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Frankfurt : Neue Grundstücke für 10 000 Wohnungen

Platzfrage: Weil die Zahl der Haushalte wächst, braucht Frankfurt mehr Wohnraum - so wie hier am Riedberg Bild: Dieter Rüchel

Bis 2013 sollen in Frankfurt Grundstücke für 10 000 neue Wohnungen baureif zur Verfügung stehen. Die Stadt will zusätzlich 13 Millionen Euro jährlich investieren. Zu den größten Entwicklungsflächen zählen das Henninger-Areal, der Campus Bockenheim und das Europaviertel.

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          Mit einem Fünfjahresprogramm will die Stadt Frankfurt ihre Attraktivität als Wohnort verbessern. In den Jahren 2009 bis 2013 sollen weitere 13 Millionen Euro jährlich die Wohnsituation in der Stadt verbessern. Derzeit investiert Frankfurt in Neubau und Bestandspflege 20 Millionen Euro im Jahr, hinzu kommen jährlich 200 Millionen Euro der städtischen Wohnungsgesellschaft ABG Holding. „Es ist notwendig, die Stadt nicht nur als guten Arbeits-, sondern auch als Wohnstandort zu stärken“, sagte Planungsdezernent Edwin Schwarz (CDU) gestern bei der Vorstellung des Programms „Wohnen in Frankfurt 2009–2013“.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Mit dem zusätzlichen Geld sollen unter anderem neue Wohnungen errichtet, Grundstücke erschlossen, einkommensschwache Schichten bei der Suche nach Wohnraum unterstützt, der Bestand modernisiert und innovative Wohnformen gefördert werden. Die Stadt habe den Anspruch, sowohl ausreichend hochwertige als auch kostengünstige Wohnungen anzubieten, sagte Schwarz.

          Im Stadtgebiet ist noch Platz für rund 25 000 Wohnungen

          Bis 2013 sollen Grundstücke für mindestens 10 000 neue Wohnungen baureif zur Verfügung stehen. Insgesamt gibt es im Stadtgebiet noch Platz für rund 25 000 Wohnungen. Zu den größten Entwicklungsflächen zählen das Henninger-Areal mit der benachbarten Binding-Brauerei, der Campus Bockenheim, das Europaviertel und das Silogebiet. Ein Teil der angestrebten Wohnfläche soll auch in den Neubaugebieten geschaffen werden, die wie der Riedberg momentan entstehen. Um nach 2013 weitere Flächen für neue Wohnungen zu gewinnen, sollen gewachsene Viertel verdichtet und Gewerbe- und Brachflächen genutzt werden. Nach Angaben des Planungsdezernenten wird stadtweit untersucht, welche Gebiete sich dafür eignen.

          Die Demoskopen gehen davon aus, dass Frankfurts Einwohnerzahl bis 2020 relativ konstant bleiben oder leicht steigen wird. Derzeit leben etwa 670 000 Menschen in Frankfurt, allein in den Jahren 2006 und 2007 ist die Einwohnerzahl um annähernd 16 000 Menschen gestiegen. Dieser Zuwachs, der demographische Wandel und der damit einhergehende Trend zur Rückkehr in die Stadt vor allem von älteren Menschen verstärken in Frankfurt die Nachfrage auf dem ohnehin angespannten Wohnungsmarkt. „Allein wegen der Versingelung der Gesellschaft und dem größeren Raumbedarf steigt der Wohnungsbedarf, auch wenn die Einwohnerzahl gleich bleiben sollte“, sagte Schwarz. Bis zum Jahr 2020 werde die Zahl der Haushalte im Stadtgebiet um bis zu 17 000 zunehmen.

          5500 Sozialwohnungen geplant

          Neben dem Bereitstellen von Flächen für den Wohnungsbau steht für die Stadt vor allem die Versorgung der gering und normal verdienenden Bevölkerung im Vordergrund. Bis 2013 sollen 5500 Sozialwohnungen und Wohnungen für Gering- bis Normalverdienende zur Verfügung stehen, die sich nicht ohne Unterstützung auf dem Wohnungsmarkt versorgen können. Insbesondere durch den Wegfall von Sozialwohnungen ist für diese Bevölkerungsschichten eine Versorgungslücke entstanden: Jedes Jahr fallen rund 1000 Wohnungen aus der sozialen Bindung, nur 200 kommen hinzu. Durch den Ankauf von Belegungsrechten für 500 Wohnungen und die Steigerung des Neubaus auf jährlich 600 Wohnungen, darunter 300 Sozialwohnungen, soll die Lücke geschlossen werden.

          Die übrigen 300 neuen Wohnungen sind für die Zielgruppe zweier neuer Mittelstandsprogramme gedacht, mit denen die Stadt vor allem junge Familien und Senioren unterstützen möchte. Gering- und Normalverdienende, deren Einkommen zum Teil nur knapp über der Grenze liegt, von der an Anspruch auf eine Sozialwohnung besteht, sollen durch den Bau von Mietwohnungen und mit Hilfe günstiger Darlehen beim Bau und Erwerb von Wohneigentum unterstützt werden.

          Um Grundstücke für den Neubau geförderter Wohnungen bereitstellen zu können, soll bei der Baulandgewinnung grundsätzlich ein Flächenanteil von 15 Prozent für Sozialwohnungen und von weiteren 15 Prozent für die Klientel der neuen Mittelstandsprogramme reserviert werden. Gebiete mit vielen kleinen Eigentümern und mit weniger als 100 Wohnungen sind ebenso wie neu zugeschnittene Grundstücke von dieser Regelung ausgenommen.

          Die angestrebten 1100 Wohnungen jährlich könnten im ersten Jahr noch nicht erreicht werden, erläuterte Derzernent Schwarz. Die Stadt wolle einen festen Grundstock an Belegungsrechten bilden, die anstatt für zehn Jahre auf Dauer gekauft werden sollen. „Wir gehen davon aus, dass wir in zehn Jahren versorgt sind“, sagte der im Stadtplanungsamt für Sonderprojekte zuständige Dierk Hausmann.

          Schwarz: „Wer hier arbeitet, muss nicht im Umland wohnen“

          Neben den Neubautätigkeiten umfasst das Fünfjahresprogramm auch die Pflege des Wohnungsbestands. Um die energetische Sanierung von Wohnungen zu beschleunigen, will die Stadt ein Modernisierungsprogramm auflegen, aus dem zinsgünstige Darlehen in Ergänzung zu den Landesmitteln abgerufen werden können. Innovative Wohnformen wie generationenübergreifendes oder genossenschaftliches Wohnen sowie die Zusammenarbeit in Bauherrengruppen sollen zudem durch mehr Beratung und einen eigenen Wettbewerb angeregt werden. Mit dem Preis „Neues Wohnen für Frankfurt“ sollen wegweisende Projekte in Neubau und Bestand ausgezeichnet werden. Um die Qualität im Wohnungsbau zu verbessern, sollen bei Projekten, die mehr als 50 Wohnungen umfassen, künftig konkurrierende Verfahren und architektonische Wettbewerbe ausgelobt werden.

          Das Fünfjahresprogramm soll jährlich evaluiert werden. Schwarz wertete die Verständigung auf das Wohnungskonzept als „Beleg für die gute Zusammenarbeit von CDU und Grünen“. Der Bau und die Planung von Hochhäusern hätten in der Stadt eine „Eigendynamik“ entwickelt. Die Stadt wolle sich darum stärker im Wohnungsbau engagieren. Damit wolle man künftig auch jene Bevölkerungsschichten halten, die zurzeit noch ins Umland zögen und zur Arbeit in die Stadt pendelten. „Wer hier arbeitet, muss nicht im Umland wohnen“, sagte der Dezernent. Auch wegen der steigenden Benzinkosten setze er darauf, dass diese Menschen in die Stadt zurückkehrten.

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