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Frankfurt : Kritik an Caricatura-Museum nach Attentat auf „Charlie Hebdo“

Charia-Hebdo: Das Museum Caricatura in Frankfurt besitzt alle Ausgaben des Satire-Magazins, auch jene mit den Mohammed-Karikaturen. Bild: Getty

Das Frankfurter Caricatura-Museum, das alle Ausgaben des Satiremagazins „Charlie Hebdo“ besitzt, zieht ein „stilles Gedenken“ an die Pariser Opfer vor. Der Stifter der Hefte bemängelt die Zurückhaltung des Hauses. Das wehrt sich.

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          Die Solidaritätsparole „Je suis Charlie“ hat in den vergangenen Tagen nicht nur in Frankreich, sondern auch in Frankfurt große Verbreitung gefunden. Allerdings dürften die meisten Frankfurter das Satireblatt „Charlie Hebdo“ nur vom Hörensagen oder von einzelnen Titelblättern und Karikaturen kennen, die nach dem Terroranschlag von Paris in der Presse oder im Internet gezeigt wurden.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das Caricatura-Museum Frankfurt ist vermutlich eine der wenigen Institutionen in Deutschland und die einzige in Frankfurt, die nicht nur einzelne Hefte von „Charlie Hebdo“, sondern alle Ausgaben der Zeitschrift und der Vorgänger-Magazine „Charlie“ und „Charlie-Mensuel“ besitzt. Gesammelt hat sie der Frankfurter Anwalt Stephan Baier. „Wenn jemand in der Lage ist, bildhaft zu illustrieren und zu demonstrieren, was ,Charlie Hebdo‘ geleistet hat, dann ist es das Caricatura-Museum“, sagt der Sammler, der seine Schätze dem Ausstellungshaus geschenkt hat.

          Museum habe Situation nicht für sich ausnutzen wollen

          Am vergangenen Freitag, als die Terroristen in Paris zuschlugen, hat Baier im Caricatura-Museum vorbeigeschaut und enttäuscht festgestellt, dass im Schaufenster des Hauses keine Reaktion auf den Anschlag zu sehen war: „noch nicht einmal eine Wandzeitung mit einer Trauer- und Solidaritätsbezeugung“. Später habe die Museumsleitung eine Solidaritätsadresse auf Französisch und Deutsch dort aufgehängt, so Baier. Einen Hinweis auf die „Charlie Hebdo“-Sammlung des Hauses habe aber gefehlt. „Ich denke“, schrieb der Anwalt daraufhin an die Museumsleitung, „das Museum könnte wegen der Ermordung der Charlie-Redakteure etwas tun, etwa die Nummer 1011 ,Sharia-Hebdo“ ins Schaufenster stellen.“

          Das Caricatura-Museum hat das nicht getan. Ganz bewusst nicht, wie Museumsleiter Achim Frenz sagt. Sein Haus habe die Situation nicht ausnutzen wollen, um auf sich aufmerksam zu machen. Man habe stattdessen ein „stilles Gedenken“ vorgezogen. Den Verdacht, das Caricatura-Museum habe sich weggeduckt, weist Frenz entschieden zurück. Man habe eine Solidaritätsadresse, unterschrieben von etwa 200 wichtigen Karikaturisten und Satirikern des Landes, ausgehängt. Und er, Frenz, habe an mehreren Diskussionen teilgenommen, in denen er klar Flagge gezeigt habe für die Freiheit der Satire. Im Übrigen sei die Sammlung von „Charlie Hebdo“ für jeden Besucher in der Bibliothek des Museums einsehbar.

          Wie wenig das Caricatura-Museum gewillt ist, sich einschüchtern zu lassen, zeigt nach Ansicht des Museumsleiters ein mit anderen Karikaturen-Museen gemeinsam gefasster Plan. Zusammen mit dem Deix-Museum im österreichischen Krems, dem Cartoonmuseum Basel, dem Wilhelm-Busch-Museum in Hannover und der Caricatura in Kassel werde das Frankfurter Haus demnächst eine Internetausstellung präsentieren, in der Hefte und Karikaturen von „Charlie Hebdo“ gezeigt würden.

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