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Frankfurt - Die wachsende Stadt : Wer jetzt noch keine Wohnung hat, ist arm dran

Dach über dem Kopf: Inzwischen ziehen so viele Menschen nach Frankfurt, dass es immer schwieriger wird, Wohnraum zu finden. An Sozialwohnungen wie hier am Frankensteiner Platz in Sachsenhausen herrscht Mangel. Bild: Cunitz, Sebastian

In Frankfurt zu wohnen ist teuer. Der Markt ist umkämpft zwischen Eigentümern und Mietern, Kleingärtnern und Bauherren, Alteingesessenen und Zuziehenden. Die Stadt kann es nicht allen recht machen.

          Zwischen Odenwald und Taunus liegt ein weiteres Gebirge, es ist aus Stahl und Beton. Wie eine Wand ragt die Frankfurter Skyline empor, sie verheißt Arbeit und Wohlstand. Die Aussicht auf ein gutes Leben zieht so viele Menschen an, dass es in der Stadt eng wird. Wer eine einigermaßen gute Wohnung gefunden hat, der bleibt. Die Fluktuation ist gering, kaum jemand zieht noch freiwillig um. Das macht es denen, die von außen hinzukommen, besonders schwer.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Jede Woche wächst die Stadt um rund 300 Einwohner, zwei Drittel davon durch Zuzug. Das bedeutet, dass jede Woche etwa 100 freie Wohnungen nötig wären, um sie alle unterzubringen. Doch die Wohnungsversorgungsquote, die das Verhältnis von Wohnungen zu Haushalten angibt, sinkt weiter: Sie liegt bei 94,8 Prozent. Außerdem geht das Bauland zur Neige. Weil die Menschen zudem wählerisch sind, wird besonders in den innerstädtischen Vierteln der Wohnraum knapp und teuer. Vergleicht man die Angebotsmieten in den deutschen Großstädten, so liegt Frankfurt inzwischen auf dem zweiten Rang, hinter München.

          Bestandsmiete bei rund 8 Euro je Quadratmeter

          Die Ausmaße der „Reurbanisierung“ haben die Frankfurter Politik, aber auch die Immobilienwirtschaft überrascht. Sie waren darauf nicht vorbereitet. Jahrelang wurde zu wenig gebaut. Außerdem hieß es lange, man brauche vor allem exklusive Wohnungen, um den gut verdienenden Angestellten in den Bankentürmen etwas zu bieten.

          Das war kurzsichtig. Inzwischen ist preiswerter Wohnraum Mangelware. Die Wirtschaft schlägt Alarm, viele Unternehmen sorgen sich um Wohnraum für ihre Fachkräfte, auch die oft zitierten Krankenschwestern und Polizisten tun sich schwer auf dem Wohnungsmarkt. Etwa 80 Prozent der Frankfurter wohnen zur Miete. Niedrigverdiener müssen inzwischen rund 40 Prozent ihres Gehalts für die Wohnkosten ausgeben.

          Aber wie hoch ist die Miete wirklich? Es tobt ein Kampf um die Deutungshoheit. Die Statistiken nennen unterschiedliche Zahlen; um so wichtiger ist es, genau hinzuschauen. Viele Internetportale und Maklerhäuser werten nur die Inserate für neu zu vermietende Wohnungen aus. Diese Angebotsmieten liegen weitaus höher als die Bestandsmieten, im Schnitt um rund vier Euro.

          Die Bestandsmiete ist in Frankfurt durchaus noch moderat, sie liegt derzeit bei 8,08 Euro je Quadratmeter. Wer eine neue Wohnung sucht, muss tiefer in die Tasche greifen: Je nach Quelle liegen die Durchschnittspreise im Stadtgebiet zwischen 10,40 und zwölf Euro je Quadratmeter. Wechselt der Mieter, steigt die Miete mitunter stark an. 2013 sind die Angebotsmieten um 2,5 Prozent gestiegen, also fast doppelt so stark wie die Verbraucherpreise. Sie verteuern sich auch deutlich schneller als die Bestandsmieten: Seit 2006 stiegen die Angebotsmieten in Frankfurt um fast ein Drittel, die Bestandsmieten um etwa 15 Prozent.

          Im Westend zahlt man 15 Euro im Schnitt

          Die Mieten differieren auch stark nach Stadtteilen. Für Wohnungen mittlerer bis guter Ausstattungsqualität werden in Frankfurt Mietpreise zwischen sieben und 16,50 Euro je Quadratmeter erzielt. Wer ins Westend zieht, muss im Schnitt 15 Euro zahlen, im Nordend werden zwölf Euro fällig. In den Randlagen ist das Niveau dagegen viel niedriger. In Sindlingen, Höchst, Riederwald, Fechenheim, Zeilsheim und Unterliederbach wohnt man am günstigsten: Dort werden Wohnungen für nur acht Euro je Quadratmeter angeboten.

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