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Doppelmord vor Gerichtsgebäude : „Mehr Lynchjustiz als Selbstjustiz“

  • -Aktualisiert am

Januar 2014: Eine Polizistin stellt die Tatwaffe sicher. Bild: dpa

Es geschah am helllichten Tag mitten in Frankfurt: Aus Rache erschoss ein Neunundvierzigjähriger zwei Männer, die wegen des Todes seines Bruders vor Gericht standen. Nun wurde er zu lebenslanger Haft verurteilt.

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          Hamayon S. hat vor dem Frankfurter Gerichtsgebäude zwei Männer erschossen und sagt, er sei ihnen nur zuvorgekommen. Alles, was in dem langen Prozess gegen den 49 Jahre alten Afghanen bekannt wurde, spricht dagegen, dass es so war. Im Januar 2014 schoss er insgesamt 18 Mal auf zwei Landsleute, malträtierte die Sterbenden mit 28 Messerstichen. Dass der ungeübte Schütze niemanden sonst traf, zum Beispiel die Schüler, die an dem Morgen vor dem Gebäude warteten, ist ein großes Glück. Gleiches gilt für die Waffenstörung, die S. wohl verursachte, als er sein leergeschossenes Magazin wechseln wollte. Für den doppelten Mord ist Hamayon S. am Montag zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden. Das Landgericht stellte die besondere Schwere der Schuld fest, was eine Entlassung nach 15 Jahren ausschließt.

          Das ist die höchste Strafe, die das Gesetz vorsieht. Hamayon S. hat seine beiden 45 und 50 Jahre alten Landsleute „geradezu abgeschlachtet“, urteilte das Gericht. Ein Racheakt, denn S. hielt mindestens einen der beiden für den Mörder seines Bruders. 2007 waren die Afghanen schon einmal aufeinander getroffen. Sie handelten mit Autos und stritten um einen Stellplatz. Die Sache eskalierte, bei einer Messerstecherei kam der Bruder von S. um. Die beiden von ihm später getöteten Männer wurden in einem ersten Prozess freigesprochen. Als der zweite gerade begonnen hatte, tötete S. Die Tat sei mehr „Lynchjustiz als Selbstjustiz“, begründete das Gericht sein Urteil.

          S. kam 1994 nach Deutschland, und sammelte seither Vorstrafen, unter anderem wegen Körperverletzung. Er sei „oft ausgerastet aus nichtigem Anlass“ sagte sein Richter, und es sieht so aus, als sei vieles im Leben von S. auf die maximale Eskalation zugelaufen. Das Gericht bescheinigte ihm, er sei in einem „voraufklärerischem Ehrbegriff stecken geblieben“. Die beiden von ihm Getöteten dagegen, so formulierte das der Staatsanwalt, „haben sich der Strafjustiz gestellt“ – und dieses Vertrauen in den Staat habe der Schütze ausgenutzt, um sie zu töten.

          Der Anwalt von S. kündigte an, das Urteil anzufechten. Er hatte eine Verurteilung wegen Totschlags gefordert und die Tat „menschlich verständlich“ genannt. S. habe sich durch die beiden von ihm getöteten Männer bedroht gefühlt. Das Gericht habe das viel zu einseitig abgetan.

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