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Im Taxi sexuell belästigt : „Ich habe so Angst“

In der Nacht vom 27. auf den 28. Januar 2019 soll der Taxifahrer die Tat begangen haben. (Symbolbild) Bild: dpa

Eine Studentin soll in Frankfurt von einem Taxifahrer sexuell belästigt worden sein. Doch zur Verhandlung erscheint sie nicht. So bleiben vorerst Fragen offen.

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          Kaum dass die Anklageschrift verlesen ist, muss die Vorsitzende Richterin die Verhandlung schon wieder unterbrechen. Die 22 Jahre alte Studentin, die vor eineinhalb Jahren in einem Taxi sexuell belästigt worden sein soll, ist nicht da. Eigentlich müsste sie jetzt als Zeugin aussagen, keine drei Schritte vom Angeklagten, dem damaligen Taxifahrer, entfernt. „Ich habe ihre Handynummer“, sagt die Richterin und verlässt den Raum. Ihr Anruf bleibt erfolglos. Zurück ihm Gerichtssaal, muss sie die Verhandlung ohne die wichtigste Zeugin fortsetzen.

          Kurz zuvor hat der 47 Jahre alte Mann auf der Anklagebank die Vorwürfe komplett von sich gewiesen. Gegen den Strafbefehl, 120 Tagessätze zu je 30 Euro, hatte er Einspruch eingelegt – der Grund, warum es überhaupt zu einer Gerichtsverhandlung kommt. Im ganzen Leben sei er nicht auf einem Polizeirevier gewesen. Die junge Frau, die er belästigt haben soll, kenne er nicht, auch nicht als Fahrgast. Der Anklage zufolge soll er sie jedoch in der Nacht vom 27. auf den 28. Januar 2019 in Frankfurt nach Hause gebracht haben.

          „Geld ist nicht alles“, habe er nach dem Bezahlen gesagt und einfach nicht am eigentlichen Fahrtziel der Studentin angehalten, ihrer Wohnung. Stattdessen sei er auf die Autobahn 66 gefahren und habe die Ausfahrt Richtung Nidda-Park genommen. Dort sei er sehr langsam auf den Straßen entlang gerollt, die um den Park herumführen und habe die junge Frau innen am Oberschenkel gestreichelt. „Ich brauche eine Frau“, soll er dabei gesagt haben. Auch als sie ihn mehrmals aufgefordert habe, das zu lassen, und versuchte, seine Hand wegzudrücken, habe er weitergemacht. Schließlich soll er wieder das Zuhause der Studentin angesteuert haben, auf der Fahrt dorthin habe er ihr abermals an den Oberschenkel gefasst und sie gefragt, welche sexuellen Praktiken ihr gefielen, so die Staatsanwältin. Gegen 2.40 Uhr soll er sie dann an ihrem ursprünglichen Fahrtziel herausgelassen haben.

          Nummer ins Handy eingespeichert

          „Ich habe so Angst“, schrieb die junge Frau wohl kurz danach ihrer Schwester auf Whatsapp. Den Chat liest die Richterin vor: „Ich dachte, der will mich vergewaltigen.“ Der Polizeibeamte, der die Anzeige aufgenommen hat, berichtet als Zeuge, dass die Frau schon während der Fahrt Kontakt zur Schwester habe aufnehmen wollen. Doch der Beschuldigte habe ihr das Smartphone aus der Hand genommen und seine Nummer eingespeichert. Sein Whatsapp-Profilbild sei für die Ermittlungen genutzt worden.

          Der damalige Chef des Angeklagten, ebenfalls als Zeuge geladen, zeigt der Richterin die Daten, die in seiner App für die besagte Nacht abgespeichert sind. Zwischen einer sechsminütigen Fahrt eine halbe Stunde vor Mitternacht und einer um kurz vor drei Uhr, die zwölf Minuten gedauert hat, wurde kein Auftrag erfasst. Es ist genau der Zeitraum, in dem die Tat stattgefunden haben soll. Da das Taxi über die Zentrale gerufen wurde, sollte die Fahrt eigentlich in der App vermerkt sein. Es bleiben also Fragen. Der Prozess wird daher in drei Wochen fortgesetzt.

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