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Frankfurter Baptisten-Gemeinde : Wie eine Glaubensgemeinschaft zum Corona-Hotspot wurde

Majer spricht auch von einer „sehr charismatisch orientierten Gemeinschaft“, von einer „ganz anderen Art von Gottesdienst“. Von einem Gottesdienst womöglich, in dem Nähe und Körperkontakt eine größere Rolle spielen als anderswo? Die Behörden versuchen, das herauszufinden. Befragt werden sämtliche Teilnehmer. Es ist nicht einmal klar, wie viele es waren. Denn anders als in den großen christlichen Kirchen hat der Baptisten-Verein nicht darauf bestanden, dass sich die Gottesdienst-Teilnehmer vorher schriftlich anmeldeten. Das würde es jetzt viel einfacher machen, alle Kontaktpersonen aufzuspüren. Warum diese Listen nicht geführt wurden? Auch diese Frage wird der Vereinsvorstand beantworten müssen.

„Alle Regeln eingehalten“

Bevor der Vorstand den Kontakt nach außen kappte, hat sich der stellvertretende Vereinschef noch kurz geäußert. Der 64 Jahre alte Wladimir Pritzkau sagte der Deutschen Presse-Agentur, er könne zwar nicht genau sagen, wie viele Besucher zu dem Gottesdienst gekommen seien. Es seien „bei uns aber alle Regeln eingehalten worden“. Es habe Desinfektionsmittel gegeben, der vorgeschriebene Abstand sei beachtet worden.

Daran bleiben Zweifel. Denn um das beurteilen zu können, müsste die Besucherzahl bekannt sein. Das Bethaus in Rödelheim ist nicht klein, aber es ist auch nicht so groß wie der Frankfurter Dom. Für diese Riesenkirche ist seit dem 1. Mai, seitdem öffentliche Gottesdienste wieder erlaubt sind, eine maximale Teilnehmerzahl von 70 vorgeschrieben. Masken sind zumindest auf dem Weg zum Platz dringend empfohlen. Es gibt in ganz Deutschland ein Konzept, das zwischen den Kirchen, den Behörden und der Politik abgestimmt worden ist. Werden die Regeln eingehalten, ist es nach Ansicht von Beobachtern unwahrscheinlicher, sich in einem Gottesdienst zu infizieren als beim Einkauf.

Sorgen gibt es trotzdem. Die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde der Baptisten in Frankfurt hat Angst, mit dem Verein in Verbindung gebracht zu werden. Es dauert nicht lange, bis deren Pastor folgende Nachricht auf der eigenen Homepage veröffentlichte: „Die genannte Gemeinde steht weder organisatorisch noch inhaltlich in einer Verbindung zu unserer Kirchengemeinde oder dem Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland.“ Man selbst verzichte zum Schutz der Gläubigen weiterhin auf Präsenzgottesdienste. Mehr Distanzierung geht kaum. Und auch die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau weist darauf hin, dass in ihren Reihen „bisher keine vergleichbare Fälle“ bekannt seien und weiterhin das mit dem Robert-Koch-Institut abgestimmte Schutzkonzept gelte. Die Reaktion erklärt sich damit, dass Baptisten, denen eine unabhängige, freie Ortsgemeinde und die Gläubigentaufe wichtig sind, als Mitglieder der evangelischen Konfessionsfamilie gelten.

Die Stadt Hanau und der Main-Kinzig-Kreis haben auf das Geschehen in Frankfurt-Rödelheim reagiert. Weil sich im Zusammenhang mit dem Gottesdienst „mindestens 16 Personen aus Hanau mit dem Corona-Virus infiziert haben“, wurde ein für Sonntag geplantes Fastengebet von Muslimen in einem Stadion abgesagt.

Der Baptisten-Verein hat seine Gottesdienste bis auf weiteres ins Internet verlegt. Pünktlich um zehn Uhr am Sonntag geht es los. Ein Mann predigt auf Deutsch. Er sagt: „Jesus ruft uns auf, dass wir ruhig bleiben in diesen schwierigen Zeiten.“

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