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Frankfurt : Wohnungen und Häuser werden immer teurer

Bild: F.A.Z.

Die Preise für Wohnungen und Häuser sind in Frankfurt im vergangenen Jahr stark gestiegen. Das geht aus dem Jahresbericht des Gutachterausschusses für Immobilienwerte hervor, der am Donnerstag vorgestellt wurde.

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          Die Preise für Wohnungen und Häuser sind in Frankfurt im vergangenen Jahr stark gestiegen. Das geht aus dem Jahresbericht des Gutachterausschusses für Immobilienwerte hervor, der am Donnerstag vorgestellt wurde. Demnach sind im vergangenen Jahr Eigentumswohnungen und Eigenheime, die nach 1950 errichtet wurden, je nach Baujahr um drei bis fünf Prozent teurer geworden. Bei den vor 1950 errichteten Altbauten wurde ein leichter Preisrückgang von drei Prozent verzeichnet.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Insgesamt sind deutlich mehr Wohnungen verkauft worden als in den Vorjahren: 3124 Eigentumswohnungen, darunter 782 Neubauwohnungen, und 199 neue errichtete Eigenheime wechselten den Besitzer. Der Durchschnittspreis für eine neue Eigentumswohnung ist 2010 um vier Prozent auf 3150 Euro je Quadratmeter gestiegen. Beliebt war vor allem das hohe Preissegment. Der Trend zu Luxuswohnungen ist ungebrochen: In der Preisspanne zwischen 3500 und 5000 Euro je Quadratmeter nahmen die Verkäufe um mehr als 15 Prozent auf 367 Wohnungen. Im Segment von mehr als 5000 Euro ging es sogar um 60 Prozent auf 85 Wohnungen nach oben; das sind achtmal so viele wie 2006. Die teuersten Wohnungen wurden mit knapp 10.000 Euro je Quadratmeter gehandelt.

          Besonders die innenstadtnahen Stadtteile sind beliebt

          Planungsdezernent Edwin Schwarz (CDU) wertet die Entwicklung als „Indikator für die Prosperität und die Attraktivität der Stadt“. Allerdings sei es nötig, neues Bauland auszuweisen, um durch mehr Angebote Druck vom Wohnungsmarkt zu nehmen. „Die Stadt will verhindern, dass finanziell nicht gut gestellte Bewohner vertrieben werden. Das ist nicht einfach“, sagt der Dezernent. Die Stadt versuche, mit öffentlicher Wohnungsbauförderung preisdämpfend zu wirken.

          Nur noch wenig neuer Wohnraum ist frei, wie hier im Nordend.

          Besonders die innenstadtnahen Stadtteile sind beliebt. Am teuersten sind neue Wohnungen im Westend, wo durchschnittlich 4910 Euro je Quadratmeter Wohnfläche gezahlt werden, gefolgt von Nord- und Ostend mit 4450 Euro und Sachsenhausen und Westhafen mit 4260 Euro.

          Flächenreserven gehen zur Neige und die Bevölkerung wächst

          Michael Debus, Vorsitzender des Gutachterausschusses, rechnet damit, dass die Tendenz zur Aufwertung durch Luxussanierungen und Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen, die besonders im Westend, Nordend und Sachsenhausen spürbar ist, auch auf andere Stadtteile ausstrahlen wird. Besonders Bornheim, das Ostend, Ginnheim und Bockenheim werden seiner Ansicht nach in den Fokus geraten. Bei den Altbauwohnungen führen das Nord- und das Ostend mit zusammen fast 200 verkauften Wohnungen die Statistik mit großem Abstand an – ein Beleg für die dortigen Aufwertungstendenzen.

          Der Preisanstieg auf dem Wohnungsmarkt hängt mit der zur Neige gehenden Flächenreserve und dem Bevölkerungsanstieg zusammen. Das Frankfurter Stadtgebiet ist weitgehend besiedelt, das Bauland wird knapp: In den Neubaugebieten und den gewachsenen Vierteln ist nur noch Platz für rund 18.000 neue Wohnungen. Da die Bevölkerung in den vergangenen Jahren kontinuierlich auf inzwischen 688 492 Einwohner gestiegen ist und eine entsprechend hohe Nachfrage nach Wohnraum herrscht, ziehen auch die Preise auf dem Mietmarkt spürbar an: Nach Angaben von Maklern werden inzwischen in zentrumsnahen Lagen durchschnittlich elf bis 13 Euro je Quadratmeter Wohnfläche gezahlt. Für hochwertige Wohnungen in besonderen Lagen können es auch Quadratmeterpreise von 15 Euro und mehr sein. Der Jahresbericht des Gutachterausschusses enthält dazu allerdings keine Angaben.

          Die Eigentumsverhältnisse setzen dem Handeln der Stadt Grenzen

          Die Wohnungspolitik wird immer mehr zum wichtigen Wahlkampfthema vor der Kommunalwahl. Die SPD wirft der schwarz-grünen Römer-Koalition Untätigkeit vor und ruft den Magistrat dazu auf, mehr bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Die Jusos fordern, leerstehende Bürogebäude vermehrt in Wohnungen umzuwandeln, denn in Frankfurt stünden mehr als zwei Millionen Quadratmeter Bürofläche leer. „Die Stadt muss Mittel und Wege finden, die leeren Flächen in bezahlbaren Wohnraum umzuwandeln“, verlangen die Juso-Sprecher Mike Josef und Christian Heimpel, die auch für die Stadtverordnetenversammlung kandidieren.

          Die Eigentumsverhältnisse setzen dem Handeln der Stadt allerdings Grenzen. Nach den Worten von Planungsdezernent Schwarz kann man nur an die Eigentümer appellieren und Umwandlungen anregen. Aufgrund der hohen Grundstückspreise ist es für die Eigentümer aber nicht rentierlich, teuer erworbene Büroflächen in Wohnraum umzuwandeln. Als Bürofläche vermietet, lässt sich mit einer Immobilie mehr verdienen als mit Wohnungen. Da eine Umwandlung in Wohnraum mit hohen Verlusten verbunden sei, hielten die Investoren die leerstehenden Flächen „auf Halde“, meint Debus. Er erwartet, dass Umwandlungen aber in den nächsten Jahren häufiger werden. „Irgendwann geht den Investoren die Puste aus. Die großen Zeiten für Büros sind vorbei.“

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