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Frankfurt-Ost : Bevor die erste Straßenbahn fährt, droht der Verkehrskollaps

Bild: F.A.Z.

Die Schutthalde unweit der Friedberger Warte läßt keinen Zweifel zu: Die seit Jahren angestrebte Umgestaltung der Friedberger Landstraße rückt näher. Und Trasse auf der Friedberger Landstraße fordert die Planer heraus.

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          Die Schutthalde unweit der Friedberger Warte läßt keinen Zweifel zu: Die seit Jahren angestrebte Umgestaltung der Friedberger Landstraße rückt näher. Der umstrittene Abbruch eines klassizistischen Gebäudeensembles, das zuletzt von einem Bonsai-Zentrum genutzt worden ist, schafft Platz für eine Straßenbahntrasse, die, von der Innenstadt kommend, über die Friedberger Landstraße an der Warte vorbei in Richtung Neubaugebiet Frankfurter Bogen am Rand von Preungesheim geführt werden soll. Im Rahmen des Nahverkehrsprojektes soll zugleich das Umfeld der Warte umgestaltet werden. Während der voraussichtlich zwei Jahre dauernden Arbeiten an einer der Haupteinfallstraßen drohen erhebliche Behinderungen. Verkehrsexperten sehen sogar den Verkehr im Frankfurter Osten zusammenbrechen.

          Bernd Günther

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das Ausmaß der bevorstehenden Veränderungen führten jüngst Vertreter des Stadtplanungsamtes und der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) Bürgern und Stadtteilpolitikern vor Augen, als sie im Ortsbeirat10 (Berkersheim, Bonames, Eckenheim, Frankfurter Berg, Preungesheim) die Planungen vorstellten. So sollen für die 3,5Kilometer lange Strecke nach Angaben von VGF-Planer Andreas Hauser die vorhandenen Gleise der Linie12 auf der Friedberger Landstraße über die Rohrbachstraße hinaus verlängert werden. Auf dem Abschnitt zur Friedberger Warte werde die durchgehend zweigleisig vorgesehene Trasse in der Mitte der Friedberger Landstraße geführt. Die Linie wird von Niederflurbahnen befahren, deshalb seien an den Haltestellen keine Hochbahnsteige notwendig. Bis zum Anschluß der AutobahnA661, wo die Gleise von der Friedberger Landstraße in Richtung Norden abzweigen, könne die Trasse von den bereits verkehrenden Buslinien mitgenutzt werden.

          40.000 Fahrzeuge am Tag

          Dreh- und Angelpunkt der Planungen ist jedoch die Friedberger Warte. Dort soll die Umfahrung aufgegeben werden. Die stadteinwärts und stadtauswärts führenden Fahrspuren werden nach Angaben des Vertreters des Stadtplanungsamtes, Axel Werner, künftig mit den neuen Schienen westlich an der Friedberger Warte vorbeigeführt. Dafür werde mit dem Abriß des Bonsai-Zentrums der erforderliche Platz geschaffen. Diese städtebaulich attraktive Lösung sei bevorzugt worden, weil so die bisher vom Verkehr umfahrene Warte freigestellt und östlich ein neuer Quartiersplatz eingerichtet werden könne.

          Mit dem Abriß eines Gebäudeensembles wird Platz für die Straßenbahn geschaffen

          Angesichts der Bedeutung der Friedberger Landstraße als Ein- und Ausfallstraße im Frankfurter Osten stehen die Verkehrsplaner ob der geplanten Veränderungen vor einer besonderen Herausforderung: So ist auf der Verkehrsachse, die laut Stadt täglich von 40.000 Fahrzeugen befahren wird, die Verkehrssituation ohnehin schon schwierig - führen doch die Sanierungsarbeiten an der Rat-Beil-Straße, wegen der die wichtige Verbindung von der Friedberger Landstraße zum Alleenring teilweise gesperrt ist, sowie die seit vergangenem Herbst wegen einer erhöhten Feinstaub-Belastung eingerichteten Pförtnerampeln auf der Friedberger Landstraße verstärkt zu Stauungen.

          Um die zu erwartenden „erheblichen Verkehrsbehinderungen“ während der Bauphase zu reduzieren und einem Verkehrskollaps im Frankfurter Osten vorzubeugen, stünden die beteiligten Ämter und die Verkehrsgesellschaft bereits in engem Kontakt, sagt Thomas Reinecker von der Straßenverkehrsbehörde. Weil parallel zur Friedberger Landstraße keine geeignete Umleitungsstrecke ausgewiesen werden könne, seien weiträumige Umfahrungen notwendig. Reinecker verweist auf die Anschlußstelle der Autobahn661 nahe der Friedberger Warte. Über die Osttangente könnten Autofahrer nach Norden auf die Eckenheimer oder Eschersheimer Landstraße sowie nach Süden auf die Hanauer Landstraße ausweichen.

          „Kunst am Bau“ notwendig

          Trotzdem werde auf der Friedberger Landstraße „Kunst am Bau“ notwendig sein, sagt Reinecker. Durch Fahrbahnverlegungen müsse gewährleistet werden, daß zwei Fahrspuren in jede Richtung für den Verkehr verfügbar bleiben. Erschwert werde die Situation durch Versorgungsleitungen, die im Untergrund verlegt werden müßten. Angesichts der Schwierigkeiten legen die Planer großen Wert darauf, daß die Straßenarbeiten an der Friedberger Warte nicht beginnen, bevor die Rat-Beil-Straße für den Verkehr freigegeben sei: Das soll laut Baudezernat nächstes Frühjahr der Fall sein. Die bestehenden Pförtner-Ampeln nennt Reinecker indes „vorteilhaft“, könne über sie doch der Verkehrsfluß in die Stadt reguliert werden, allerdings mit der Folge weiterer Staus vor der Stadtgrenze.

          Ursprünglich sollte mit dem Bau der Straßenbahntrasse schon im Herbst begonnen werden, so VGF-Planer Hauser. Doch verzögere sich das Vorhaben wegen der schwierigen Vorbereitungen. Nächstes Jahr müßten sich die Verkehrsteilnehmer jedoch auf die geänderte Situation einstellen, denn bis 2009 soll die Straßenbahntrasse fertiggestellt sein.

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