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Mitreden über Stadtplanung : „Frankfurt machen“ auch mit jungen Leuten

Beliebt: Treffs wie das „Café Fein“ könnte Frankfurt mehr gebrauchen Bild: Wonge Bergmann

Mit der neuen Reihe „Frankfurt machen“ will die Stadt junge Leute erreichen. Musiker wie Fee, Rola und Moses Pelham sollen für gute Laune sorgen. Ob dabei wirklich gute Ideen entstehen?

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          Bei der Bürgerbeteiligung liegen Wunsch und Wirklichkeit weit auseinander. Die Frankfurter Politik und die Stadtverwaltung wollen die Bürger einbinden und frühzeitig informieren, damit Veränderungen in ihrem Sinne sind und auch akzeptiert werden. Aber oft erreicht die Stadt mit ihren Planungswerkstätten und Bürgerforen immer nur die gleichen Teilnehmer: professionelle Akteure, die ihre Interessengruppen vertreten, und überproportional viele Senioren. Im Vergleich zu ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung stets unterrepräsentiert sind zwei Gruppen: junge Menschen und Bürger mit Migrationshintergrund.

          Rainer Schulze
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das Planungsdezernat hat sich nun ein neues Format ausgedacht, um vor allem junge Leute besser zu erreichen. Die Veranstaltungsreihe nennt sich „Frankfurt machen“ und wendet sich an ein junges Publikum. An fünf Terminen soll es um die Themen Wohnen, Freizeit, Stadtteile, Innenstadt und „Zukunftsstadt“ gehen. Schon der Ort ist ungewöhnlich: Die Stadt lädt nicht in ein Bürgerhaus, sondern ins „Gibson“ ein, einen Club an der Zeil. Das Thema „Wohnstadt Frankfurt“ markiert dort am 12. März um 18 Uhr den Auftakt. Weitere Veranstaltungen sind ebenfalls im Gibson sowie im Ruderclub Mainglück und im Mainkai-Café geplant. Musiker wie Fee, Rola und Moses Pelham sowie der Komiker Tim Karasch („Frankfurter Klasse“) treten im Rahmenprogramm auf. Mit der Moderation wurden Bärbel Schäfer und Tim Frühling beauftragt.

          Neue Ideen zu erwarten?

          Die Teilnehmer erwartet keine trockene Atmosphäre: Planungsdezernent Mike Josef (SPD) verspricht, dass keine Referate oder Präsentationen gehalten werden, sondern junge Frankfurter zu Wort kommen, die sonst selten die Gelegenheit dazu haben. „Wir wollen zuhören und dem Gestaltungswillen der Menschen ein Forum geben“, sagt er. Die Stadt werde die Ideen sammeln und Rückmeldungen geben.

          An Formen der Bürgerbeteiligung herrscht eigentlich kein Mangel. Über die Internetseite „Frankfurt fragt mich“ können schon heute Vorschläge an Stadtverwaltung und Kommunalpolitik gemacht werden. Fraglich ist zudem, ob die Stadt mit dem neuen Format tatsächlich auf neue Ideen kommt. Die Erfahrung lehrt, dass Bürger, die sich bisher nur am Rande für die Stadtentwicklung interessiert haben, mit ihren Beiträgen in der Regel eher an der Oberfläche kratzen. Als ergiebiger haben sich kundig geführte Exkursionen in andere Städte erwiesen, die regelmäßig von den Fachausschüssen oder unter Beteiligung des Städtebaubeirats unternommen werden.

          Josef hat trotzdem hohe Erwartungen an das neue Format: „Wir müssen die jungen Leute gewinnen, um zu diskutieren, wie unsere Stadt in zehn oder 15 Jahren aussehen wird.“ Die Teilnehmer sollen mit dem Planungsdezernenten und „interessanten Gästen“ ins Gespräch kommen. Dazu zählen Elke Löscher, die in einem Wasserhäuschen an der Wallanlage das „Café Fein“ betreibt und so den öffentlichen Raum belebt, und der Stadt- und Landesschulsprecher Paul Harder. „An die Jugend wird bei der Stadtentwicklung zu wenig gedacht“, kritisiert er und nennt als Beispiel fehlende Angebote für Jugendliche im Neubaugebiet Riedberg. „Wenn sich Jugendliche in ihrem Stadtteil nicht wohl fühlen, muss man sich nicht wundern, wenn sie nicht hierbleiben wollen.“

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