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Vier Wochen Sperrung : Frankfurt bleibt im Sommer ohne S-Bahn

Stahlstecher: Nächsten Sommer wird im S-Bahn-Tunnel wieder kräftig angepackt – wie hier bei Arbeiten im Januar. Bild: Slesiona, Patrick

Im Sommer 2015 fährt einen Monat lang keine S-Bahn in Frankfurts Innenstadt. Grund ist der Bau eines neuen Stellwerks, das für ein vergrößertes Streckennetz nötig ist.

          Die Nutzer der S-Bahn müssen in den nächsten vier Jahren mit außergewöhnlichen Behinderungen rechnen: Die Deutsche Bahn AG baut in Frankfurt ein neues Stellwerk für den S-Bahn-Tunnel unter der Innenstadt. Vom 25. Juli bis zum 26. August 2015 bleibt deshalb die Strecke zwischen Hauptbahnhof und Mühlberg vollkommen gesperrt. In dieser Zeit sind Sommerferien. Ansonsten werden Weichen und Signale im engen Tunnel in nächtlichen Sperrpausen ausgetauscht. Das haben Bahn und Rhein-Main-Verkehrsverbund am Dienstag bekanntgegeben.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Wie Gisbert Brauner von der DB-Netz erläuterte, ist das 1978 errichtete und über fast vier Jahrzehnte hochbelastete alte Stellwerk in die Jahre gekommen. Es wird für 90 Millionen Euro durch ein neues ersetzt. Die Bahn investiert nach Angaben ihres Konzernbevollmächtigten für Hessen, Klaus Vornhusen, jährlich insgesamt etwa 400 Millionen Euro in ihre hessische Infrastruktur, vor allem in ihre Anlagen im Rhein-Main-Gebiet.

          Künftig mehr und längere S-Bahnen

          Das geplante moderne Stellwerk für den S-Bahn-Tunnel schaffe überhaupt erst die Möglichkeit, die geplante Nordmainische S-Bahn ins Netz zu integrieren, sagte Brauner. Die Bahn bemühe sich, während der Sperrzeiten den S-Bahn-Verkehr so weit wie möglich um die Frankfurter Innenstadt herumzuleiten. Viele S-Bahn-Strecken endeten aber am Hauptbahnhof oder in Frankfurt-Süd. Man arbeite daran, in der City Ersatzverbindungen anzubieten.

          Bei der Vorstellung des neuen Fahrplans hatten RMV und Bahn am Dienstag auch noch gute Nachrichten zu verkünden. Auf den S-Bahn-Linien sollen künftig längere Züge zum Einsatz kommen. Außerdem werden zusätzliche Fahrten zum Flughafen sowie ein Halbstundentakt an Sonn- und Feiertagen von 7.30 Uhr an auf den Linien S1 bis S6 sowie auf den Linien S8 und S9 angeboten. Auch bei den Regionalzügen gibt es mit dem Fahrplanwechsel am Sonntag, 14. Dezember, Verbesserungen. Zwischen Frankfurt und Mainz werde der RMV sein Angebot an allen Wochentagen auf mindestens eine Fahrt je Stunde ausdehnen, kündigte RMV-Geschäftsführer Knut Ringat an.

          Sicherheitsmitarbeiter von 20 Uhr an im Zug

          Die Fahrpreise erhöht der RMV erst zum 1. Januar, im Durchschnitt werden die Tickets um 3,45 Prozent teurer. Dagegen tritt der neue S-Bahn-Vertrag des RMV mit der Bahn schon am 14. Dezember in Kraft. Die Bahn hatte bei der ersten Ausschreibung des S-Bahn-Verkehrs alle drei Lose gewonnen und sich dabei verpflichtet, den Wagenpark zu erneuern. Nun fahren 91 neue S-Bahnen des Typs ET430, und die Wagen des Vorgängermodells ET423 werden allesamt modernisiert. Die alten Wagen des Typs ET420 sind mittlerweile aus dem Verkehr gezogen. Insgesamt investiert der RMV eine Milliarde Euro in die neuen und erneuerten S-Bahn-Züge.

          Vereinbart hat der RMV mit der Bahn laut Ringat auch, die Zahl der Sicherheitsmitarbeiter um 40 Prozent zu erhöhen. Statt bisher 225 sollen jetzt 300 Kontrolleure unterwegs sein, obligatorisch in jeder S-Bahn künftig schon um 20 Uhr. Der RMV schickt mittlerweile sogar eigene Trupps in die Bahnen, um den Schwarzfahrern das Leben schwerzumachen und den ehrlichen Kunden Ansprechpartner zu bieten.

          Mit dem neuen S-Bahn-Vertrag habe der RMV einen guten Abschluss getroffen, sagte Ringat. Die Fahrleistung erhöhe sich um eine Million Kilometer, die Platzkapazität um 15 Prozent: „Und das bei gleichem Geld.“ 2015 reizten der RMV und die Bahn die vorhandenen Kapazitäten voll aus. Nach Schätzungen des Verbundes liegt ein Kundenpotential von weiteren zehn bis zwölf Prozent brach. Um es ausschöpfen zu können, benötige man aber zusätzliche Schienenwege. „Wir brauchen die großen Infrastruktur-Projekte“, sagte Ringat.

          Unentbehrlich sei auch eine Anhebung der Regionalisierungsmittel, die der Bund für den Regionalverkehr zur Verfügung stellt. Ringat hofft fest darauf, dass die Bundesregierung sich noch umstimmen lässt und sich zu der bisher üblichen Anhebung um jährlich 1,5 Prozent entschließt. Bis Ende Februar braucht der RMV-Chef Klarheit oder zumindest einen Fingerzeig aus Berlin, ob die Regionalisierungsmittel angehoben werden, denn bis dahin muss er zum Beispiel bei der Bahn die Leistungen im S-Bahn- und Regionalbahn-Verkehr für 2016 bestellen.

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