https://www.faz.net/-gzg-9yftp

Ostergottesdienst im Garten : Tröstende Trompeten

  • -Aktualisiert am

Frischluft: Gottesdienst im Garten und auf der Terrasse des Alten- und Pflegeheims Anlagenring in Frankfurt. Die Pfarrerin ist auf dem Foto nicht zu sehen Bild: Ulrike Jefcoat

Wegen der Corona-Pandemie dürfen Gläubige weder in einer Kirche noch in einem Pflegeheim einen Gottesdienst feiern. Eine Pfarrerin hat die Bewohner eines Frankfurter Altenheims deshalb im Garten des Hauses begrüßt.

          1 Min.

          Es ist ein außergewöhnlicher Ostergottesdienst, der an diesem Montag im Alten- und Pflegeheim Anlagenring zelebriert wird. Wegen der Corona-Pandemie sind nicht nur Messen mit Gläubigen in Kirchen untersagt, sondern es gilt auch ein Besuchsverbot für Pflegeeinrichtungen. Deshalb feiert Pfarrerin Susanne Bei der Wieden von der Evangelisch-Reformierten Gemeinde das Osterfest mit den Senioren nicht wie üblich im Haus, sondern sie spricht im Garten des Heimes – während die Bewohner in ausreichendem Abstand auf den Balkonen und der Terrasse sitzen.

          „Es ist sehr wichtig, dass wir uns an die Vorschriften halten und Abstand wahren“, sagt Bei der Wieden. Das Bedürfnis der Gläubigen nach Gottesdiensten sei zugleich aber „riesengroß“. Besonders in den Alten- und Pflegeheimen litten die Menschen unter den Besuchsbeschränkungen. Jedoch sei es in diesen schweren Zeiten auch nicht einfach, die Osterbotschaft zu predigen. Denn wie passe das zusammen – Jesus, der doch letztlich den Tod besiegt habe, und „diese Zeit, in der der Tod so allmächtig geworden ist“?

          F.A.Z.-Newsletter „Coronavirus“

          Die ganze Welt spricht über das Coronavirus. Alle Nachrichten und Analysen über die Ausbreitung und Bekämpfung der Pandemie täglich in Ihrem E-Mail-Postfach.

          Bitte beachten Sie unsere Datenschutzhinweise.

          Die Pfarrerin wählt eine Stelle aus dem Lukasevangelium, in der die Jünger an der Auferstehung Jesu zweifeln. „Sie reden sich noch gemeinsam ihre Angst von der Seele“, erkennen Jesus nicht gleich und nähern sich zögernd der Osterbotschaft. Die Bibelstelle habe einen Bezug zur gegenwärtigen Krise, meint Bei der Wieden: „Bleibe bei uns; denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneigt“, heißt es bei Lukas. So müssten sich auch die Heimbewohner nicht gänzlich alleine und verlassen fühlen: „Christ soll unser Trost sein.“

          „Froh über besondere Abwechslung“

          Diese kleinen Zeichen der Hoffnung werden vom Bläserquartett der Luthergemeinde bekräftigt. Besonders den demenzkranken Senioren könne die Musik Freude bereiten, sagt Heimleiterin Anna Grundel. Die Bewohner des Heims, von denen etwa 30 dem halbstündigen Gottesdienst beiwohnen, sind nach ihrem Eindruck „sehr froh über diese besondere Abwechslung und die aufmunternden Worte dieses Gottesdienstes“.

          Es fügt sich, dass der mittägliche Regenguss erst nach dem Gottesdienst einsetzt, als die Bewohner wieder drinnen sind und die Trompeter ihre Instrumente eingepackt haben. Schon am Ostersonntag haben die Musiker vor dem Altenheim der Budge-Stiftung in Seckbach einige Choräle gespielt. Musik sei besonders jetzt „etwas ganz Schönes für die Leute“, sagt Dietrich Neuhaus vom Posaunenchor „Luther-Brass“. Auch an den nächsten Wochenenden werde man vor den Alten- und Pflegeheimen der Region musizieren, um die Menschen zu erfreuen.

          Topmeldungen

          Mehr als Vater, Mutter, Kind: Frau Kirschey ist 98 Jahre alt und hat Covid-19 im März mit einem leichten Verlauf überstanden. Hier mit Tochter und Urenkelin.

          Zusammenhalt in Corona-Zeiten : Familie ist mehr!

          Seit mehr als neun Monaten hält uns die Pandemie in Atem. Für die Familien werden die Zeiten nicht einfacher. Und die Politik sendet fatale Signale. Ein Essay.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.