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Frankfurt : Pokerspiele auf der Rennbahn

  • -Aktualisiert am

Im Blick: Vom chinesischen Hotel aus schauen die Gäste in einigen Jahren auf die DFB-Akademie und einen Park. Bild: Wonge Bergmann

Golfer, Pferdetrainer, Rennklub: Alle, die für den DFB weichen müssen, wollen ihren Abschied möglichst teuer machen. Die Stadt Frankfurt steht unter Zeitdruck - und muss gut verhandeln.

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          Wenn am Freitag die Sitzung des Magistrats vorbei ist, dürfte die Stadt ein großes Stück weiter sein. Gleich drei Vorlagen wollen die Stadträte in ihrer Sitzung beschließen, um eines der größten unbebauten Areale der Stadt neu zu gestalten: jene 38 Hektar in Sachsenhausen, auf denen sich zurzeit die einzige hessische Galopprennbahn samt integriertem Neun-Loch-Golfplatz befindet.

          Was die Kommune auf dem Areal für die Zeit nach 2015 plant, ist bekannt: Auf einem 15 Hektar großen Teil soll der Deutsche Fußballbund (DFB) von 2016 an ein neues Leistungszentrum errichten. Auf weitere fünf Hektar hat er sich zudem ein Anrecht gesichert. Für einen 99 Jahre laufenden Vertrag zahlt der größte Sportverband der Welt an die Stadt rund 6,8 Millionen Euro Erbpacht auf einen Schlag. Auf weiteren gut neun Hektar will die Stadt einen Freizeit- und Sportpark einrichten, außerdem bleiben knapp neun Hektar geschützter Wald, der aber betreten werden darf.

          Pferdetrainer möchte Abfindung von der Stadt

          Wilfried Kujath weiß von all dem nur aus der Zeitung. Das findet der Mann, der seit 1989 Pferde auf der Rennbahn trainiert, nicht so schön. Mit ihm und den drei anderen Trainern hat noch niemand gesprochen. Dabei trifft sie ein Ende des traditionsreichen Renn- und Trainingsbetriebs besonders. „Wenn das Gelände demnächst umgegraben wird, haben meine Tiere und ich da nichts mehr zu suchen“, sagt Kujath. Köln und Iffezheim bei Baden-Baden wären die nächstgelegenen Ersatzstandorte, aber Kujath weiß noch nicht, wo es für ihn weitergeht.

          Dass die Trainer gehen müssen, ist abgemacht. Nur zu welchen Bedingungen, das steht nicht fest. Kujath hofft auf ein rasches Gespräch mit städtischen Verantwortlichen, kampflos will er keinesfalls weichen. „Ich weiß noch nicht, ob die meine Pferde und mich am Ende wegtragen müssen.“ Er findet, einem Mann, der immer brav seine Gewerbesteuer und alle Abgaben entrichtet hat, steht Hilfe zu - „eine angemessene Abfindung für den Umzug“.

          Rennbahn bekommt drei Millionen von der Stadt

          Rechtlich sieht es wohl schlecht aus für die Trainer. Denn mit der Insolvenz eines früheren Rennbahn-Betreibers vor sechs Jahren, mit dem sie ihre Verträge geschlossen hatten, sind die alten Kontrakte hinfällig. Und neue Mietverträge für den Trainingsbetrieb haben sie nicht, wie Kujath zugibt. Die Lage sei „ein bisschen verzwickt“. Die drei Kollegen und er wollen nun prüfen lassen, ob sich aus der langen Duldung ohne einen gültigen Vertrag irgendeine Art von Anspruch gegenüber der Stadt ableiten lässt.

          Nicht nur die Trainer pokern. Alle tun es. Spätestens, seit sie wissen, dass ihre Zeit auf dem Areal begrenzt ist. Der bisherige Pächter der Galopprennbahn, die Hippodrom GmbH, hat schon ausgespielt. Nach langer Verhandlung wird er demnächst 2,98 Millionen Euro von der Stadt bekommen. Das Geld fließt für alle Anteile an der GmbH, die die Stadt Frankfurt übernimmt, aber auch für die Investitionen, die die Hippodrom auf der Bahn getätigt hat. Berücksichtigt wurden ferner ausstehende Pachtzahlungen an die Stadt, die den Betrag verringert haben. Um die ganze Summe zu bekommen, muss der bisherige Hippodrom-Hauptgesellschafter Manfred Hellwig aber seine Investitionen noch mit Rechnungen belegen.

          Golf-Klub pokert mit

          In den Poker eingestiegen ist jetzt der Golf-Klub. Seine Situation ist ebenfalls kompliziert. Denn der Klub ist Untermieter der Hippodrom GmbH, die bisher in privater Hand war. Eine direkte Geschäftsbeziehung zur Stadt haben die Golfer bisher nicht gehabt. Weil vor der Übernahme der Anteile durch die Stadt außerdem der Mietvertrag zwischen der Kommune und der Hippodrom GmbH aufgelöst wurde, vertreten manche in der Stadt die Ansicht, damit fehle auch die Grundlage für einen weiter gültigen Untermietvertrag. Es sei deshalb „wenig sinnvoll, viel dafür zu zahlen, dass die Golfer das Gelände verlassen“, heißt es. Der Vertrag des Golf-Klubs läuft nach eigenen Angaben noch bis 2024 und kann danach einseitig dreimal um jeweils fünf Jahre verlängert werden.

          Das Planungsdezernat verhandelt nach eigenen Worten ohnehin schon mit dem Klub. Ziel sei „eine konsensuale Lösung“. Die ist für die Stadt auch deshalb wichtig, weil sie sich einen langen Rechtsstreit nicht erlauben kann, will sie das Areal Anfang 2016 dem DFB sozusagen besenrein übergeben. Bis auf die Tribüne muss der Fußballbund dort alle Gebäude auf eigene Kosten abreißen.

          Auf ein Gespräch hofft auch Dirk Hempelmann vom Investor Huarong. Die Chinesen werkeln seit 2008 an einem Fünf-Sterne-Hotel direkt an der Rennbahn. Das rund 60 Millionen Euro teure Gebäude mit gut 220 Zimmern soll Ende 2015 endlich fertig sein. Mit Erstaunen hat Hempelmann nun erste Skizzen zur Neugestaltung des Areals gesehen. „Das, was da als bebaubare Fläche gekennzeichnet ist, begrenzt die Aussicht von der Terrasse und den oberen Stockwerken doch erheblich.“ Er sehe „Diskussionsbedarf“, schließlich habe sich Huarong auch wegen der tollen Lage mit Blick auf die Galopprennbahn und der Möglichkeit für die Gäste, dort Golf zu spielen, einst für das Projekt entschieden. „Ob wir das unter den gegebenen Umständen wieder machen würden, kann ich nicht sagen.“ Die Stadt reagiert darauf gelassen. Der Sprecher des Planungsdezernats sagt: „Der Park und die DFB-Akademie wiegen für die Hotelgäste sicher schwerer als sieben Renntage im Jahr und die Möglichkeit, Golf zu spielen.“

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