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Frankfurt : Mit Rennrad und Skateboard ins Büro

Ein Foyer von morgen: Lobby des geplanten Hochhauses „One“ Bild: Simulation CA Immo

Eine Lobby, die aussieht wie ein hippes Café, und Bürotürme, in denen auch gewohnt wird: In ganz Frankfurt entstehen neue und moderne Arbeitswelten.

          Vor einigen Monaten hat Jakob Vowinckel einen potentiellen Mieter durch den Tower185 im Europaviertel geführt. Der Niederlassungsleiter des Bauherrn und Eigentümers CA Immo präsentierte seinem Kunden die repräsentative Empfangshalle des Hochhauses, in der man sich so klein und demütig fühlt wie beim Betreten einer Kirche. Nach dem Rundgang sagte der Mieter freundlich ab: „Ein schönes Gebäude, aber das sind nicht wir.“

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Vowinckel brachte dieses Erlebnis ins Grübeln. „Wir müssen über unsere Produkte neu nachdenken“, sagt er heute. Direkt nebenan, zwischen dem Einkaufszentrum Skyline Plaza und dem Messeturm, entsteht nun ein Turm, der sich an eine andere, moderne Zielgruppe wendet. Die Lobby des geplanten Hochhauses „One“, das ebenfalls von CAImmo entwickelt wird, wirkt wie eine Mischung aus Café, Hotelfoyer und Turnhalle. Neben dem obligatorischen Empfangstresen gibt es auch eine Leseecke mit Bücherregalen, eine Bar und sogar einen Basketballkorb. An der Wand hängen Fahrräder, ein Skater rollt auf seinem Board durchs Bild: eine moderne Arbeitswelt für die junge Generation.

          Bis in die Herzen der Menschen

          „Wir bauen das“, sagt Vowinckel, der die Pläne gestern auf einer Tagung des Unternehmens HeuerDialog vorgestellt hat. Im Spätsommer soll der Bau des 190 Meter hohen Turms beginnen. In das untere Drittel des 85000 Quadratmeter großen Gebäudes zieht ein Hotel, darüber entstehen Büroflächen. Ein Bauantrag wird derzeit vorbereitet, 2020 soll das Hochhaus fertig sein.

          Auch das Deutsche-Bank-Areal am Roßmarkt in der Innenstadt wird neu bebaut. „Trostlos, düster und dröge“ sei das Gelände bisher gewesen, meint der Projektentwickler Jürgen Groß, der die Blockade aufbrechen will. Vor dem Krieg befand sich an dieser Stelle ein belebtes, kleinteiliges Quartier. Daran will Groß nun mit seinem Projekt anknüpfen, das 2020 fertig sein soll. Er plant vier Hochhäuser, in denen Wohnungen – zu 30 Prozent gefördert –, Büros, zwei Hotels, Geschäfte, Restaurants und eine Kita Platz finden sollen. Groß sagt, er bekenne sich zu der Mischung: „Wir wollen ein positives Signal senden und aufgenommen werden in den Herzen der Menschen.“ Wolfram Lehr, dessen Arbeitgeber Tishman Speyer mit dem Omniturm ein „Haus für alle“ mit Büros und Wohnungen plant, berichtet, dass vor allem die junge Generation eine gemischte Nutzung bevorzuge.

          Künftige Stadtreperaturen sollen vermieden werden

          Dass die alte Trennung von Wohnen und Arbeiten überholt ist, darin sind sich die Teilnehmer der Tagung einig. Monostrukturierte Stadtviertel würden heute mit großem Aufwand umgebaut, so Daniela Matha, Geschäftsführerin der Offenbacher Projektentwicklungsgesellschaft. „Wir müssen lernen, die Gründerzeitviertel neu zu bauen. Damit wir nicht wieder Stadtreparatur betreiben müssen.“

          Planungsdezernent Mike Josef (SPD) will ebenfalls Impulse setzen: Er will zwar den Hochhaus-Entwicklungsplan überarbeiten und Hochhäuser an bestimmten Standorten ausschließen, sieht aber einen strategischen Engpass beim Wohnungsbau. Im Sommer will er entscheiden, wo ein neues Baugebiet entsteht. Er denkt auch über ein neues Gewerbegebiet nach, um Betriebe verlagern zu können. Künftig sollen zudem alle Ämter an einem Tisch sitzen, um Planungsprozesse zu beschleunigen.

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