projektentwickler Deutsche Immobilien Chancen versucht, Clifford Chance an sein Maintor-Projekt zu binden, das auf dem früheren Degussa-Gelände in der Innenstadt verwirklicht werden soll. „Die Entscheidung liegt bei Tishman Speyer, ob man das Risiko der Restvermietung eingehen will“, sagt ein Makler. Ein anderer Makler erachtet es aber als unwahrscheinlich, dass der Projektentwickler den Baubeginn verschieben wird, bis ein Zweit- oder Drittmieter gefunden ist. „Sollte der Vertrag unterzeichnet werden, werden die bauen“, sagt er.

          In der Immobilienbranche wird der Standort des Taunusturms als sehr attraktiv beurteilt. Als Nachteil der Lage im Bankenviertel an der Ecke von Taunustor und Neuer Mainzer Straße gilt jedoch die dichte Bebauung des Quartiers. Die Fernsicht wird in den unteren Geschossen des Taunusturms von den umgebenden Bauten verstellt sein. Der geplante Büroturm wird das benachbarte 115 Meter hohe Japan Center um 45 Meter überragen. Zum Eurotower hin verstellt der geplante 60 Meter hohe Wohnturm den Blick aus den unteren Etagen des Taunusturms. In Richtung Hauptbahnhof ist die Aussicht allerdings auf der gesamten Höhe des Gebäudes offen, da sich dort die Taunusanlage befindet.

          Im Erdgeschoss Handel und Gastronomie

          Zu dieser Seite beabsichtigt Tishman Speyer eine Öffnung des Grundstücks zur Wallanlage hin. Entlang einer Promenade sollen im Erdgeschoss Einzelhandel und Gastronomie einziehen. Diese Pläne kommen dem Interesse der Stadt entgegen, das Grundstück für die Allgemeinheit zu öffnen. Die Bestandsbebauung habe eine solche Arrondierung bisher verhindert, sagte Planungsamtsleiter Dieter von Lüpke. Eine „grüne Ergänzung“ sei an dieser Stelle angestrebt.

          Das bestehende Gebäude, das aus der Nachkriegszeit stammt und nicht denkmalgeschützt ist, wird abgerissen. Es handelt sich um den ehemaligen Sitz der Rheinischen Hypothekenbank, deren Architekturwettbewerb das Büro Gruber und Kleine-Kraneburg 1999 gewonnen hatte. Eine Baugenehmigung war schon 2007 erteilt worden. Im gleichen Jahr hat das Joint Venture aus Tishman Speyer und Commerz Real das Grundstück erworben und den Entwurf noch einmal überarbeiten lassen. Seither ist der jetzt 160 Meter messende Turm schmaler, schlanker und höher geworden.

          Frage der Finanzierung

          Die Architektur des früher als Kaiserkarrée bekannten Projekts steht offenbar noch nicht endgültig fest. Der im Planungsausschuss der Stadt zuletzt Ende Mai vorgestellte Entwurf, der einen schlanken Büroturm mit einer monoton wirkenden, stark reduzierten Fassade vorsieht, könnte noch nicht der letzte Stand sein. Dem Vernehmen nach hat sich Tishman Speyer noch nicht auf die kosteneffizient wirkende Fassade festgelegt. Auch die Form des Wohnturms, dessen obere Etagen wie Schubladenfächer gestaltet sind, steht offenbar zur Disposition. 54 Wohnungen sind zur Taunusanlage geplant.

          Weder über den Baubeginn noch zur Finanzierung des Gebäudes war etwas zu erfahren. Zuletzt war 2007 davon die Rede, dass die Eurohypo, die ebenfalls zum Commerzbank-Konzern gehört, das Geld bereitstellt. Doch das war noch vor der Finanzkrise.

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