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Razzia im Bahnhofsviertel : „Wir wollen den Kontrolldruck erhöhen“

  • Aktualisiert am

Gegen die Drogenkriminalität: Razzia am Donnerstagabend im Frankfurter Bahnhofsviertel Bild: dpa

Das Frankfurter Bahnhofsviertel hat am Donnerstagabend nach Angaben der Polizei die größte Razzia erlebt, die es jemals gegeben hat. 440 Beamte waren im Einsatz. Sie fanden Drogen, illegale Waffen und stellten 27 Strafanzeigen.

          Mit einer Razzia ist die Polizei am Donnerstagabend gegen die Drogenszene und die organisierte Kriminalität im Frankfurter Bahnhofsviertel vorgegangen. Laut einem Sprecher handelt es sich um die größte Aktion dieser Art, die es jemals gegeben hat. Demnach waren 470 Beamten im Einsatz. Kontrolliert wurden nicht nur Dealer, sondern auch Bordelle und Bars. Wie die Polizei am Freitagnachmittag mitteilte, wurden insgesamt 657 Personen, zwei Laufhäuser, sieben Bars sowie Spielotheken in der Taunus-, Mosel- und Elbestraße kontrolliert.Gegen 22 Uhr trafen die Beamten im Viertel ein. Sie riegelten Straßen ab, stürmten einschlägige Etablissements und kontrollierten verdächtige Personen. Auch Bundes- und Stadtpolizei verstärkten die Aktion.

          „Wir wollen den Kontrolldruck erhöhen“, betonte der Frankfurter Polizeipräsident Gerhard Bereswill vor Ort. Das Ergebnis der großangelegten Razzia: 27 Strafanzeigen, unter anderem wegen 16 Rauschgiftdelikten, davon acht wegen Drogenhandels. Die Polizei nahm zudem sechs Personen fest, die sich illegal in Deutschland aufhielten, wie ein Sprecher FAZ.NET bestätigte.

          Eine Anzeige erging gegen eine Person, die die Beamten „auf frischer Tat bei der Ausübung verbotener Prostitution festnahmen“, wie es in der Mitteilung der Polizei heißt. Auch Heroin, Crack und Marihuana stellten die Beamten bei den Durchsuchungen sicher. Bei drei Personen aus dem Rockermilieu stellten die Beamten zudem drei Einhandmesser sicher, wie FAZ.Net erfuhr. Die Polizisten vollstreckten elf Haftbefehle. Diese Tatsache allein zeige bereits, wie wichtig Kontrollen im Brennpunkt seien.

          Stadt schließt zwei Gaststätten

          Ein Polizeisprecher bewertete die Razzia auf Anfrage als „Erfolg“. Durch die hohe Polizeipräsenz würden Straftäter abgeschreckt. Die Zahl der Delikte bei  Taschendiebstählen sowie Diebstählen aus Gastronomiebetrieben oder Hotels sei laut der Kriminalitätsstatistik 2017 im Vergleich zum Vorjahr um 40 Prozent zurückgegangen.

          Nach Angaben der Polizei schloss die Stadt Frankfurt zwei Gaststätten in der Mosel- sowie zwei weitere Bars in der Elbe- und Taunusstraße. Die Gründe dafür waren unter anderem bauliche Mängel oder Ungezieferbefall.

          Bereits vor der Razzia gab es nach Angaben von Bereswill sieben Festnahmen im Zusammenhang mit Drogenhandel. Bereswill sagte, solche Großkontrollen seien „wichtig, um den Bürgern zu zeigen, dass Kriminalität im Viertel nicht geduldet wird“. Gerade erst am Mittwoch sei vor einem der Bordelle geschossen worden. Ein Mann wurde dabei leicht verletzt.

          Die Hintergründe, so Bereswill, seien noch unklar. Der Täter wurde gefasst, allerdings fehle noch immer die Tatwaffe. Bereswill forderte zudem ein weiteres Engagement der Stadt. Nach wie vor gingen viele Beschwerden wegen der gravierenden Vermüllung des Viertels bei der Polizei ein. Die Hinweise gebe man an die Stadt weiter. „Da muss noch einiges getan werden.“

          Die Polizei spricht von der größten Razzia in Frankfurt. Bilderstrecke

          Das gelte auch für die Drogenabhängigen. Mit dem Nachtcafé, das die Stadt eingerichtet habe, sei schon ein erster Schritt getan. Allerdings müsse dringend geklärt werden, ob diese Einrichtung sowie auch die anderen Räume der Drogenhilfseinrichtungen nicht länger geöffnet bleiben könnten. Man sei diesbezüglich schon in Gesprächen mit der Stadt. Bereswill sagte weiter, viele Bars und Etablissements dienten auch als Rückzugsorte für Kriminelle. Insofern sei es für die Ermittler interessant zu sehen, was dort im Laufe einer solchen Kontrolle am Ende sichergestellt werde.

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