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Ausgezeichnete Arbeit: Katharina Iskandar berichtet über Fälle von Rechtsextremismus und Terrorismus im Rhein-Main-Gebiet.

Frankfurter Bahnhofsviertel : Die Stadt schaut weg

Immer mehr Verunreinigung: Das Frankfurter Bahnhofsviertel durchläuft einen Wandel. Bild: Maximilian von Lachner

Das Frankfurter Bahnhofsviertel ist mehr denn je zum Umschlagplatz von Crack geworden. Mit allen Begleiterscheinungen. Es stellt sich die Frage, ob der Frankfurter Weg überhaupt noch zeitgemäß ist.

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          Wenn Frankfurter früher gefragt wurden, was sie vom Bahnhofsviertel halten, hörte man oft dieselbe Antwort: Es ist nicht schön, aber speziell. Inzwischen fällt das Urteil harscher aus. Es ist die Hölle. Kein Tag vergeht, an dem sich nicht die Auswirkungen des Drogenhandels zeigen. Dealer, die nicht einmal mehr versuchen, ihre Geschäfte heimlich abzuwickeln, weil ihnen offenbar kaum Strafen drohen. Und Abhängige, die oft zusätzlich an schweren Psychosen leiden. Viele reisen von weit her nach Frankfurt ein, weil das Bahnhofsviertel mehr denn je zum Umschlagplatz von Crack geworden ist. Nicht nur der Verkauf findet auf der Straße statt, sondern auch der Konsum. Mit allen nur denkbaren Begleiterscheinungen. Die Politik sieht dabei zu.

          Man fragt sich, wie lange dieser Zustand noch anhalten soll. Und ob die zuständigen Politiker sich in jüngster Zeit einmal die Mühe gemacht haben, selbst durchs Viertel zu gehen. Vermutlich nicht. Denn dann hätten sie gesehen, was Anwohner, Marktbeschicker, Gastronomen und Hoteliers über sich ergehen lassen müssen.

          Keiner Mühe wert

          Frankfurt will die Brexit-Banker und den Glanz der Fashion Week. Das Entree der Stadt dafür herzurichten, scheint den Verantwortlichen aber keiner Mühe wert. Was ist aus den Plänen geworden, wie es sie zuletzt vor drei Jahren gab, in dem Viertel härter durchzugreifen? Verbessert hat sich nichts. Der zuständige Dezernent für Sicherheit und Ordnung, Markus Frank, hat das Thema zumindest im Ansatz weiter im Blick. Doch ohne seinen Magistratskollegen, Stefan Majer, der für die Drogenpolitik verantwortlich ist, kann Frank nur wenig ausrichten. Majer muss nun endlich handeln und seine Linie finden in der Frage, ob der Frankfurter Weg überhaupt noch zeitgemäß ist.

          Das wahre Übel aber ist ein Oberbürgermeister, der sich um die Belange des Viertels nicht schert. Geschäftstreibende haben mehr als einmal die Erfahrung gemacht, dass sie einfach ins Leere laufen, wenn sie Peter Feldmann bitten, sich der Probleme im Bahnhofsviertel anzunehmen. Bis heute hat Feldmann nicht verstanden, was das Amt eines Oberbürgermeisters an Verpflichtungen mit sich bringt. Die Polizei ihrerseits kontrolliert weiter die Szene – auch als Folge des starken öffentlichen Drucks.

          Allerdings sind auch die intensivsten Kontrollen wenig nachhaltig, wenn die Justiz die Augen davor verschließt, dass in vielen Fällen gewerbsmäßig gehandelt wird. Man fragt sich, worauf die Verantwortlichen warten. Von alleine lösen werden sich die Probleme nicht. Schon jetzt hat das Bahnhofsviertel seinen Ruf verloren. Einst verrucht, aber irgendwie doch liebenswert, verbinden viele inzwischen damit nur noch Drogen, Kriminalität, Armut und Müll.

          Katharina Iskandar
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

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