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Verband vor Neubeginn : Was nach dem Frankfurter Awo-Skandal passieren muss

Vor Neustart: Awo Frankfurt Bild: dpa

Mit der Wahl einer neuen Spitze kann der Frankfurter Awo ein Neustart nach dem Finanzskandal gelingen. Dieser Schritt genügt aber nicht. Es muss etwa Schluss damit sein, dass sich Wohlfahrtsorganisationen selbst kontrollieren können.

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          Der Frankfurter Awo ist ein kraftvoller Neubeginn zu wünschen. Zu wichtig ist sein soziales Engagement, als dass sich der Verein noch länger ausschließlich mit sich selbst und seiner jüngeren Vergangenheit beschäftigen dürfte wie in den vergangenen Wochen. Der Skandal ist besonders schmerzlich, weil er die vielen, überwiegend ehrenamtlichen Helfer, die sich um Kinder, Alte und Kranke kümmern, tief verstört hat.

          Helmut Schwan
          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Allerdings ist die Vorstellung, mit der Wahl einer unbelasteten Führung an diesem Samstag könne man in Frankfurt ebenso wie in Wiesbaden die Affäre wie schmutzige Kleider abstreifen, eine Illusion. Die ohnehin viel zu spät eingeleiteten Ermittlungsverfahren werden sich aller Voraussicht nach noch lange hinziehen. Dabei könnten noch mehr Tricksereien an die Oberfläche gespült werden, als jetzt schon bekannt sind.

          Regelungslücken und Ermessensspielräume

          Die Erfahrung aus anderen Untreue-Verfahren lehrt zudem, wie schwierig nachzuweisen ist, dass Straftaten begangen und nicht nur geschickt Regelungslücken und Ermessensspielräume ausgenutzt wurden. Man darf daher nicht zu viel von der Staatsanwaltschaft erwarten, schon gar keinen Befreiungsschlag. Um die Affäre aufzuarbeiten, müssen sich auch andere Beteiligte ihrer Verantwortung stellen und dürfen sich nicht wegducken.

          An erster Stelle sind das die Kommunal- und Landespolitiker, die nicht genauer hinschauten oder nicht hinschauen wollten, wofür die aus ihren Kassen gezahlten Millionen tatsächlich verwandt wurden. Mit den Turbulenzen einer Flüchtlingskrise, worauf man sich im Frankfurter Römer beruft, ist eine solche Haltung nur bedingt zu erklären und erst recht nicht zu entschuldigen.

          Vor allem aber muss Schluss damit sein, dass Unternehmen mit Millionenumsätzen, wie sie viele Wohlfahrtsorganisationen inzwischen sind, sich selbst kontrollieren können, weil sie auf ihre lange, verdienstvolle Geschichte als Verein verweisen können. Tradition ist wichtig, aber nicht um den Preis, dass sich jene, die Übles im Schilde führen, ungehemmt selbst bedienen können.

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