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Frankfurter Bühnen : „Keine Architekten-Egotrips bei Oper und Schauspiel“

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Das Frankfurter Kulturdezernat will die Theater-Doppelanlage am jetzigen Standort am Willy-Brandt-Platz belassen. Bild: Frank Rumpenhorst

Sanierung oder Neubau mit Prestige: Die Meinungen zur Zukunft der Städtischen Bühnen Frankfurt klaffen auseinander. Warum die Stadt private Investoren tunlichst vermeiden möchte.

          Ob Sydney, Valencia oder Hamburg – Städte, die für einen Prestigebau ihres Opernhauses tief in die Tasche gegriffen haben, gibt es auf der ganzen Welt. Geht es nach Martin Wentz, Gründer der Bürgerstiftung Neue Oper, folgt Frankfurt genau diesen Beispielen. „Ein vernünftiger Neubau auf einem ungestörtem Gelände wäre genau das Highlight, das die wachsende Stadt braucht“, sagte der ehemalige Frankfurter Planungsdezernent am Donnerstagabend bei einer Podiumsdiskussion in der Industrie-und Handelskammer (IHK).

          Wo ein solcher Prestigebau stehen soll, ist für Wentz ebenfalls klar: Am Osthafen, auf dem bisherigen Raab-Karcher-Areal an der Honsellbrücke. „Das Ostend ist gut angebunden und entwickelt sich ohnehin rasant. In zehn Jahren ist dort die Innenstadt“, sagte Wentz. Den passenden architektonischen Entwurf lieferte seine Stiftung gleich mit. Eine Animation, die diese Zeitung im Februar veröffentlichte, zeigt einen großzügigen Kubus mit Glasfassade und goldenem Schriftzug (siehe Bild). Die Kosten für das Großprojekt, so Wentz Idee, könnten die Stiftung sowie private Investoren übernehmen. Er sei aber auch offen für einen Architektenwettbewerb.

          Kritik am Standort Osthafen

          Michael Guntersdorf erteilte diesen Plänen nun eine klare Absage. Der vom Magistrat eingesetzte Leiter der Stabstelle Städtische Bühnen prüft derzeit die Sanierung der Doppelanlage. „Der Standort am Osthafen ist denkbar ungeeignet. Der Willy-Brand-Platz mit seiner perfekten Anbindung und Lage inmitten der Stadt hingegen kaum zu überbieten.“ Guntersdorf, der außerdem Geschäftsführer der Dom-Römer GmbH ist, will keine „Architekten-Egotrips“, wie zum Beispiel bei der Hamburger Elbphilharmonie. Was private Investoren bei Großprojekten „anrichten“ könnten, sei derzeit etwa am benachbarten Maintor-Quartier auf dem ehemaligen Degussa-Gelände am Flussufer zu sehen: „Eine städtebauliche Katastrophe.“ Die Doppelanlage in der Innenstadt sei nach abgeschlossener Sanierung und Neugestaltung das „richtige Haus am richtigen Ort.“ Die derzeit „eher blockierte“ Rückseite des Ensembles im Süden will Guntersdorf in Richtung Mainufer öffnen.

          Der Architekt und Stadtplaner rückte außerdem von den bisher kursierenden Finanzierungsplänen zur Sanierung ab. Vor etwa drei Wochen hatten Guntersdorf und Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) für die Instandsetzung der Häuser knapp 500 Millionen Euro angesetzt. In einer Machbarkeitsstudie von 2017 waren Kosten von bis zu 900 Millionen aufgeführt. Eine neue Summe wollte Guntersdorf nicht nennen. In etwa drei bis vier Monaten lege ein abschließender Bericht handfeste Zahlen offen. Er mahnte an, dass „kein Geld mehr für die Subventionierung von Oper und Schauspiel“ bliebe, wenn die Kosten aus dem Ruder liefen.

          Ein Entwurf des Projektentwicklers Martin Wentz für den Neubau der Frankfurter Oper.

          Martin Wentz warf Guntersdorf Polemik vor. Seine Stabstelle schaffe „Denkverbote“. Die geplante Sanierung und die damit einhergehende zeitweise Auslagerung der Werkstätten und Bühnen sei ein „heilloses Unterfangen“ und ein „Rattenschwanz“. Er betonte: „Nur ein Neubau garantiert den reibungslosen Spielbetrieb ohne Qualitätsverlust und Abwanderung des Publikums.“

          Schlechte Erfahrungen mit Großprojekten

          Bernd Loebe, Intendant der Frankfurter Oper, teilt diese Sorge. Er erinnerte an die „chaotische“ Auslagerung der städtischen Bühnen in Köln. Dort musste die Oper im Zuge eines Neubaus auf das Messegelände ausweichen: „Dem Haus läuft das Publikum weg.“ Den Willy-Brandt-Platz hält Loebe als Standort für „75 Prozent ideal.“ Seine Befürchtung: „Die Bühnen beschäftigen 1200 Menschen. Die dürfen auf keinen Fall in Containern in Fechenheim landen.“

          IHK-Präsident Ulrich Caspar sprach sich für eine private Finanzierung der neuen Bühnen aus. „Das Vorhaben sollte nicht durch die öffentlichen Hand, sondern von der Privatwirtschaft erstellt werden.“ Der ehemalige Landtagsabgeordnete der CDU rief dem Publikum die „schlechten Erfahrungen“ beim Berliner Flughafen ins Gedächtnis. Die Stadt solle „nur Rahmenbedingungen“ für private Bauherren festlegen. Er stelle sich beispielsweise die Entwicklung eines großen Areals vor, auf dem auch Büros, Hotels und Wohnungen entstehen könnten.

          Die Zeit drängt

          Einen weiteren Vorschlag brachte Martin Wentz ins Spiel: Die Sanierung des Hauses aus dem Jahre 1963 sowie einen gegenüberliegenden Neubau für das Schauspielhaus auf Höhe des Euro-Zeichens an der Wallanlage. Dadurch entstünde eine „Kulturmeile und ein richtiger Theaterplatz“, so Wentz. „Für diese Idee habe ich aber bereits Prügel erhalten, der Vorschlag wurde regelrecht zerpflückt. Deshalb ziehe ich mich in Demut zurück.“

          Kritik musste sich Martin Wentz auch vom Frankfurter Architekten Christoph Mäckler anhören, der im Publikum saß. „Ein Großbau beginnt mit einem Ort und nicht andersherum.“ Ein Vergleich des Entwurfs der Stiftung mit der Hamburger Elbphilharmonie verbitte er sich. „Für ein wirklich repräsentatives Gebäude kommt nur ein Architektenwettbewerb in Frage“, meinte er.

          Matthias Alexander, Ressortleiter dieser Zeitung und Moderator des Abends, wollte von den Diskussionsteilnehmern wissen, wo die städtischen Bühnen im Jahr 2025 stehen. Martin Wentz sagte: „Eine neue Oper könnte da schon längst stehen. Schnelle Entscheidungen sind von der Stadt aber leider nicht zu erwarten.“ Opernintendant Bernd Loebe treibt zudem die Sorge: „Je mehr Zeit vergeht, desto größer ist die Gefahr von fehlenden Ersatzteilen und einem gestörten Spielbetrieb. Von Jahr zu Jahr wird die Wahrscheinlichkeit größer, dass es irgendwann heißt: Vorhang runter.“

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