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Frankfurt : Nach Tod in Diskothek droht dem Klub die Schließung

Friedlich gefeiert wie in der Disco auf diesem Bild wird nicht immer. Bild: Marcus Kaufhold

Nach dem Vorfall in der Frankfurter Diskothek U60311, bei dem ein 31 Jahre alter Brite von Türstehern totgeschlagen worden war, hat das Ordnungsamt mit der Prüfung rechtlicher Schritte gegen den Betreiber begonnen.

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          Nach dem Vorfall in der Frankfurter Diskothek U60311, bei dem ein 31 Jahre alter Brite von Türstehern totgeschlagen worden war, hat das Ordnungsamt mit der Prüfung rechtlicher Schritte gegen den Betreiber begonnen. Bei einem Gespräch zwischen Amt und Betreiber sowie der Polizei machte die Behörde am Donnerstag deutlich, dass eine Schließung möglich sei. Denkbar sind auch strengere Auflagen. Diese könnten unter anderem beinhalten, dass sich der Betreiber auch von Leihkräften Führungszeugnisse vorlegen lassen muss.

          Katharina Iskandar

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Unterdessen sind am Donnerstag neue Details über den Tathergang bekannt geworden. Demnach hatten die Türsteher den Briten ohne ersichtlichen Grund angegriffen. Nach Zeugenangaben hat einer der Türsteher den Mann festgehalten, während die anderen auf ihn einschlugen; einer von ihnen sei Boxer. Die Schläge wurden mit einem mit Quarzsand gefüllten Handschuh ausgeführt, was die besonders schweren inneren Verletzungen des Opfers erklären könnte.

          „Jeder will doch wissen, wen er sich vor die Tür stellt“

          Obwohl die drei mutmaßlichen Täter nicht direkt bei der U60311 Veranstaltungs- und Gastronomie GmbH angestellt waren, sieht Sicherheitsdezernent Volker Stein (FDP) eine Mitverantwortung beim Betreiber, „weil er Personal von offenbar unzuverlässigen Drittanbietern beschäftigt hat“. Es müsse deshalb genau geprüft werden, ob das Unternehmen selbst zuverlässig sei. Zumindest trage der Betreiber moralische Verantwortung, so Stein.

          Unterstützung bekommt der Stadtrat unter anderem von dem CDU-Fraktionsvorsitzenden Helmut Heuser. Er sagte am Donnerstag, der Betreiber könne sich nach einer solchen Tat nicht aus der Verantwortung ziehen. Er sei „in der Pflicht, auch über Dritte angeheuerte Arbeitskräfte zu prüfen. Jeder will doch wissen, wen er sich vor die Tür stellt.“ Der SPD-Fraktionsvorsitzende Klaus Oesterling sprach sich für eine Schließung aus, sollte sich der Pächter strafbar gemacht haben: „Dann unterstützen wir die Stadt, hart durchzugreifen.“ Auch aus städtebaulichen Gründen halte sich sein Bedauern in Grenzen. Die Zugangsbauwerke zu der Diskothek sind vielen Frankfurtern ein Dorn im Auge.

          Zweifelhafter Ruf

          Das U60311 hat in der Szene einen zweifelhaften Ruf. Rund um den Klub ist es nach polizeilichen Erkenntnissen wiederholt zu Körperverletzungen und Drogenverkäufen gekommen. Insbesondere zwischen Türstehern und Gästen habe es öfter Konflikte gegeben. Besucher berichten außerdem, der aufgrund der baulichen Gegebenheiten niedrige Techno-Klub wirke düster und ziehe ein „schweres Publikum“ an: „So wie ich mich außen präsentiere, stehe ich auch innen da“, sagt einer. Ardi Goldman, eine prominente Figur des Frankfurter Nachtlebens, setzt sich jedoch dafür ein, den Klub nicht dauerhaft zu schließen – vorausgesetzt, es finde sich ein geeigneter Pächter mit einem guten Konzept. „Frankfurt sollte froh sein, wenn es in der Innenstadt urbanes Leben gibt“, sagte Goldman.

          Die Stadt will die geplanten Umbauten an den Zugangsbauwerken zum unterirdischen Klub bis zum Herbst abschließen. In den Abriss eines der drei Bauwerke und die Verschönerung zweier weiterer durch eine Glasfassade investiert die Stadt 400.000 Euro. Wie der Sprecher des Planungsdezernats gestern sagte, werde der Pächter nicht an der Finanzierung beteiligt, da es der besondere Wunsch der Stadt sei, das Erscheinungsbild aufzuwerten. Das Architekturbüro Mey, das für die Gestaltung einst ausgezeichnet wurde, wird in den Umbau einbezogen.

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