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Weltkriegsbombe : Helikopter helfen bei Suche nach Nachzüglern

Evakuierung: Die Polizei bittet Anwohner die Sperrzone zeitig zu verlassen. Bild: F.A.Z.

Am Sonntag steht eine Bombenentschärfung in Frankfurt an: Die Polizei ruft dazu auf, die Sperrzone rechtzeitig zu räumen. Was Sie wissen sollten.

          „Wir schaffen das“: Die Mitarbeiter des Kampfmittelräumdienstes, die am Sonntag die Weltkriegsbombe im Ostend entschärfen sollen, sind zuversichtlich. Die Bauart der beiden mechanischen Zünder an der 500-Kilo-Splitterbombe sei bekannt, heißt es aus Darmstadt. Der Sprengkörper, den die US Airforce vor rund 75 Jahren abgeworfen hatte, ruht „stabil“ und geschützt vor zu viel Sonne im Erdreich der Baustelle an der Ecke Mayfarthstraße/Eytelweinstraße unweit der Europäischen Zentralbank.

          Helmut Schwan

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Um 12 Uhr wollen die Sprengmeister nach bisheriger Planung ihre gefährliche Mission beginnen. Sie werden zunächst versuchen, die Zünder mittels einer Raketenklemme heraus zu drehen; das sind pyrotechnisch angetriebene Werkzeuge, die starke Kräfte entwickeln. Falls das nicht funktioniert, kommt der Wasserstrahlschneider zum Einsatz. Es braucht allerdings seine Zeit, den Schneider, mit dem Zünder aus sicherer Distanz gelöst werden können, exakt zu justieren. Vorsorglich nennt die Polizei daher 18 Uhr als wahrscheinlichen Termin, an dem alle Sperrungen wieder aufgehoben werden können.

          Es könnte früher werden, aber auch später, heißt es. Der Teufel steckt zum einen im technischen Detail, ausschlaggebend ist unter anderem die Frage, wie stark verrostet die Gewinde sind. Nur schwer kalkulieren lässt sich auch, wie lange es dauern wird, ehe die Polizei vermelden kann, dass sich von den rund 16.000 Personen, die im Ostend, Teilen von Sachsenhausen und Oberrad leben, mit großer Wahrscheinlichkeit niemand mehr in der Sperrzone aufhält. Eigentlich soll das bis 8 Uhr der Fall sein.

          Langfristige Vorbereitung zur Evakuierung

          Nach den Erfahrungen, die vor fast zwei Jahren gemacht wurden, als nach dem Fund einer Bombe im Westend sichergestellt werden musste, dass annähernd 60.000 Menschen Wohnungen, Büros, Hotels, Krankenhäuser sowie Alten- und Pflegeheime verlassen, hat man diesmal einen großen zeitlichen Puffer eingebaut. Denn damals erhielt die Polizei noch Stunden nach der Frist Hinweise auf Personen, die von der Räumung entweder nichts gehört oder sie bewusst ignoriert hatten.

          Diesmal dürfte es noch schwerer sein als im September 2017, glaubhaft zu machen, dass man von der Bombe und den Folgen nichts mitbekommen hat. Diese war Ende Juni bei der Sondierung eines Baugeländes entdeckt worden. Seither wurden auf allen Nachrichtenkanälen die Anwohner im Umkreis von 1000 Metern auf die Evakuierung vorbereitet. Polizei und Feuerwehr haben nach Kräften getwittert und werden das auch am Sonntag tun. Am frühen Morgen werden Lautsprecherwagen durch die Viertel fahren und noch einmal darauf hinweisen, dass es nun höchste Zeit ist, das Nötigste zu packen.

          Auch diesmal werden mehrere hundert Beamte von 8 Uhr an von Haus zu Haus gehen, klingeln und nachschauen. An die tausend Objekte seien zu überprüfen, sagte gestern eine Sprecherin. Streifenwagen werden unterwegs sein, um zu überprüfen, ob sich noch jemand am Mainufer oder in Parks aufhält. Die Beamten gehen auch den Hinweisen nach, die eine Wärmebildkamera in einem Hubschrauber liefert, der über der Sperrzone kreisen wird. Rund 700 Mitarbeiter, überwiegend ehrenamtliche, von den Feuerwehren und anderen Hilfsorganisationen in der Region gestellt, werden am Wochenende im Einsatz sein. Sie sollen dafür sorgen, dass alte und kranke Menschen, die das nicht selbst organisieren können, zu ihren Ausweichquartieren kommen – und abends wieder zurück.

          Zwar lief noch eigentlich die Frist ab, bis zu der Transportwünsche angemeldet werden sollten; bis zum Morgen hatten sich schon etwa 300 Personen gemeldet. Jedoch werden auch jene abgeholt, die sich heute noch melden. Der Großteil der Bewohner von Alten- und Pflegeheime wird schon heute in Einrichtungen außerhalb der Sperrzone gebracht.

          Wie berichtet, ist das Zoogesellschaftshaus die zentrale Anlauf- und Betreuungsstelle. Man rechnet mit bis zu 400 Personen, die dort den Tag verbringen werden, weil sie privat nicht untergekommen sind oder nicht, wie von der Stadt angeboten, bei freiem Eintritt ein Museum oder den Palmengarten besuchen wollten. 400 Plätze, diese Zahl scheint angesichts der Zahl der betroffenen Anwohner klein zu sein, sie basiert aber auf bundesweiten Erfahrungen mit solchen Lagen. Die Faustregel lautet, man müsse, falls es nur eine Vorwarnzeit von einem Tag oder weniger gibt, an den Sammelstellen mit zehn Prozent der Menschen rechnen, die in der Sperrzone leben.

          Weil aber diesmal eineinhalb Wochen blieben, sich auf Sonntag einzurichten, erwartet der Planungsstab deutlich weniger. Sein Appell: Die Sperrzone rechtzeitig verlassen, denn unter Verzögerungen hätten vor allem Alte und Kranke zu leiden.

          Das Wichtigste zur Evakuierung am Sonntag

          Sperrzone: Sie wurde in einem Radius von rund 1000 Metern um den Fundort der Bombe im Ostend, nahe der Kreuzung von Mayfarthstraße und Eytelweinstraße eingerichtet (siehe Karte). Die Zone reicht auch über den Main in Teile von Sachsenhausen und Oberrad.

          Termine: Die Sperrzone muss bis 8Uhr geräumt sein. Um 12Uhr will der Kampfmittelräumdienst mit der Arbeit unmittelbar an der Bombe beginnen. Das wird sich jedoch verzögern, wenn die Evakuierung bis dahin noch nicht abgeschlossen ist. 18Uhr wird als möglicher Termin genannt, zu dem die Sperren wieder aufgehoben werden. Ob er einzuhalten ist, hängt allerdings von mehreren Faktoren ab.

          Betreuungsstelle: Für jene, die nicht privat unterkommen oder den Tag in einem Museum, im Schwimmbad oder im Palmengarten verbringen wollen, stehen im Zoogesellschaftshaus am Alfred-Brehm-Platz Stühle, Liegen, Snacks und Getränke bereit.

          Transfer: Von 6 Uhr an werden in der Zone zusätzliche Busse eingesetzt. Wer ins Zoogesellschaftshaus will, kann an der Deutschherrenbrücke, an den Haltestellen Zum Brommenhof, Zum Apothekerhof, Wasserweg und Obermainlage und auf einer zweiten Linie an den Haltestellen Schwedlerstraße, Osthafenplatz, Ostbahnhof/Honsellstraße, Ostbahnhof/Sonnemannstraße und Zobelstraße einsteigen.

          Verkehr: Autofahrer müssen weite Umwege fahren, die Nutzer von öffentlichen Verkehrsmitteln sich kundig machen, welche Busse und Bahnen bis wohin noch welche Strecken fahren. Am einfachsten gelingt dies über die Internetseite des Rhein-Main-Verkehrsverbundes unter www.rmv.de. Dort sind alle Änderungen in den Fahrplänen aufgeführt; sie sollen auch jeweils kurzfristig aktualisiert werden. Der Ostbahnhof und die S-Bahn-Station Ostendstraße, mitten im Sperrgebiet gelegen, bleiben geschlossen.

          Informationen: Die Feuerwehr hat für alle Fragen ein Bürgertelefon unter der Nummer 069/212111 eingerichtet. Wer nicht in der Lage ist, allein zu einer anderen Unterkunft zu kommen, kann sich dort melden. (hs.)

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