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Laufen als Luxussport : Marathon als Flucht aus dem Nachkriegselend

Reine Männersache: In den Hungerjahren nach dem Krieg boten der Sport und somit auch der erste Frankfurt Marathon eine willkommene Ablenkung. Bild: Institut für Stadtgeschichte

Trainieren kostet Kraft – und Kalorien. Obwohl Letztere in den Nachkriegsjahren kostbar waren, haben sich 16 Männer 1948 auf der Marathon-Distanz gemessen und so den Menschen Hoffnung gegeben.

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          Kaum mehr als 40 Gramm wiegt der Inhalt der kleinen Tube, die er in die Tasche seiner Laufhose gesteckt hat. Er öffnet sie, saugt sie aus. Der Inhalt ist klebrig, schmeckt unnatürlich süß. Hunderte Kalorien hat er mit einem Schluck aufgenommen. Kauen muss er nicht. Das Sportgel gibt ihm die Energie, weiterzulaufen. Seine Schuhe sind federleicht, Shirt, Hose und Jacke sind atmungsaktiv, seine Sportsocken so verarbeitet, dass keine Druckstellen entstehen können.

          Marie Lisa Kehler

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Stadthistoriker Thomas Bauer ist schon mal beim Frankfurt Marathon an den Start gegangen. In einer Zeit, in der der Körper keinen Mangel mehr kennt, ist ein Marathon in seinen Augen zwar noch immer eine beachtenswerte Leistung, nicht aber zu vergleichen mit dem, was 16 Läufer nur drei Jahre nach Kriegsende geleistet haben. Damals, am 17. Oktober 1948, richtete der Fußballsportverein Frankfurt den ersten Marathon nach Kriegsende in Frankfurt aus. „Quer durch Bornheim“ nannte sich der Wettkampf. Die Strecke wurde mit einem 50-Meter-Band ausgemessen – die Zeit wurde per Hand gestoppt.

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