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Fachhochschule Frankfurt : Von der Königlichen Bauschule zum House of Science and Transfer

50 Jahre alte FH Frankfurt: Zum Festakt gratuliert Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) dem Hochschulpräsidenten Frank Dievernich (rechts). Bild: Wonge Bergmann

Die Frankfurt University of Applied Sciences begeht mit einem Festakt ihr 50-Jahre-Jubiläum. Mit ihrer Gründung war auch ein Versprechen verbunden. Ihr Präsident meint, dass es eingehalten wurde.

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          Frank Dievernich schätzt die Dimension schon richtig ein. 50 Jahre – das sei keine lange Zeitspanne, etwa verglichen mit den mehr als 600 Jahren, auf die Deutschlands älteste Universität in Heidelberg zurückblicken könne. Der Präsident der Frankfurt University of Applied Sciences wäre jedoch nicht er selbst, wenn er Mühe hätte, dieses Traditionsdefizit ins Positive zu drehen. Seine Hochschule befinde sich nun „mitten in einer bereits geglückten Startup-Phase“, sagte Dievernich am Freitagabend beim Jubiläums-Festakt auf dem Campus. Als Gratulanten waren unter anderen Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU), Wissenschaftsministerin Angela Dorn (Die Grünen) und Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) eingeladen.

          Sascha Zoske
          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das „Startup“, das im August 1971 gegründet wurde, ist – um in der Sprache der Wirtschaft zu bleiben – eigentlich zumindest in Teilen ein Nachfolge-Unternehmen. Die Fachhochschule, wie sie damals noch hieß, vereinigte fünf getrennte Vorgängereinrichtungen in sich, darunter die schon 1906 eröffnete Königliche Baugewerksschule und die Königliche Maschinenbauschule von 1910. Außer in den historischen Gebäuden am Nibelungenplatz wurden die anfangs gut 2500 Fachhochschul-Studenten an einem Standort in der Nordweststadt unterrichtet. Mittlerweile lernt die nun rund 16.000 Köpfe zählende und auf vier Fachbereiche verteilte Hochschülerschaft hauptsächlich an der Nibelungenallee, wo in den vergangenen Jahren mehrere Neubauten entstanden sind.

          Der Campus als ein „Ort der Hoffnung“

          Dievernich sieht in dem Campus, der in den nächsten Jahren weiter modernisiert werden soll, einen „Ort der Hoffnung“ – nicht nur weil dort nach langer Corona-Pause nun wieder Veranstaltungen wie der Festakt möglich sind. Schon bei ihrer Gründung symbolisierte die Fachhochschule die Hoffnung auf sozialen Aufstieg durch Bildung: Wie ihre in den siebziger Jahren entstandenen Schwestereinrichtungen sollte sie jungen Menschen, denen ein Universitätsstudium zu theoretisch war, den Zugang zu anspruchsvollen und besser bezahlten Berufen öffnen. Nach Meinung von Ministerpräsident Bouffier ist ihr das hervorragend gelungen. Er sei „sehr stolz darauf“, wie sich die Frankfurt University im vergangenen halben Jahrhundert entwickelt habe.

          „Universität“ seit 2014: Die University of Applied Sciences am Frankfurter Nibelungenplatz
          „Universität“ seit 2014: Die University of Applied Sciences am Frankfurter Nibelungenplatz : Bild: Frankfurt University of Applied Sciences

          Mit dem Aufstiegsversprechen einher ging laut Dievernich die Akzeptanz und Förderung von Vielfalt. Studenten aus bildungsfernen Familien sollen sich in der Frankfurt University ebenso wohlfühlen wie beruflich Qualifizierte und Migranten, die noch nicht lange in Deutschland leben, aber die Voraussetzungen für ein Studium mitbringen. Gerade um die Studienanfänger mit Ausbildung statt Abitur macht sich die Frankfurt University nach Ansicht von Wissenschaftsministerin Dorn besonders verdient: Im hessischen Modellversuch, den Hochschulzugang für Studierende mit Berufsabschluss zu öffnen, verzeichne sie die höchste Teilnehmerzahl. Die Hochschule unterstütze Studenten mit heterogenen Eingangsvoraussetzungen unter anderem durch eine besondere Studienberatung, Orientierungsveranstaltungen sowie Fach- und Sprachtutorien.

          Ingenieure helfen im Kampf gegen Hitze und Lärm

          Dritter Leitgedanke für die Frankfurt University ist nach den Worten ihres Präsidenten die Praxisnähe. Es sei „der Kontext der Anwendung, der Wissen als transferfähig veredelt“. Ingenieure der Hochschule entwickelten Ideen für den Kampf gegen Hitze und Lärm in den Städten, ihre Informatiker wirkten an der Digitalisierung des Landes mit, und ihre Sozialwissenschaftler zeigten, wie eine alternde und diverser werdende Gesellschaft den damit verbundenen Herausforderungen begegnen könne. Das House of Science and Transfer, das die Frankfurt University gerade gegründet hat, soll die Vernetzung mit der Wirtschaft, aber auch den Austausch der Disziplinen untereinander weiter fördern, wie Dievernich sagte: Es sei ein „Ort gelebter Interdisziplinarität“.

          Ihren Anspruch, eine Stätte der Forschung ebenso wie der Lehre zu sein, hat die Hochschule 2014 durch den Wechsel ihres Namens bekräftigt: Sie firmiert nun wie viele andere ehemalige Fachhochschulen als University of Applied Sciences. Mehr noch als diese Umbenennung missfällt manchen Repräsentanten klassischer Universitäten, dass den Hochschulen für angewandte Wissenschaften in Hessen seit 2016 ein (wenn auch eingeschränktes) Promotionsrecht zusteht: Professoren besonders forschungsstarker Fachgebiete – in Frankfurt sind das Soziale Arbeit, Angewandte Informatik sowie Mobilität und Logistik – dürfen nun eigenständig den Doktortitel vergeben. Ein Evaluationsverfahren, das zeigen soll, ob sich die Neuerung bewährt, hat inzwischen begonnen.

          Eine Schule für die Persönlichkeit

          Eine andere Innovation, auf die Dievernich in seiner Rede hinwies, ist die School of Personal Development and Education. Man darf annehmen, dass ihre Eröffnung dem Präsidenten, der als Wirtschaftsprofessor auch Coaching und „Change Management“ gelehrt hat, ein besonderes Bedürfnis war. Die fachbereichsübergreifende Einrichtung soll Forschung und Lehre zu Themen wie Persönlichkeitsentwicklung, Allgemeinbildung, digitale Kompetenz und gesellschaftliche Verantwortung bündeln. „Denn der Mensch kann am besten an sich selbst lernen“, meint Dievernich, „angewandter geht es nicht.“

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