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Frankfurt-Nordend : Der Waldkauz im Hinterhof

Nicht nur in Forsten daheim, sondern auch im Frankfurter Nordend: Waldkauz Bild: picture-alliance/ dpa

Frankfurt kann, was der Schwäbische Wald nicht schafft: Ein Waldkauz hat sich in einen Hinterhof im Nordend verirrt und lockt Artgenossen mit langgezogenen U-huuuhs.

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          Man hat ja schon einiges mitbekommen im Laufe von zehn Jahren Wohnen mit Schlafzimmer und Balkon zum Hinterhof - nicht nur, was das Zwischenmenschliche anbelangt. Nein, im Frankfurter Nordend oder, genauer gesagt, im Nordend-Ost, also links vom Sandweg aus südlicher Richtung gesehen, hier, also in einem der schönsten Viertel der Stadt, hat auch die Tierwelt viel zu bieten.

          Petra Kirchhoff
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Da sind die Mauersegler, die jedes Jahr pünktlich zum Frühling in dem von Häuserzeilen eingegrenzten Karree, in dem es leider mehr Garagen als Bäume gibt, Einzug halten und jedem anderen Vogel mit ihren akrobatischen Flugformationen die Schau stehlen. Da sind die Elstern, die das gar nicht so gut finden und auch schon mal Junge aus Konkurrenz-Nestern ziehen, um sie anschließend auf einem der mit Wellblech gedeckten Garagendächer einfach liegenzulassen. Auch die Krähen sind fleißig dabei, ihre Reviere zu verteidigen. Und im Winter, wenn die Meisenknödel auf dem Balkon hängen und die Vögelchen daran picken, schlägt dem Beobachter das Herz schon beim Kaffeekochen höher.

          Mehrere U-uuhs hintereinander

          Ab und an gibt es interessante Irrläufer. In diesem Mai trieben zwei Nilgänse, die morgens um halb sechs laut schnatternd von einem Schornstein zum nächsten zogen, nicht immer gemeinsam, aber sehr darauf bedacht, die Kommunikation nicht zu unterbrechen, die Anwohner aus den Betten. Ein Königreich für ein Luftgewehr!

          Nun hat Leichtschläfer und Hellhörige am vergangenen Wochenende wieder ein Vogel im Morgengrauen aus dem Bett getrieben. Es muss so gegen fünf gewesen sein. Da war, zunächst noch im Halbschlaf, und dann immer deutlicher werdend: ein U-uuh und noch eines. U-uuh - sehr laut, sehr unheimlich und viel realistischer als die Billig-Grusel-Uhu-Effekte in Edgar-Wallace-Filmen oder die Versuche von Kindern, sich im Dunkeln gegenseitig Gänsehaut zu machen.

          Dazu ein herzzerreißendes Fiepen von irgendeinem anderen Tier, womöglich in Not. Wir sind sofort auf den Balkon und konnten das Fiepen in nordwestlicher Richtung ausmachen. Von rechts hörte man wildes Flügelschlagen. Später dann wieder mehrere U-uuhs hintereinander. Das musste, das konnte nur ein Waldkäuzchen sein.

          Stop-and-go-and-Lockruf

          Ob er denn nichts gehört habe? Der Nachbar schaute am nächsten Morgen etwas irritiert. Eulen in der Stadt, fragt er ungläubig? Doch, doch. In der Friedberger Anlage bei der Alten Oper haben wir erst neulich eine fliegen sehen: geräuschlos mit dem typischen, schweren, ja fast plumpen Flügelschlag - von einer Baumkrone zur nächsten. Eulen-Fans haben einen Blick dafür.

          Am selben Tag dann der Beweis. Es dämmerte, wir saßen am Schreibtisch mit Blick zum Hof. Und da war es wieder: U-uuh, laut und deutlich, und dann segelte ein Waldkauz einmal quer über den Hinterhof.

          Wir dachten an unsere Eulenwanderung vor Jahren mit dem Naturschutzbund im Schwäbischen, an den Versuch, den echten Käuzchen im Wald mit Lockrufen vom Tonband U-uuh-Balzrufe zu entlocken. Zwei Stunden Stop-and-go-and-Lockruf ohne Erfolg. Und jetzt dieses kleine U-uuh-Wunder mitten in der Stadt.

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