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Dom-Römer-Areal : „Die Altstadt berührt die Menschen“

Offizielle Fertigstellung und Neueröffnung der Altstadt: Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) schneidet das rote Band durch. Bild: Wolfgang Eilmes

Frankfurt gewinnt mit der Neubebauung zwischen Dom und Römer ein Viertel mit Aufenthaltsqualität. Wo bleibt das in der Altstadt gesehene Engagement bei Neubauquartieren?

          Nach der inoffiziellen Eröffnung der neuen Frankfurter Altstadt im Mai ist die Neubebauung zwischen Dom und Römer nun auch offiziell für fertiggestellt erklärt worden. Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) schnitt aus diesem Anlass ein rotes Band durch, das quer über den Krönungsweg gespannt war. Er wurde dabei von wichtigen Projektbeteiligten und einigen Römer-Politikern begleitet.

          Matthias Alexander

          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Anschließend fand in der vollbesetzten Paulskirche ein Festakt statt. In seiner Ansprache bezeichnete Feldmann die historische Altstadt als Nukleus für den Reichtum der Stadt. Dort hätten seit dem Mittelalter Messen stattgefunden, wodurch Frankfurt früh zu einer internationalen Stadt geworden sei.

          Die dabei entwickelte Fähigkeit zum friedlichen Dialog mit Fremden sei die Grundlage für Wohlstand. „Wir grenzen niemanden aus.“ Diese Vergangenheit brauche man als Fundament für die Gegenwart. „Auch die Altstadt schaut nach vorn.“ Der Oberbürgermeister lobte die Aufenthaltsqualität des neuen Quartiers. Mit ihm habe „man ein Stück Stadt realisiert, das die Menschen im Herz berührt“.

          Paulskirche als wichtiges Symbol

          Feldmann hob hervor, dass auch die Paulskirche zur Altstadt gehöre. Er wiederholte seine Absicht, eine Debatte um die Sanierung und die künftige Gestaltung des Gebäudes zu führen, das namensgebend für die Nationalversammlung 1848/49 wurde. Der Oberbürgermeister wies darauf hin, dass vergleichbare Bauten in anderen Ländern viel besser behandelt würden, etwa die Independence Hall in Philadelphia in den Vereinigten Staaten. Die Paulskirche sei Symbol für die nationale Einheit und für Demokratie. Beides lasse sich nur zusammen denken. In der deutschen Geschichte und in anderen Ländern sei es zu Schieflagen gekommen, wenn das Nationale und die Demokratie voneinander getrennt worden seien.

          Der Architekt Christoph Mäckler, der den Gestaltungsbeirat zum Dom-Römer-Projekt geleitet hat, warb in seiner Festrede für eine bewusstere Gestaltung des öffentlichen Raums. Es gebe eine tiefe Unzufriedenheit in der Bürgerschaft über das Erscheinungsbild von Straßen und Plätzen. Die Bürger würden von den Quartieren mit hoher Bebauungsdichte und funktionaler Mischung angezogen. Es sei kein Zufall, dass die Gentrifizierung, also die Verdrängung der angestammten Bevölkerung, nicht in den Nachkriegssiedlungen stattfinde. Er wies darauf hin, dass der Pokalsieg der Eintracht auf dem Römerberg und nicht am Riedberg gefeiert wurde.

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          Mäckler lobte die Organisation des Projekts. Michael Guntersdorf, Geschäftsführer der Dom-Römer GmbH, sei ein erfahrener Architekt und nicht Projektsteuerer. Auch aus der Politik habe es Unterstützung gegeben. So sei ihm, Mäckler, für die Zusammensetzung des Gestaltungsbeirats freie Hand gelassen worden. Mäckler lobte namentlich den Stadtverordneten Uli Baier (Die Grünen), der bei fast allen Sitzungen des Beirats als Zuhörer anwesend gewesen sei.

          Verbindung von Alt und Neu

          Es stelle sich allerdings die Frage, warum die Kommunalpolitik nicht ein ähnliches Engagement für die Gestaltung von Neubauquartieren entwickele. Mäckler wies darauf hin, dass gerade jüngere Architekten auf dem Altstadt-Areal die Aufgabe mit Bravour gelöst hätten, ansprechende Neubauten nach einer Gestaltungssatzung zu entwerfen. Dabei seien Häuser entstanden, die für viele Laien von Altbauten kaum zu unterscheiden seien, sich aber nicht anbiedern würden.

          Mäckler nannte als Beispiel für die Verbindung von Alt und Neu das Haus „Zu den drei Römern“. Es komme einerseits traditionell daher, seine Eckfenster, die es vor dem 20. Jahrhundert aus statischen Gründen nicht gegeben habe, stünden jedoch für ein Element der modernen Architektur. Mäckler wandte sich mit deutlichen Worten gegen jene Architekten, die an den Dogmen der Moderne festhielten, die einst aus Opposition zum herrschenden Geschmack im Kaiserreich entstanden sei. Jenen, „die mit der Diplom-Prüfung das Denken eingestellt haben“, wolle er an den Satz von Adolf Loos erinnern, dass ein Haus keine Privatangelegenheit der Architekten sei.

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