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Frankfurt : Hübner tritt aus AfD aus

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„Keinerlei kommunalpolitische Positionen“: Wolfgang Hübner, das Gesicht der Frankfurter Freien Wähler, hat die AfD verlassen. Bild: Röth, Frank

Gepflegter Hass: Mit dem Frankfurter AfD-Vorsitzenden Ralf Dedermann sei kein vernünftiges Gespräch möglich. Deshalb ist Wolfgang Hübner, der langjährige Kopf der Freien Wähler, wieder aus der AfD ausgetreten.

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          Es kommt in der Kommunalpolitik nicht oft vor, dass ein Name allein genügt, um den Gesprächspartner in Rage zu bringen. Zu klein ist der Radius rund um den Römer, als dass man sich dauerhaft aus dem Weg gehen könnte. Für gepflegten Hass ist eigentlich kein Platz. Und doch gibt es Ausnahmen. Wer Wolfgang Hübner, den langjährigen Kopf der hiesigen Freien Wähler, auf den noch ziemlich neuen Vorsitzenden des Kreisverbands der Alternative für Deutschland (AfD) anspricht, der bemerkt im freundlichsten Fall einen Hauch von Verachtung in Stimme und Mimik.

          Hübner, 68 Jahre alt, hat seinem neuen Lieblingsfeind vor ein paar Wochen erst jegliche kommunalpolitische Kompetenz abgesprochen. Der von Ralf Dedermann, einem 43 Jahre alten selbständigen Unternehmensberater aus dem Schwäbischen, geführte AfD-Kreisverband biete „keinerlei kommunalpolitische Positionen außer unverbindlichen Allgemeinheiten“ an.

          Hübner will 2016 die Freien Wähler unterstützen

          Das Ganze wäre noch erklärlich, wenn man annähme, Hübner wollte sich so früh wie möglich den örtlichen Chef einer Partei vom Leib halten, die in etlichen Punkten sehr Ähnliches fordert und vorschlägt wie die Freien Wähler, zum Beispiel, die Zuwanderung strikter zu regeln. Doch das allein kann es in diesem Fall nicht sein, denn Hübner war im Frühjahr 2013 selbst in die AfD eingetreten. Das war rechtlich nur möglich, weil er gleichzeitig aus der Partei der Freien Wähler austrat und seitdem nur noch dem etwa 100 Mitglieder zählenden Frankfurter Verein der Freien Wähler angehört.

          Doch mit der AfD-Mitgliedschaft ist es schon wieder vorbei. Am Dienstag teilte Hübner mit, er wolle die Freien Wähler auch in der Kommunalwahl 2016 unterstützen. Ob er wieder als Kandidat antrete oder nur den Wahlkampf konzipiere, habe er noch nicht entschieden. Weil vermutlich auch der AfD-Kreisverband eine Liste aufstellen werde, vertrage sich eine weitere Mitgliedschaft nicht mit seiner Glaubwürdigkeit.

          Ziemlich bester Gegner: Der Frankfurter AfD-Kreisvorsitzende Ralf Dedermann ist nicht traurig über Hübners Austritt.
          Ziemlich bester Gegner: Der Frankfurter AfD-Kreisvorsitzende Ralf Dedermann ist nicht traurig über Hübners Austritt. : Bild: Fricke, Helmut

          Hübner beklagt dann noch, dass vernünftige Gespräche mit dem AfD-Kreisvorstand, also vor allen mit Dedermann, nicht möglich gewesen seien. Außerdem vertrete die Alternative für Deutschland in Frankfurt zum Beispiel bei der Altstadt-Bebauung ganz andere Positionen als die Freien Wähler. Doch Hübner wäre nicht Hübner, hätte er nicht eine Bosheit beigefügt, getarnt als eine Art guter Rat. Er schreibt: „Es besteht allerdings weiterhin die Hoffnung, dass es in Frankfurt noch vor der Aufstellung von Listen für die Kommunalwahl zu personellen und politischen Veränderungen in der Führung des Kreisverbands Frankfurt kommt.“

          Ralf Dedermann dürfte das anders sehen. Seine Genugtuung über Hübners Parteiaustritt ist sogar am Telefon zu spüren. „Ich freue mich, dass der interne Streit jetzt beigelegt ist und wir uns endlich wieder auf die Inhalte konzentrieren können.“ Das „Rumgeeiere“ Hübners zwischen Freie-Wähler-Vereinsmitgliedschaft und AfD-Parteibuch sei nun vorbei, sagt Dedermann und fügt hinzu: „Überall, wo Herr Hübner auftrat, hat er nur Ärger produziert.“ Klingt alles nicht nach einer baldigen Versöhnung.

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