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Frankfurt : Neuer Rat der Religionen will Toleranz fördern

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Will Ratgeber für die Stadt Frankfurt sein: der Rat der Religionen Bild: Wonge Bergmann

23 Mitglieder mehrerer Religionsgemeinschaften umfasst der neue Rat der Religionen in Frankfurt. Das Gremium versteht sich als „Ratgeber und Partner der Stadt“. Nicht vertreten ist der vergleichsweise große türkisch-islamische Ditib-Verband.

          Als wichtiges Element für ein friedliches Zusammenleben der Frankfurter Bürger haben Integrationsdezernentin Nargess Eskandari-Grünberg (Die Grünen) und der griechisch-orthodoxe Pfarrer Athenagoras Ziliaskopoulos den neuen Rat der Religionen bezeichnet. Ziliaskopoulos ist der Vorsitzende des Rates, dem 23 Mitglieder mehrerer Religionsgemeinschaften angehören und der, wie berichtet, am 1. April gegründet worden war. Nun wurde er der Öffentlichkeit vorgestellt.

          Ziliaskopoulos sagte, der Rat solle gegen Gewalt, religiösen Fanatismus und Diskriminierung kämpfen, sich für ein friedliches Miteinander der Frankfurter einsetzen und „für Toleranz und Akzeptanz plädieren“. Das Gremium verstehe sich als „Ratgeber und Partner der Stadt“. Eskandari-Grünberg hob hervor, dass der Rat nicht zur Stadtverwaltung gehöre, die der weltanschaulichen Neutralität verpflichtet sei. So gesehen, sei der Rat einzigartig in Deutschland.

          Jenseits theologischer Fragen soll der Rat Eskandari-Grünberg zufolge beispielsweise zu einem besseren Umgang mit andersgläubigen Patienten in Kliniken beitragen, Fremdheit von Bürgern in Stadtteilen abbauen und die Stadt beim Errichten religiöser Bauten beraten. Auch erhofft sich die Stadträtin Impulse für die Jugendarbeit, für eine „interkulturelle Pädagogik“ in Kindergärten und Schulen oder für einen islamischen Religionsunterricht. Mitglieder des Rats sind die Jüdische Gemeinde, die beiden großen Kirchen und die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen, vier muslimische, drei buddhistische und zwei hinduistische Gemeinden, außerdem die Sikh-, die Bahai- und die Ahmadiyya-Gemeinde sowie die Mormonen. Jede Religionsgemeinschaft hat mindestens einen Vertreter in den Rat entsandt.

          Der Vorstand hat sechs Mitglieder und ist zunächst für zwei Jahre gewählt. Stellvertreter von Ziliaskopoulos ist Ünal Kaymakci von der Islamischen Religionsgemeinschaft Hessen (IRH). Der Rechtsanwalt ist auch Sprecher jener türkisch-pakistanischen Gemeinde, die in Hausen eine repräsentative Moschee errichten will.

          Nicht vertreten ist der vergleichsweise große türkisch-islamische Ditib-Verband. Er habe sich entschlossen, in den ersten zwei Jahren nicht dabei zu sein, wolle die Entwicklung aber beobachten, so Kaymakci. Das wird aus dem Ditib-Verband bestätigt. Der Grund für den vorübergehenden Rückzug von Ditib dürfte in Auseinandersetzungen zwischen diesem Verband und der IRH in den vergangenen Jahren liegen. Kaymakci vertrat die Meinung, die vier muslimischen Vertreter im Rat stünden für die Gesamtheit der Muslime in der Stadt.

          Der Rat geht auf das Engagement eines Kreises zurück, der sich seit 2004 traf. Eine treibende Kraft war die evangelische Pfarrerin für interreligiösen Dialog in Frankfurt, Ilona Klemens, die nun auch als Geschäftsführerin des Gremiums fungiert. Eskandari-Grünberg hat die Gründung des Rates unterstützt. „Die soziale Rolle von Religionsgemeinschaften ist aus unserem Alltag nicht hinwegzudenken“, sagte sie. Gleichwohl sei ihr wichtig gewesen, dass auch das Recht der Menschen, nicht religiös leben zu wollen, in die Satzung des Rates aufgenommen worden sei. Darin ist auch festgeschrieben, dass die Ratsmitglieder sich dazu verpflichten, das Grundgesetz zu achten, Gemeinsamkeiten zu suchen und Unterschiede zu achten sowie auf eine Missionierung zu verzichten.

          Der Rat wolle kein Gremium „gegen nicht-religiöse Menschen“ sein, sagte Ziliaskopoulos. Überdies wolle er andere interreligiöse oder ökumenische Initiativen nicht ersetzen, sondern unterstützen. Wie oft der Rat zusammenkommt, ist noch nicht entschieden. Es soll regelmäßige Sitzungen, aber auch kurzfristig einberufene Treffen geben. Nach Ostern wollen Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) und Eskandari-Grünberg die Ratsmitglieder im Römer empfangen.

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