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Rätsel um Rücktritt : Der Final Countdown des Peter Feldmann

Im Amt bis Ende Januar? So lange kann ein Oberbürgermeister zum Aufräumen seines Schreibtisches nicht brauchen. Bild: Lucas Bäuml

Warum will Frankfurts Oberbürgermeister erst Ende Januar zurücktreten? Niemand benötigt 211 Tage um seinen Schreibtisch aufzuräumen. Doch es gibt Erklärungsansätze für das Verhalten von Peter Feldmann.

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          Der Oberbürgermeister lässt die Frankfurter abermals rätseln – und das ausgerechnet in einem Statement, das mit „Klarheit für Frankfurt“ überschrieben ist. „Ich erkläre, dass ich im Januar beantrage, meine Amtszeit zum Monatsende zu beenden“, heißt es in der am Dienstag veröffentlichten Mitteilung. Wenn schon Rücktritt – warum dann nicht gleich? So ein Antrag bei der Stadtverwaltung ist doch schnell gestellt und wird, wenn er vom Chef kommt, bestimmt bevorzugt behandelt. Schon klar – Vorfreude ist die schönste Freude. Aber andererseits sagt der Volksmund doch auch: Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen. Und schon gar nicht auf Ende Januar 2023. Bis zum 1. Februar sind es, gerechnet seit Dienstag, noch 211 Tage, also 5064 Stunden oder 303.840 Minuten. Was will der Oberbürgermeister in der ganzen Zeit tun? So lange braucht doch kein Mensch, um seinen Schreibtisch aufzuräumen.

          Begrüßung beim Neujahrsempfang?

          Matthias Trautsch
          Koordination Reportage Rhein-Main.

          Da Peter Feldmann ein Mann mit strategischem Weitblick ist, nehmen wir aber an, dass er das Datum für seinen Rücktritt sehr bewusst gewählt hat. Also warum ausgerechnet Ende Januar? Hat er für den 1. Februar eine Kreuzfahrt gebucht? Eine pragmatisch veranlagte Bekannte meinte spontan, er wolle wohl noch das Weihnachtsgeld mitnehmen. In diesem Fall sollte er bedenken, dass die Jahresendgratifikation auch bei vorzeitiger Kündigung ausgezahlt wird, zumindest anteilsweise. Ein Kenner der Römerpolitik und ihrer Eitelkeiten vermutet hingegen, Feldmann wolle es sich nicht nehmen lassen, beim traditionellen Neujahrsempfang die illustren Gäste im Kaisersaal zu begrüßen. Wäre natürlich ein idealer Anlass, ein letztes Mal die Amtskette überzuwerfen.

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