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Frankfurter Altstadt : Das bröckelnde Wunder

  • -Aktualisiert am

Exponiert: Zwischen Römerberg und Main gelegen, war das Haus einst Warenkontor, Zollhaus und Wachlokal – und immer wieder Gastwirtschaft. Bild: Helmut Fricke

Das Haus Wertheim im Süden des Römerbergs hat als einziger Fachwerkbau der Frankfurter Altstadt den Zweiten Weltkrieg unversehrt überstanden. Doch der Zahn der Zeit nagt an dem Solitär.

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          Wer vom Paulsplatz kommend den Römerberg überquert und die Alte Nikolaikirche hinter sich gelassen hat, sieht rechter Hand ein großes Fachwerkgebäude liegen, Haus Wertheim. Nicht weniger als sieben Arkaden öffnen sich in dem aus Mainsandstein gefügten Erdgeschoss, darüber liegen zwei Stockwerke von jeweils etwas größerem Grundriss. Über dem braunen, mit geschweiften Kreuzen, sogenannten Mannfiguren, und gekreuzten Kreisen reich ge­schmückten Fachwerk erhebt sich ein steiles verschiefertes Dach mit vier großen Gauben. Auf den ersten Blick scheint es sich um ein Kleinod zu handeln, das aufs Schönste mit der wieder aufgebauten Ostzeile des Römerbergs korrespondiert. „Ei­gentlich ein Vorzeigehaus“, sagt Samuel Hochmann, der hier das „Braustüb’l“ betreibt.

          „Bürgerhaus der Spätrenaissance, er­baut um 1600“ ist neben der Haustür zu lesen, in weißen Lettern auf ein rotes Metallschild geprägt. Und: „Einziger im Original erhaltener Fachwerkbau der im Krieg zerstörten Altstadt“. Auch am Eingang zum Restaurant wird der Besucher darüber aufgeklärt, dass er es hier mit einer ganz besonderen Immobilie zu tun hat: „Wie durch ein Wunder hat dieses einzigartige Fachwerkgebäude die verheerende Feuersbrunst der Weltkriegsjahre 1944/1945 unversehrt überstanden.“ Ein Wunder? Gabriele Heinz nickt. Als Tochter des früheren Eigen­tümers Heinz Lautenberger ist sie im Haus Wertheim aufgewachsen. „Mein Vater hat viel von früher erzählt“, sagt die Achtundfünfzigjährige, in deren Kindheit das Gebäude noch an einer von Bürgersteigen gesäumten Straße lag. Heute wohnt sie in Langen, wo sie 2006 ein Haus gebaut hat.

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