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Museumsuferfest : Entspannt zu Donald Ducks Kreuzigung

  • -Aktualisiert am

Klangraum: Im Karmeliterkloster konnten die Besucher des Museumsuferfests Alter Musik lauschen. Auch die Konzerte der „Orgelmeile“ boten Gelegenheit, dem Rummel am Mainufer zu entkommen. Bild: Victor Hedwig

Mitten im Trubel des Museumsuferfests gibt es Oasen der Ruhe – zum Beispiel im Karmeliterkloster. Stille ist aber auch dort zu finden, wo eigentlich Gedränge zu erwarten wäre.

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          Als das Ensemble „Los Temperamentos“ zu musizieren beginnt, wird es im Refektorium des Karmeliterklosters still. Die Zuschauer lauschen aufmerksam den sechs Musikern, die den Raum mit Klängen aus Renaissance und Barock füllen. Perfekt aufeinander abgestimmt, besonders in der beeindruckenden Harmonie zwischen der Flötistin Anninka Frohgrub und der Sopranistin Swantje Tams Freier, überzeugt das Ensemble so sehr, dass das Publikum eine Zugabe herbeiapplaudiert. Die drängelnden Menschenmassen am Mainufer scheinen in weite Ferne gerückt. Dabei gehört auch der „Klang im Kloster“ zum Programm des diesjährigen Museumsuferfestes, zu dem allein am Samstag nach Angaben des Veranstalters schon 900.000 Besucher strömen.

          Von den erhöhten Sicherheitsvorkehrungen in der Stadt scheint sich niemand beeindrucken zu lassen. In heiterer Gelassenheit ziehen die Menschen bei strahlendem Sonnenschein an den Ufern das Mains entlang, verweilen an Ess- und Trinkbuden, Bühnen und Verkaufsständen und passieren selbst völlig überfüllte Brücken wie den Eisernen Steg mit Geduld und Achtsamkeit. Einzig manchen Kindern, die in der schwülen Hitze zu quengeln beginnen, sieht man die Strapazen der Reizüberflutung deutlich an. Die Kinderkulturwiese am Nordufer des Mains lockt dennoch zahlreiche Besucher an und scheint nicht nur den jüngsten unter ihnen zu gefallen.

          In den Museen ist es leer

          Wer aber Ruhe und Besinnlichkeit sucht, findet sie nicht bloß im Kloster, sondern an den Orten, denen das Fest überhaupt seine Existenz verdankt: den Museen. Mit dem „Museumsuferfest-Button“ hat jeder Besucher freien Eintritt in allen beteiligten Häusern. Dass es dort entsprechend überfüllt sein würde, ist also keine allzu abwegige Annahme. Am Samstagnachmittag zeigt sich indes ein anderes Bild. In der Schirn: gähnende Leere. Wer in aller Ruhe die aktuelle Ausstellung von Peter Saul und die Gruppenausstellung „Peace“ anschauen will, hat nun Gelegenheit dazu. Museums-Aufseherinnen berichten, dass die Zahl der Besucher während des Festes fluktuiere; mal seien es mehr, mal weniger. Gruppenführungen spielten dabei keine Rolle.

          Richtig voll werde es jedoch nicht. Das sei aber auch kein Wunder bei dem schönen Wetter: „Wer tut sich das schon an!“ Ein Bild wie „Donald Duck Crucifixion“ von Peter Saul oder die auf den ersten Blick wenig eingängigen Installationen der „Peace“-Schau sind allerdings selbst dann nicht massentauglich, wenn es draußen regnet. Auch im Museum für Moderne Kunst ist die Anzahl an Besuchern äußerst überschaubar. Ein Mann und eine Frau mit Museumsbutton betrachten nachdenklich eine Reihe von Möbeln, die umgekippt auf dem Boden liegen. Hilfesuchend lesen sie den Titel des Kunstwerks von Reiner Ruthenbeck: „Umgekippte Möbel“. „Aha“, sagt die Frau und lächelt.

          Raum für uneingeschränkten Kunstgenuss

          Bei angenehm kühlen Temperaturen hat jeder, der an diesem Nachmittag gekommen ist, Platz für uneingeschränkten Kunstgenuss. Selbst im Städel, das etwas mehr Besucher anzieht, kann man sich ungestört die Bilder anschauen, ohne dass irgendjemand im Weg steht, drängelt oder Lärm macht. In manchen Räumen ist für Minuten keine Menschenseele zu sehen. „Das liegt an diesem Fest“, sagt einer der Aufseher, „die sind jetzt alle draußen, deshalb ist es hier nicht so voll.“

          Vor den Türen der Museen schieben sich die Menschenmengen am Mainufer entlang. Manche von ihnen, vor allem Ältere, machen Halt am Sachsenhäuser Ufer. In der dort gelegenen Dreikönigskirche beginnt mit Werken von Johann Sebastian Bach am späten Samstagnachmittag die Orgelmeile. Sie entführt in eine andere Welt, die wie die stillen Museen den Besuchern etwas eröffnet, das vom Museumsuferfest vielleicht am wenigsten erwartet wird: Oasen der Ruhe.

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