https://www.faz.net/-gzg-80i0j

Frankfurt : Wozu die hohen Häuser wirklich gut sind

Freier Blick auf den „langen Franz“: Nicht ohne Grund ist aus der Münchener Straße der Rathausturm zu sehen. Bild: Mäckler

Stadttore und Kirchtürme sorgten in Frankfurt einst für Orientierung. Für den Architekten Christoph Mäckler sind Hochhäuser ein Teil dieses städtebaulichen Ordnungssystems.

          Eines der Lieblingswörter von Christoph Mäckler lautet „selbstverständlich“, ein anderes „unspektakulär“. Der Architekt tritt für eine Besinnung auf den Städtebau ein: Gute Architektur ist für ihn nicht nur eine Frage der Gestaltung eines Gebäudes, sondern auch des rücksichtsvollen Umgangs mit der Umgebung. Ein Bauwerk sollte sich - selbstverständlich und unspektakulär - in den städtischen Raum einfügen, lautet Mäcklers Überzeugung.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Wenn der Direktor des Architekturmuseums Peter Cachola Schmal den Architekten süffisant als „geheimen Stadtbaumeister“ von Frankfurt vorstellt, der an seinem Dortmunder Institut für Stadtbaukunst „spektakuläre Konferenzen“ veranstalte, dann spricht daraus feine Ironie. Für manche Zeitgenossen ist Mäckler ein Wanderprediger des guten Städtebaus, der auf seiner Mission für die gute Sache auch vor Kollegenschelte nicht zurückscheut. Schmal, ein Freund des internationalen Hochhausbaus, und Mäckler, der Verfechter der europäischen Stadt, liegen nicht immer auf einer Linie. Aber sie vertragen Witz und Spott. Und sie duzen sich.

          Türme zur Orientierung und Verteidigung

          Mäckler macht es seinen Kritikern nicht leicht. Dass er keineswegs „gestrig“ ist, sondern einfach von wechselnden Moden nicht viel hält, zeigt er auch bei seinem Vortrag im Architekturmuseum. Es geht um „Hochhäuser als städtebauliche Elemente“, ein Thema, das ihn schon seit Jahrzehnten beschäftigt und das er erstmals 1986 mit seinem Frankfurt-Projekt aufgegriffen hat. Mit einer Ausstellung, die damals im Architekturmuseum gezeigt wurde, kritisierte Mäckler den seiner Ansicht nach geschichtsvergessenen Städtebau seiner Heimatstadt. Er wollte mit Hochhäusern die Orte, an denen früher Torbauten standen, „rekultivieren“.

          Dreißig Jahre später ist es Mäckler noch genauso ernst. Vor fast 300 Zuhörern macht der Architekt deutlich, dass der Position hoher Gebäude im Stadtraum früher stets eine städtebauliche und funktionale Ordnung zugrunde lag. Kirchtürme und Wehrtürme standen immer an öffentlichen Plätzen. In Frankfurt waren die Warten Ordnungssysteme: Sie boten Orientierung im Stadtraum und ermöglichten die Verteidigung der Stadt.

          Hochhäuser betonen historische Blickachsen

          Das alte Straßenraster nahm darauf Bezug: Von den auf die Innenstadt zuführenden Landstraßen aus war der Dom schon von weitem zu sehen. Die Gerbermühlstraße führt auf die Dreikönigskirche zu. Aus der Münchener Straße fällt der Blick auf den noch immer unvollendeten Rathausturm „Langer Franz“. Und von der Kennedyallee ist heute noch der Domturm zu sehen. Was folgt daraus? Hochhäuser sollten nicht zufällig stehen, sondern historische Blickachsen und Beziehungen betonen, meint Mäckler. „Sollte man sich solcher Systeme nicht bewusst werden und sie in unsere Planungen einbeziehen?“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Nach einem ungeregelten Brexit im Oktober könnte Joghurt wegen der erschwerten Einfuhrbedingungen und der möglichen Knappheit Seltenheitswert haben.

          Ungeregelter Brexit : Wenn der Joghurt zum Luxus wird

          Wenn Joghurt zum Luxusgut wird. Das könnte dem Vereinigten Königreich tatsächlich bei einem ungeregeltem Brexit am 31. Oktober passieren. Besonders die britische Milchindustrie fürchtet sich vor kommenden Engpässen.
          Mit virtueller Realität direkt ins Herz der Immigranten – Iñárritus Sechseinhalb-Minuten-Installation in Cannes.

          Künstliches Herz : Organ aus dem 3D-Drucker

          Forscher konstruieren eine künstliche Herzkammer und Muskelzellen, die synchron schlagen. Noch fehlt Entscheidendes, damit Ersatzorgane aus dem 3D-Drucker entstehen können.
          Finanzminister Olaf Scholz hat sich gegen das von Wirtschaftsminister Peter Altmaier vorgelegte Konzept zur vollständigen Abschaffung des Solis ausgesprochen.

          Finanzminister : Scholz gegen komplette Soli-Abschaffung

          Finanzminister Olaf Scholz kritisiert das von Wirtschaftsminister Altmaier vorgelegte Konzept zur vollständigen Soli-Abschaffung als „Steuersenkung für Millionäre“. Der SPD-Politiker möchte vorerst nur 90 Prozent der Steuerzahler entlasten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.