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Frankfurter Bahnhofsviertel : „Wer sich hier länger aufhält, stürzt ab“

Heißes Pflaster: Wolfgang Barth (links) und Andreas Henke gehen als Sozialarbeiter bei Ossip durch das Bahnhofsviertel, um Drogensüchtigen zu helfen. Bild: Lucas Bäuml

Die Sozialarbeiter von Ossip sollen verhindern, dass Drogensüchtige im Frankfurter Bahnhofsviertel sterben, und ihnen Hilfe vermitteln. Ein Rundgang.

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          Wolfgang Barth kann noch Geschichten von damals erzählen. Damals, das war, als er sich im „Lesegarten“, einer Art Steinbassin mit ein paar fest verschraubten Tischen und Stühlen in der Taunusanlage, durch die Menschenmenge zu der Person drängen musste, die gerade nach ihrem Schuss umgekippt war. Als er sah, wie jemand schon die Taschen des Mannes durchwühlte, der offensichtlich eine Überdosis erwischt hatte. Als er die 200 Meter zur Telefonzelle am Taunustor rannte, um den Notruf zu wählen. „Gab ja noch keine Handys“, sagt der Sozialarbeiter. Er blickt sich in der Vertiefung um, in der heute nur ein leerer Pizzakarton und ein paar Flaschen liegen, aber keine Drogenkonsumenten. Seit damals hat sich viel getan. Gut ist trotzdem nicht alles auf der Szene.

          Theresa Weiß
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Barth hat die aufsuchende Drogenhilfe in Frankfurt praktisch erfunden. Das ist eine Zuspitzung, klar. Aber der Mann mit den schulterlangen Locken ist seit 1989 dabei – offenbar mit viel Überzeugung, denn er ist bis heute in den Straßen rund um den Bahnhof unterwegs. Er hat miterlebt, wie die offene Szene in der Taunusanlage aufgelöst wurde. Wie die Druckräume entstanden. Und wie im Herbst 1996 von einem Tag auf den anderen das erste Mal Crack in Umlauf kam.

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