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Frankfurt : Urban Entertainment Center wird gebaut

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Ende einer Brache: Das Areal des ehemaligen Güterbahnhofs wird bebaut Bild:

Neben der Frankfurter Messe wird ein Einkaufszentrum entstehen: Die schwarz-grüne Koalition hat den Weg für das 330-Millionen-Euro-Projekt geebnet. Ende 2009 sollen die Bauarbeiten beginnen.

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          Die schwarz-grüne Koalition in Frankfurt hat den Weg für den Bau eines Einkaufszentrums neben der Messe endgültig freigemacht. Wie Vertreter der Stadt und der Investoren gestern auf der Immobilienmesse Mipim in Cannes mitteilten, soll statt des bisher geplanten Kinocenters ein Kongresszentrum errichtet werden. Es wird von der Messegesellschaft betrieben werden.

          Mit den Bauarbeiten für das Projekt, das bisher als Urban Entertainment Center (UEC) bekannt ist, künftig aber als „Skyline Plaza“ vermarktet werden soll, werde voraussichtlich Ende 2009 begonnen werden, hieß es in einer Mitteilung des Grundstückseigentümers Vivico Real Estate. Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) äußerte in Cannes sogar die Hoffnung, dass schon im Herbst Baubeginn sein könnte. Planungsdezernent Edwin Schwarz (CDU) rechnet mit einer Fertigstellung im Jahr 2011.

          Kongresszentrum statt Großkino

          Die Vivico Real Estate will das Einkaufszentrum in einem Joint Venture mit dem Hamburger Zentrenbetreiber ECE errichten. Sie investieren nach eigenen Angaben rund 330 Millionen Euro in das Vorhaben, zu dem auch ein Hotelturm gehört.

          Mit der Entscheidung, das geplante Großkino durch ein Kongresszentrum zu ersetzen, ist Bedenken von einflussreichen Stadtverordneten der CDU und der Grünen Rechnung getragen worden. Diese hatten argumentiert, dass das geplante Urban Entertainment Center neue Besucher nach Frankfurt locken müsse; andernfalls werde es nur Konkurrenz für die Geschäfte in der Innenstadt sein.

          „Das ist ein echter Frequenzbringer“

          Entsprechend zufrieden äußerten sich die planungspolitischen Sprecher Jochem Heumann (CDU) und Stefan Majer (Die Grünen) gestern auf Anfrage. „Das ist ein echter Frequenzbringer“, sagte Heumann.

          Im Gegenzug haben sich die Fraktionen mit der Interpretation der ECE abgefunden, was die Flächenberechnungen im Einkaufszentrum betrifft. Dieses darf gemäß städtebaulichem Vertrag eine Fläche von 38.000 Quadratmetern haben. Hinzu kommen 12.800 Quadratmeter für Wegeflächen und bestimmte Serviceangebote. Weitere rund 2500 Quadratmeter sind für Angebote wie ein Reisebüro, einen Friseur, eine Reinigung oder einen Schlüsseldienst vorgesehen. Auch diese sogenannten einzelhandelsnahen Dienstleistungen fließen nicht in die Berechnung der Handelsfläche ein.

          Lob vom Einzelhandelsverband

          Majer wies darauf hin, dass auch im Fall des „Palais Quartier“ an der Zeil – bis vor kurzem bekannt als „Frankfurt Hoch Vier“ – die Verkehrsflächen der Mall nicht auf die Handelsfläche angerechnet würden. Im Römer wurde darauf hingewiesen, dass die Rechtsprechung in der Frage der Flächenberechnung nicht eindeutig sei. Einen Rechtsstreit mit den Investoren zu beginnen wäre deshalb nicht nur aus Imagegründen für die Stadt riskant gewesen.

          Frank Albrecht, Präsident des Einzelhandelsverbandes, lobte gestern die Entscheidung für ein Kongresszentrum. Gleichzeitig betonte Albrecht, der in den vergangenen Jahren einer der schärfsten Kritiker des UEC war, er halte das Einkaufszentrum mit Blick auf den etablierten Einzelhandel in der Stadt nach wie vor für gefährlich. Man werde den Fortgang der Planungen genau beobachten.

          Platz für 3000 Besucher

          Das Kongresszentrum wird dem Vernehmen nach eine Kapazität von 2500 bis 3000 Besuchern haben. Es wird einen Saal für bis zu 1000 Menschen geben und weitere kleinere Räume. Nach Angaben der Messegesellschaft, an der die Stadt mit 60 Prozent beteiligt ist, reichen die vorhandenen Räume nicht aus; auch die städtische Tourismus- und Congress GmbH hat mehrfach darüber geklagt, dass immer wieder Anfragen für größere Kongresse wegen Raummangels abgelehnt werden müssten.

          Wo das neue Tagungszentrum entstehen soll, war gestern nicht in Erfahrung zu bringen. Aus dem Römer hieß es, dass es an der Stelle geplant sei, an der das Kino hätte gebaut werden sollen. Das würde bedeuten, dass es zum Platz der Republik hin läge. Andere Quellen wollten wissen, dass es zur Messe hin plaziert werden soll. Ein Sprecher der Vivico Real Estate wollte weder die eine noch die andere Variante bestätigen; er sagte, derzeit würden die Planungen für das „Skyline Plaza“ überarbeitet. Bei der Stadt werde dann eine neue Bauvoranfrage eingereicht werden. Architekt des Einkaufszentrums ist Jochem Jourdan.

          Ein neues Hochhaus für die Skyline

          Bernhard Hansen, Vorsitzender der Vivico-Geschäftsführung, hob die Bedeutung der Einigung mit der Stadt für die weitere Entwicklung des Europaviertels hervor. Nun sei auch der Bau des zum UEC gehörenden Hotelturms gesichert, in dem ein Grand Hyatt unterkommen soll. In Cannes kündigte Hansen einen Architektenwettbewerb für das 150-Meter-Hochhaus an, in dem auf mehr als 100 Metern Höhe ein öffentlich zugängliches Restaurant und darüber auf sieben Geschossen hochwertige Wohnungen geplant sind.

          Der Bauantrag soll im Herbst eingereicht werden, spätestens 2012 soll das Hotel mit 400 Zimmern eröffnet werden. In unmittelbarer Nachbarschaft zum „Skyline Plaza“, an der Friedrich-Ebert-Anlage, will die Vivico außerdem das Hochhaus „T 185“ errichten, in das die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC einziehen will.

          Dann soll auch das Einkaufszentrum fertiggestellt sein. Um von oben ebenfalls einen attraktiven Anblick zu bieten, soll das „Skyline Plaza“ einen Dachgarten erhalten, in dem nach Angaben der Investoren auch ein Amphitheater geplant ist. Wie Alexander Otto, Geschäftsführer der ECE, auf der Mipim äußerte, sollen gastronomische Angebote eine große Rolle spielen.

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