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Frankfurt : Konfusion in der Immobilienbranche

Büromarkt Frankfurt: „Vor allem die guten Gebäude in guten Lagen sind weiterhin stark gefragt” Bild: Helmut Fricke

„Die Party ist vorbei“, sagt ein auf Immobilien spezialisierter Anwalt. Und er klingt nicht einmal traurig, wenn er über die Auswirkungen der Bankenkrise auf das Transaktionsgeschäft mit Büroimmobilien spricht.

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          „Die Party ist vorbei“, sagt ein auf Immobilien spezialisierter Anwalt. Und er klingt nicht einmal traurig, wenn er über die Auswirkungen der Bankenkrise auf das Transaktionsgeschäft mit Büroimmobilien spricht. Urlaub war für ihn und viele Kollegen zum Fremdwort geworden. Der Markt war so heiß gelaufen, dass oft bis tief in die Nacht Kaufverträge beurkundet wurden. Ein Milliardendeal jagte den nächsten. „Das ist deutlich ruhiger geworden.“ Jetzt ist die Zeit gekommen, den aufgelaufenen Urlaubsanspruch abzubauen, auch in den auf Immobilien spezialisierten Kreditabteilungen der Banken. Wenn mancher Marktteilnehmer von einer gesunden Korrektur beim Immobilien-Investmentgeschäft spricht, dann meint er das mitunter ganz wörtlich mit Blick auf das eigene körperliche Wohlbefinden.

          Matthias Alexander
          Redakteur im Feuilleton.

          Tatsächlich ist in diesen Tagen immer wieder von Großdeals zu hören, die abgeblasen oder zumindest auf unbestimmte Zeit vertagt worden seien. Kleinere Geschäfte mit einem Volumen von um die 100 Millionen Euro werden zwar noch abgeschlossen, allerdings haben die Banken ihre Margen schon deutlich erhöht. Und wer ein Portfolio mit einem Wert von mehr als 500 Millionen Euro erwerben will und dafür viel Fremdkapital benötigt, findet nach allgemeiner Einschätzung derzeit keine Bank, die die Finanzierung übernimmt. Zu groß ist die Verunsicherung in den Geldinstituten wegen der Subprime-Krise in Amerika. Die Kredite lassen sich nicht mehr verbriefen, also an Dritte weiterreichen.

          „Steigerung der Mieten zu erwarten“

          Wie stark und wie nachhaltig sich die Stimmung am Markt für Bürogebäude eingetrübt hat, weiß niemand sicher zu sagen. „Alle sind konfus“, sagt ein Insider. „Und jeder hofft, dass die Entwicklung seinen Interessen nutzt“, sagt ein anderer. Dazu passt, dass die Makler optimistisch verkünden, es handele sich nur um eine Delle. Burkhard Plesser, Geschäftsführer bei CD Richard Ellis in Frankfurt, weist darauf hin, dass die Basisdaten in Deutschland optimistisch stimmten. Anders als etwa in Barcelona oder London habe man hierzulande das Tal der Tränen gerade erst verlassen. In den nächsten Jahren sei auf dem Frankfurter Büromarkt eine deutliche Steigerung der Mieten zu erwarten, bis 2010 jährlich immerhin um zehn Prozent. Das Angebot an hochwertigen Flächen in guten Lagen sei knapp, weil in den vergangenen Jahren nur wenig Neubauprojekte angegangen worden seien.

          Nach Ansicht von Plesser werden schon deshalb die Preise für Büroimmobilien kaum sinken. „Vor allem die guten Gebäude in guten Lagen sind weiterhin stark gefragt.“ Sein Kollege Patric Fiegle von Atisreal stimmt der Analyse zu. Auch er rechnet vor allem für Frankfurt wegen der großen Flächennachfrage mit steigenden Mieten. Schon deshalb bleibe der Kauf von Büroimmobilien interessant. Hinzu komme, dass weiterhin sehr viel internationales Kapital auf der Suche nach guten Anlagemöglichkeiten sei, meint Fiegle. Wenn beispielsweise amerikanische Pensionsfonds zum Jahresende ihre Anlagepläne abarbeiten müssten, werde das stabilisierend wirken. Positiv auf den Immobilienmarkt wirke sich auch die steigende Inflationsgefahr aus. „Wir rechnen mit einer Flucht in Sachwerte, und da stehen Häuser traditionell oben auf der Liste“, sagen beide Makler.

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