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Kinderbetreuung : Frankfurt will Plätze für die Hälfte aller Kleinkinder

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Spielplatz: Über die nötige Zahl von Plätzen für Kinder unter drei Jahren wird debattiert Bild:

Das Frankfurter Bildungsdezernat will innerhalb der nächsten fünf bis sechs Jahre für 50 Prozent der ein- bis dreijährigen Kinder ein Betreuungsangebot schaffen. Derzeit werden 18,5 Prozent der Kleinkinder betreut.

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          Geht es nach den Plänen des Frankfurter Bildungsdezernats, soll es in der Stadt innerhalb der nächsten fünf bis sechs Jahre für 50 Prozent der ein- bis dreijährigen Kinder ein Betreuungsangebot geben. Das sagte der Referent von Bildungsdezerntin Jutta Ebeling (Die Grünen), Michael Damian. „Dafür erwarten wir allerdings Geld vom Bund und vom Land.“

          Derzeit liegt die angestrebte Betreuungsquote gemäß einem Stadtverordnetenbeschluss bei 30 Prozent. Das Stadtparlament müsste eine Erhöhung jener Quote gutheißen. Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) plant, für rund ein Drittel der Kleinkinder Krippenplätze zu schaffen.

          „Frankfurt wächst, zieht Familien an“

          Derzeit gibt es in Frankfurt ein Betreuungsangebot für 18,5 Prozent der Kleinkinder, das sind rund 19 000 Plätze. „Es geht bei der Kinderbetreuung um viele Existenzen in der Stadt“, sagt Damian unter Verweis auf die Notwendigkeit für viele Frauen, arbeiten gehen zu müssen oder zu wollen. Der zusätzliche Bedarf an Plätzen liege aber schon allein angesichts steigender Kinderzahlen auf der Hand. Die Stadt erwartet, dass dieser Trend in den nächsten sieben Jahren anhalten werde.

          Vom nächsten Jahr an gibt die Stadt Damian zufolge für die Kleinkinderbertreuung in Krippen und gemischten Altersgruppen in Kindergärten 17 Millionen Euro aus. Um die beschlossenen 30 Prozent zu erreichen, müssten von 2008 an statt wie bisher 300 jährlich 500 neue Plätze eingerichtet werden. Das koste 1,3 Millionen Euro zusätzlich. „Frankfurt wächst, zieht Familien an“, sagt er.

          Nötig sei die Betreuung vor allem für Kinder im Alter zwischen einem Jahr und drei Jahren. Da immer mehr Erziehungsberechtigte das Elterngeld in Anspruch nähmen, sinke die Zahl von betreuten Kindern unter einem Jahr. Seit der Einführung der staatlichen Förderung zu Beginn dieses Jahres sind in Hessen rund 4000 Anträge auf Elterngeld gestellt worden. In den Sozialämtern in Darmstadt, Frankfurt, Fulda, Gießen, Wiesbaden und Kassel seien zudem knapp 16.000 Anfragen und Beratungen zu dem Thema registriert worden, teilte das Regierungspräsidium Gießen mit.

          Hessen liegt im Bundesländer-Vergleich auf Rang zehn

          Im Hessischen Landtag wurde die Forderung der Bundesfamilienministerin nach mehr Krippenplätzen für Kinder einmütig unterstützt. Die SPD-Fraktionsvorsitzende Andrea Ypsilanti lobte die CDU-Politikerin Leyen für ihre „gute, vorausschauende Familienpolitik“. Sozialministerin Silke Lautenschläger (CDU) wies darauf hin, dass die Landesregierung das Angebot an Betreuungsplätzen bereits deutlich ausgebaut habe.

          (Siehe auch: Sozialministerin Silke Lautenschläger (CDU) über Kinderbetreuung.)

          Nach Darstellung der Grünen-Abgeordneten Kordula Schulz-Asche liegt Hessen dagegen nur auf dem zehnten Rang im Vergleich mit anderen Bundesländern. Strittig blieb die Finanzierung zusätzlicher Angebote. Ypsilanti regte an, auf die geplante Unternehmenssteuerreform zu verzichten und die so gesparten sechs Milliarden Euro für Krippenplätze auszugeben. Grüne und FDP mahnten ein Finanzierungskonzept der Landesregierung an. Die Forderung von SPD und Grünen nach einem Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz für Kinder vom ersten Lebensjahr an lehnte die FDP wiederum ab, weil so ein psychischer Druck auf die Mütter entstünde, wieder arbeiten zu gehen.

          Nach Ansicht von Bildungsexpertin Donata Elschenbroich kommt in der derzeitigen Debatte die Qualitätsfrage zu kurz. „Wenn die Krippen gut sind, dann sind auch 35 Prozent zu wenig, wenn sie aber schlecht sind, dann sind fünf Prozent zu viel“, sagte die Fachfrau vom Deutschen Jugendinstitut der Deutschen Presse-Agentur. Für die Kinder sei eine Krippe nicht unbedingt schon in den ersten Lebensmonaten zu empfehlen. „Eineinhalb Jahre ist ein ganz gutes Alter, wenn die Kinder auf ihren Füßen stehen“, sagte Elschenbroich. Auch die Frauen brauchten etwa ein Jahr, um sich in ihrer neuen Mutterrolle zurechtzufinden.

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