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Frankfurt : Zoo vor größtem Umbau seit Grzimek-Ära

Das gewohnte Bild aus dem Sommer: Bald wird der Frankfurter Zoo anders aussehen. Bild: Lena Grimm

Im Frankfurter Tierpark soll der neue Eingang im Frühjahr 2012 fertig sein, das Bärengehege Ende 2013.

          Die Bärenanlage im Frankfurter Zoo ist seit Monaten nur noch ein kahles, steiniges Riesengelände. Die Tiere sind schon im Sommer vergangenen Jahres ausgezogen, sie leben nun in Zoos in Frankreich und Singapur. Und schon in wenigen Wochen wird es auch die charakteristische massive Felswand nicht mehr geben, die über Jahre hinweg das erste war, was Besucher auf ihrem Weg durch den Tiergarten wahrnahmen. Denn der Zoo steht vor dem größten Umbau seit der Ära seines legendären Direktors Bernhard Grzimek, der 1974 in Pension ging. Anfang Februar ist offizieller Baubeginn.

          Katharina Iskandar

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Dass ausgerechnet die Bärenanlage in die erste Bauphase fällt, liegt vor allem daran, dass die Anlage künftig mit dem Eingang „eine Einheit“ bilden soll, wie Zoodirektor Manfred Niekisch sagt. „Noch während der Besucher vor dem neuen Kassenhäuschen steht, ist er quasi schon mittendrin.“ Ermöglicht wird das durch einen gläsernen Bau, der fortan die Kasse, den Zooladen und ein Foyer samt Serviceschalter beherbergen soll, an dem sich die Besucher über aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse im Naturschutz informieren können.

          Brillenbären und Brüllaffen

          Direkt hinter der Kasse gelangt der Besucher dann in ein Wäldchen, das einen Kontrast zum benachbarten See und den auch sonst eher flach angelegten übrigen Gehegen bieten soll. Statt Lippen- und Malayenbären werden Brillenbären und Brüllaffen angesiedelt. Die Anlage, die die Landschaftsarchitektin Ariane Röntz und das Berliner Architekturbüro Henchion und Reuter gestalten, soll den natürlichen Lebensraum so genau wie möglich simulieren. Das hatte Niekisch in der Ausschreibung zur Bedingung gemacht.

          Die Kasse und das Bärengehege werden nach dem Umbau beisammen liegen, dafür wird der Eingang verlegt. Derzeit befindet er sich rechter Hand, wenn man vor dem Zoo-Gesellschaftshaus steht; demnächst soll er auf einer langen Rampe links am Gebäude entlangführen. Das Kassenhäuschen ist dann in etwa dort, wo sich derzeit die Tierpatentafel befindet und wo bis vor kurzem auch der Zookiosk stand.

          Auch das Fritz-Rémond-Theater wird von dem Umbau profitieren

          Die Verlegung des Eingangs soll das Zoo-Gesellschaftshaus aufwerten, indem es sich zum Alfred-Brehm-Platz hin öffnet. Das Gebäude soll künftig unabhängig vom Zoo für die Stadtgesellschaft zugänglich sein, auch das war ein Wunsch von Direktor Niekisch. Vor dem Zoo-Gesellschaftshaus soll ein Café eingerichtet werden. Ein Pächter wird derzeit gesucht, wie Niekisch sagt. Das gilt auch für den geplanten Biergarten mit Restaurant, der auf der hinteren Terrasse eingerichtet werden soll.

          Auch das Fritz-Rémond-Theater wird von dem Umbau profitieren, denn die Besucher müssen nicht mehr durch den Zooeingang kommen, wenn sie zum Theater wollen. Auch neue Parkplätze sollen entstehen und zwar dort, wo sich derzeit das Kassenhäuschen befindet.

          30 Millionen Euro gibt es von der Stadt

          Im Frühjahr 2012 soll der Eingang fertig sein. Die neue Bärenanlage wird Ende 2013 eröffnet. Bis dahin sollen für die Besucher die Einschränkungen, die durch den Umbau entstehen, so gering wie möglich gehalten werden. Während der Bauzeit werden die Besucher an der Seite des Zoo-Gesellschaftshauses hineingelassen, wo sich der kleine Wirtschaftshof befindet.

          Finanziert werden der neue Eingang und die Bärenanlage mit den 30 Millionen Euro, die die Stadt für die Sanierung des Zoos zur Verfügung gestellt hat. Allerdings werden die beiden Neubauten ein Großteil des Geldes kosten. Weitere Projekte, die mit dem Geld finanziert werden sollen, sind eine Quarantänestation und eine neue Pinguinanlage.

          Der Dezernent schließt weitere Gespräche nicht aus

          Weil bisher noch unklar ist, woher das Geld für die anderen geplanten Neubauten wie das neue Tag- und Nachttierhaus und die Afrika-Savanne kommen soll, ist Niekisch darauf bedacht, schon jetzt so viel wie möglich aus Spenden zu finanzieren. Seit etwa einem Jahr läuft die Spendenaktion für die neue Pinguinanlage, die bisher „schon einiges eingebracht hat“, wie Niekisch sagt. „Ein Großsponsor wäre aber noch ganz schön.“ Rund sechs Millionen Euro soll die insgesamt 2000 Quadratmeter große Anlage kosten; zwei Millionen Euro davon muss der Zoo selbst aufbringen.

          Der für den Frankfurter Zoo verantwortliche Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) hatte im Juni nicht ausgeschlossen, dass es weitere Gespräche zur Finanzierung geben könne, wenn die 30 Millionen Euro aufgebraucht sind. Seiner Ansicht nach sind die Sanierungen dringend notwendig. Der Zoo, sagte er, solle nicht nur Freizeiteinrichtung sein, sondern sich auch zu einem führenden Artenschutzzentrum entwickeln.

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