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Restaurant in der Altstadt : Ein zünftiges Wirtshaus für den Hühnermarkt

Neues aus der Altstadt: In die beiden Häuser am östlichen Rand des Hühnermarkts zieht ein Restaurant ein. Bild: Wonge Bergmann

Hessische Küche, nicht nur für Touristen: Die Gastronomen-Familie Zarges hat den Zuschlag für das große Restaurant in der neuen Altstadt erhalten. An anderer Stelle geht es dagegen nicht weiter.

          Am Zwerchhaus auf dem Dach des Hauses „Zur Flechte“ prangt in weißer Schrift auf blauem Putz ein frecher Spruch: „Frankfurt liegt am Mainesstrand, am Rheinesstrand liegt Wesel. Zum Bessermachen gehört Verstand, kritisieren kann jeder Esel.“ So wappnet sich die Altstadt schon jetzt gegen Architekturkritik. Die ersten Gerüste fallen, und was sie preisgeben, ist handwerklich gut gemacht: Die Neubauten Markt 38 und 40 der Architekten Marc Jordi und Michael Landes markieren den Auftakt am Krönungsweg. Auch die beiden Rekonstruktionen Rebstockhof und Braubachstraße21 sowie der Neubau mit der Hausnummer 23 zeigen schon ihre Fassaden. Und am Hühnermarkt sind das rekonstruierte Haus „Zur Flechte“ und seine beiden neuen Nachbarn von außen schon fast fertig.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Dort, in den Häusern Markt 16 und 18 an der Ostseite des Hühnermarktes, wird im Erdgeschoss und ersten Obergeschoss ein großes Wirtshaus mit 180 Plätzen einziehen, das der Frankfurter Gastronom Hans-Peter Zarges und seine Familie betreiben werden. Der Aufsichtsrat der Dom-Römer-GmbH ist am Montag dem einstimmigen Vorschlag eines Auswahlgremiums gefolgt. Sieben Bewerber standen zuletzt noch in der engeren Wahl. Der Frankfurter Betrieb überzeugte das Auswahlgremium, dem Stadtverordnete und Vertreter der Dom-Römer-GmbH angehören, mit dem besten Konzept: regionale Gerichte im mittleren Preissegment.

          Auch die normale Bevölkerung soll angesprochen werden

          Zarges betreibt auch ein gleichnamiges Restaurant an der Freßgass’. Anders als dort soll sich das Restaurant in der Altstadt aber an eine größere Zielgruppe wenden: „Hochwertiges zu erschwinglichen Preisen“, verspricht Hans-Peter Zarges. Die Hauptgerichte in seinem „hessischen Wirtshaus für Jedermann“ sollen weniger als 20Euro kosten, die Einrichtung soll „zünftig“ sein.

          Das Konzept hat auch Michael Guntersdorf überzeugt. Der Geschäftsführer der Dom-Römer-Gesellschaft legt Wert darauf, dass in dem Restaurant nicht nur Reisegruppen verköstigt werden. „Es sollen nicht nur Touristen angesprochen werden, sondern die ganz normale Bevölkerung.“ In den beiden Gebäuden wird es unterschiedliche Angebote geben: links das Restaurant mit, so Guntersdorf, „ganz normalem Essen“, rechts ein Bistro mit kleineren Gerichten. Von 10 bis 23 Uhr soll die Gastronomie am Hühnermarkt geöffnet sein. Zarges erhält einen Mietvertrag über zehn Jahre, der zweimal um fünf Jahre verlängert werden kann. Der Mietpreis von 30 Euro je Quadratmeter im Erdgeschoss, im Obergeschoss etwas weniger, ist relativ günstig, weil Zarges die Räume im Rohbau übernimmt und selbst ausbaut.

          Noch wird das Gebäude hergerichtet, Handwerker kleben mit Teer die Wärmedämmung an die Fassade. Auf dem Hühnermarkt türmen sich Paletten mit Baustoffen, in der Mitte steht ein roter Kran. Das Restaurant wird nicht das einzige gastronomische Angebot in der Altstadt sein. Wer die vier Cafés betreiben wird, eines davon in der „Goldenen Waage“, soll das Auswahlgremium im Mai entscheiden. Die übrigen 35Gewerbeflächen werden anschließend vergeben, spätestens bis August. Schon jetzt ist klar, dass es in der Altstadt eine Apotheke, einen Metzger und einen Feinkostladen geben wird.

          „Die Schirn ist doch auch ganz schön“

          Wer heute über die Baustelle geht, dem schwirrt schnell der Kopf: Überall dröhnt und hämmert es. Die meisten Altstadthäuser werden schon von innen ausgebaut, verbergen sich aber noch hinter Gerüsten. Wenn auch diese Gebäude fertig sind, soll es mit den vielen Baustellen in der Altstadt erst einmal ein Ende haben. Der Aufsichtsrat hat beschlossen, dass der westliche U-Bahn-Eingang, anders als vom Gestaltungsbeirat empfohlen, vorerst nicht mit einem Wohnhaus überbaut wird. Die fertige Altstadt soll zunächst hergerichtet und begutachtet werden. Erst dann wollen sich die Stadtverordneten ein Urteil darüber bilden, ob zwischen den Häusern am Krönungsweg und der Schirn ein weiteres Gebäude entstehen soll.

          Es wäre ohnehin ein Nachzügler gewesen. Erst relativ spät hatte Guntersdorf den Gestaltungsbeirat um seine Meinung zu dem Thema gebeten, weil ihm der offene U-Bahn-Abgang städtebaulich nicht behagt. Er meint, dass die Treppen und Rampen kein einladender Anblick sind, zumal an ihnen vorbei muss, wer die Altstadt vom Römerberg aus betritt. Die Grünen sehen jedoch keinen Zeitdruck: Wolfgang Siefert, der für die Fraktion im Dom-Römer-Ausschuss sitzt, will die Entscheidung über ein weiteres Gebäude über dem U-Bahn-Abgang vertagen. „Die Schirn ist doch auch ganz schön“, meint er. Außerdem müsse zunächst der Baugrund untersucht werden. Und die Bürger hätten genug von den vielen Baustellen.

          Auch die meisten Dächer sind schon gedeckt. Vom Belvederchen auf der „Goldenen Waage“ fällt der Blick auf viele spitze Giebel. „Das wirklich Interessante sind die Dachlandschaften“, sagt Projektleiter Thomas Geipel, bei dem die Fäden zusammenlaufen. Er arbeitet im Architekturbüro Schneider und Schumacher, das die Bauleitung der Neubauten übernommen hat und die Arbeiten auf der engen Baustelle koordiniert. „Die Arbeiten auf dem Dach sind hochkompliziert, da könnte ich Romane erzählen“, sagt Geipel. Er tut es leider nicht. Aber ein Blick von oben genügt, und man glaubt ihm.

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