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„Frankfurt schreibt“ : So schreibt man’s fehlerfrei

Stimmen zum Spiel: Nach dem Diktat berichten Moderatorin Bärbel Schäfer und Radiokollege Tim Frühling von ihren Erfahrungen. Marita Peter, im Vorjahr Drittplatzierte in der Schülerkategorie, führt das Interview. Bild: Wolfgang Eilmes

Das Diktat ist vorbei, die Sieger gefunden und der Rotstift wieder eingepackt. Lesen Sie hier die Auflösung. Was hätten Sie gewusst?

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          Bevor das Diktat beginnt, lautet die Devise: tiefstapeln. So richtig viel habe man ja nicht geübt, ist unter den rund 150 Schülern, Lehrern und Eltern in der Aula der Schillerschule allenthalben zu hören. Auch ganz vorne, wo die Prominenten sitzen, lässt Radiomoderator Tim Frühling vorsichtshalber wissen, dass sein letztes Diktat schon sehr lange zurückliege. Und Hans Sarkowicz, im Hessischen Rundfunk für Kultur und Wissenschaft verantwortlich, versucht etwaigen Enttäuschungen mit der Prophezeiung vorzubeugen, mindestens 20 Fehler allein bei der Zusammen- und Getrenntschreibung zu machen. HR-Kollegin Bärbel Schäfer fühlt sich an ihre Schulzeit erinnert: „Wie früher vor der Mathe-Arbeit!“ Da seien diejenigen, die am lautesten gejammert hätten, am Schluss mit den Einsen nach Hause gegangen.

          Matthias Trautsch

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Um Noten geht es bei „Frankfurt schreibt“ zwar nicht, und Fehler sind keine Schande, da sie in dem enorm anspruchsvollen Diktat sowieso jedem unterlaufen. Doch eine ordentliche Portion Ehrgeiz ist schon dabei, wenn es gilt, immerhin einen orthographischen Fauxpas weniger aufs Papier zu bringen als die Nachbarn zur Linken und Rechten. Das wird deutlich, als Brigitte Bergmann zum Diktat anhebt. Die Lehrerin, in ihrer Kategorie Gewinnerin des Landesfinales 2013, liest diesmal vor. In der Aula herrscht erwartungsvolle Stille, auch in der ersten Reihe macht sich Anspannung breit.

          Samstag morgens oder samstagmorgens?

          „Wie so häufig samstagmorgens“, beginnt das Diktat, und schon das vierte Wort stellt die Teilnehmer auf die erste Probe. Frühling schreibt „Samstag morgens“, während sich Schäfer für klein und zusammen entscheidet. Damit liegt sie richtig: Die Verbindung von Wochentag und Tageszeitangabe wird meist zusammengeschrieben. Allerdings ist bei einem vom Wochentag abgeleiteten Adverb die Getrenntschreibung korrekt: samstags morgens.

          Sarkowicz erwischt es zum ersten Mal bei den „kühlen Schatten spendenden Platanen am Schaumainkai“. Er schreibt „schattenspendend“, also klein und zusammen, was in anderen Satzkonstruktionen auch richtig wäre. Zum Beispiel, wenn die Verbindung als Ganzes erweitert oder gesteigert wird wie in „äußerst schattenspendend“. Wenn aber nur das erste Element erweitert wird, wie in diesem Fall mit „kühlen“, geht es danach getrennt weiter.

          Kein Pappenstiel

          2012 hat die Stiftung Polytechnische Gesellschaft den Rechtschreibwettbewerb erstmals ausgerichtet. Aus Freude an der Sprache und am sportlich-heiteren Umgang mit ihr, wie der Stiftungsvorsitzende Roland Kaehlbrandt sagt. Jahr für Jahr ist der Wettbewerb gewachsen, ein hessisches Landesfinale wurde eingeführt, und jetzt haben parallel zu den Frankfurtern auch Schüler, Eltern und Lehrer in Hamburg und Osnabrück mitgeschrieben. Die regionalen Sieger sollen im Mai beim Finale des „Großen Diktatwettbewerbs“ im Frankfurter Goethe-Gymnasium aufeinandertreffen.

          Dann haben sie es vermutlich mit einem Text zu tun, der nicht ganz so viel Lokalkolorit enthält wie der vom Donnerstagabend. Wobei nicht gesagt ist, dass einheimische „Pfiffikusse“ und „Koryphäen“, die auf dem Flohmarkt am Schaumainkai regelmäßig „Amethysten für einen Pappenstiel einheimsen“, zwangsläufig wissen müssen, wie das alles zu schreiben ist. Um beim Pappenstiel zu bleiben: Dieser hat nichts mit „Stil“ zu tun, sondern leitet sich ab vom Stiel der Pappen- oder Pfaffenblume, deren leicht abzublasender Samenstand als Sinnbild des Vergänglichen und Geringfügigen galt.

          Dass man sich auf solche sprachgeschichtlichen Herleitungen nicht unbedingt verlassen kann, zeigt die vom Duden vorgegebene Schreibweise „Quäntchen“. Das Wort stammt von „Quent“, einem alten deutschen Handelsgewicht, ab und wurde deshalb mit „e“ geschrieben. Während unter anderen die F.A.Z. weiter dieser Logik folgt, greift die offizielle Orthographie inzwischen zum „ä“ - mit der Begründung, die inhaltliche Nähe zu „Quantum“ gebiete dies.

          Weil „Frankfurt schreibt“ kein Quentchen, also keine 1,67 Gramm vom Duden abweicht, steht das Wort im Diktattext (siehe Kasten unten) mit einem „ä“, in der Überschrift dieses Textes aber mit einem „e“. Das macht die Sache zwar noch komplizierter, ist zugleich aber ein gutes Beispiel dafür, dass Rechtschreibregeln keine Naturgesetze sind, sondern von Menschen geschaffene Konventionen.

          Als echte Koryphäe solcher Konventionen erweist sich am Donnerstagabend Regina Klimmek von der Liebigschule. Ihr unterlaufen nur zwei Fehler, womit sie nicht nur zur Siegerin in der Eltern-Kategorie, sondern auch zur Rekordhalterin im Diktatwettbewerb wird. Bei den Lehrern gewinnt Julia Mikus von der Schillerschule mit fünf Fehlern, bei den Schülern gibt es ein Siegerduo von der Freien Christlichen Schule: Anna Becker und Sarah Kono teilen sich mit jeweils nur neun Fehlern den ersten Platz.

          Vielleicht fehlte lediglich ein Quentchen Glück, und Klimmek wäre ein perfektes Diktat gelungen: Die Fehler passierten der Mutter von der Liebigschule ganz am Anfang des Textes. Statt für „allerart“, das als unbestimmtes Zahlwort wie „allerlei“ zusammen- und kleingeschrieben wird, entschied sie sich für „aller Art“. Und statt „ferne“ schrieb sie „Ferne“, obwohl in festen adverbialen Wendungen aus Präposition und artikellosem, nicht dekliniertem Adjektiv die Kleinschreibung gilt.

          Andererseits: Hätte die Mutter von der Liebigschule gar keine Fehler gemacht, dann hätte sie vermutlich auch nichts gelernt. So sieht es jedenfalls Bärbel Schäfer, die sich im internen HR-Moderatoren-Duell geschlagen geben muss. Während Tim Frühling auf nur zwölf Fehler kommt, landet Schäfer knapp über dem Durchschnittswert von 17 Fehlern. Die Fernsehfrau trägt es mit einem Quantum Sportsgeist und einem Quentchen Weisheit: „Nur die Niederlagen halten Lehren bereit“, meint sie - und benennt gleich ihre persönliche Lehre: Bei Gelegenheit wieder einmal in den Duden zu schauen.

          So ist es richtig: Das Diktat des Frankfurt-Finales

          Herzlich willkommen auf der Flaniermeile! Wie so häufig samstagmorgens, zuweilen bereits eine Dreiviertelstunde vor neun, wenn die Buden mit allerart Tinnef beim Flohmarkt unter den kühlen Schatten spendenden Platanen am Schaumainkai öffnen, sieht man schon von ferne Heerscharen Neugieriger herbeiströmen.

          Hier gibt es das Sowohl-als-auch - für diejenigen, die etwas Außergewöhnliches zum Betrachten favorisieren, wie auch für ebenjene, die Authentisch-Historisches wertzuschätzen wissen. Weder Nigelnagelneues noch längst Lädiertes wird einfach weggegeben, sondern alles größten Gewinn bringend feilgeboten. Nichtsdestoweniger gibt es ein paar sehr zeitraubende, aber hohe Kosten sparende Tipps, um den Preis herunterzuhandeln, ohne sich kaputtzumachen. Als Koryphäe kann man so wertvolle Amethysten für einen Pappenstiel einheimsen.

          Mit Wortgewandtheit und einem Quäntchen Glück kann jeder Pfiffikus des Weiteren todschickes Mobiliar zu einem unwiderstehlichen Preis-Leistungs-Verhältnis ergattern. Aber selbst wer naseweis herumkrakeelt, erhält im Übrigen nichts unentgeltlich. Wer wider Erwarten leer ausgeht, besucht eine der renommierten Galerien nahe dem Sachsenhäuser Ufer. Der in den Achtzehnhundertsechzigern erbaute Eiserne Steg führt zum gegenüberliegenden Mainufer. Von den flussauf und -ab manövrierenden Touristenschiffen, des Abends mit Hilfe (oder: mithilfe) von Elektrolytkondensatoren mit der Kapazität von einem Farad erleuchtet, hat man einen Blick ohnegleichen. In Frankfurt ist die Atmosphäre alles außer gewöhnlich!

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