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Frankfurt-Sachsenhausen : Ein Ort zum Fremdschämen

55 von 130 Häusern saniert

Die Zwischenbilanz scheint auf den ersten Blick erfolgreich. Von den etwa 130 Häusern im Kern des Stadtteils sind 55 saniert worden. Außerdem wurden vier Neubauten mit 34 Wohnungen errichtet. Die Stadt investiert die Aufwertung des öffentlichen Raums. Die Große und die Kleine Rittergasse, die Klappergasse und die Paradiesgasse wurden neu gepflastert, sechs Brunnen sind teilweise neu gestaltet und beleuchtet. Aber was hilft das, wenn sich schwer alkoholisierte Männer immer wieder in die hübschen Brunnen übergeben?

Die Stadt hat es in der Regel mit privaten Eigentümern zu tun, die eher an den Betreiber einer lukrativen Disko als an eine Galerie vermieten. Die Umwandlungsprämie, mit der die Stadt die Wirte zur Rückgabe ihrer Konzession bewegen möchte, wird kaum abgerufen. Die Gebäudesubstanz ist teilweise durch Vernachlässigung und mangelnde Instandhaltung durch die Eigentümer so weit geschädigt, dass nur umfangreiche Sanierungen helfen können. Das ist kostspielig, und die städtische Förderung allein reicht oft nicht aus, um die Gebäude zu retten und historische Elemente vor dem Verfall zu bewahren. Die Zeit wird knapp. „Zeit ist das, was wir am wenigsten haben, wenn wir das, was heute noch vorhanden ist, erhalten wollen“, heißt es in einem Konzept des Planungsdezernats.

Es gibt Hoffnungsschimmer. An der Großen Rittergasse am zum Mainufer gelegenen Eingang des Viertels hat die Stadt den Frankensteiner Hof mit Sozialrathaus und Bürgeramt saniert. Der Komplex wurde komplett modernisiert, die Erdgeschosszone entlang der Paradiesgasse geöffnet, drei Künstlerateliers sind entstanden. Der Architekt Jo Franzke hat auf dem Platz davor ein sehenswertes Wohngebäude mit drei steilen Giebeln entworfen.

Platz für gutes Spieselokal und Wohnungen

Und auf der gegenüberliegenden Platzseite wird in diesem Jahr mit der Sanierung des Kuhhirtenturms begonnen. Für 800.000 Euro will die Stadt den Turm, in dem der Komponist Paul Hindemith von 1923 bis 1927 lebte und arbeitete, in den Originalzustand zurückversetzen. Die Paul Hindemith-Stiftung wird im Turm anschließend eine Ausstellung zum Leben und Werk des Komponisten präsentieren und unter der Dachhaube einen kleinen Kammermusiksaal einrichten. „Das wird ein schöner ruhiger Platz mit Brunnen“, hofft Franzke.

Keine hundert Meter entfernt arbeitet die Stadt an der Paradiesgasse an einem vielversprechenden Projekt. Sie möchte den leerstehenden Paradieshof an der Paradiesgasse kaufen und kulturell nutzen. Ein gutes Speiselokal, Café und Wohnungen könnten ebenfalls Platz finden. Der Eigentümer verlangt dem Vernehmen nach aber mit 1,2 Millionen Euro einen stolzen Preis für die heruntergekommene Immobilie. Das Kulturdezernat schmiedet noch an den Plänen. Die „Fliegende Volksbühne“ von Michael Quast könnte hier etwa einziehen, heißt es aus dem Dezernat. Das wäre ein großes Stück Bodengewinn im langen Kampf gegen den schlechten Geschmack.

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